Sa., 26.05.12

Missbrauchsfälle 13.03.2010 Papst unter Druck

Das Oberhaupt der katholischen Kirche (Foto)
Druck auf den schweigenden Papst wächst. Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. schweigt zum Missbrauchsskandal in deutschen Kirche und gerät in die Kritik. Der Vatikan sieht sich als Opfer einer Kampagne und bestreitet eine Verantwortung des Kirchenoberhauptes für Missbrauchsfälle im Erzbistum München.

«Wir sind enttäuscht, dass der Papst bisher kein mitfühlendes Wort für eine Bitte um Vergebung und Versöhnung gefunden hat», sagte der Sprecher der Reformbewegung «Wir sind Kirche», Christian Weisner, am Samstag. Es reiche nicht aus, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nach einer Papst-Audienz - so wie am Freitag - nur berichte, dass das Oberhaupt der Kirche erschüttert sei.

«Wir sind Kirche» sieht Erklärungsbedarf zu Joseph Ratzingers Zeit als Münchner Erzbischof 1977 bis 1982. Am Freitag hatte das Bistum Informationen der Süddeutschen Zeitung bestätigt, dass Ratzinger damals im zuständigen Gremium zustimmte, einen vorbelasteten Priesters von Essen nach München zu versetzen. Später schickte das Bistum den Mann in eine Gemeinde, in der er erneut Kinder missbrauchte und deshalb auch verurteilt wurde.

Weisner von «Wir sind Kirche» widersprach der Ansicht des Münchner Erzbistums, wonach der frühere Generalvikar Gerhard Gruber die «volle Verantwortung» in diesem Fall trage. Die letzte Verantwortung habe bei Ratzinger gelegen - wegen des «hierarchischen Prinzips» in der Kirche, meint die Gläubigen-Organisation.

«Der Papst hat damit nichts zu tun»

Der Vatikan hat eine Verantwortung von Papst Benedikt XVI. für Missbrauchsfälle im Erzbistum München bestritten. Papst-Sprecher Federico Lombardi erklärte am Samstag in Rom, der damalige Münchner Erzbischof Kardinal Joseph Ratzinger habe «nichts zu tun» mit Entscheidungen, nach denen es zu Missbräuchen gekommen war.

Vielmehr wähnt sich der Vatikan als Opfer einer Kampagne. Es habe in den vergangenen Tagen einige gegeben, «die mit einer gewissen Verbissenheit in Regensburg und München nach Elementen gesucht haben, um den Heiligen Vater persönlich in die Missbrauchsfragen mit hineinzuziehen», sagte der Sprecher.

Der Vatikan teilte derweil mit, dass seit dem Jahr 2001 3000 Anzeigen von Pädophilie durch katholische Priester weltweit in Rom eingegangen seien. 300 Fälle seien näher untersucht worden, sagte der «Anwalt der Gerechtigkeit», Charles Scicluna, der eine Art Vatikan-Staatsanwalt ist.

Der Papst-Sprecher betonte, dass die Normen der katholischen Kirche «in keiner Weise ein Vertuschen solcher Vergehen beabsichtigt oder gefördert» hätten, sondern «im Gegenteil eine intensive Aktivität ausgelöst haben, um diese Vergehen im Rahmen des Kirchenrechts anzugehen, zu beurteilen und zu bestrafen». All dies sei durchgesetzt worden, als Kardinal Ratzinger Präfekt der Glaubenskongregation gewesen sei.

Die katholische Kirche hat an Glaubwürdigkeit eingebüßt

Medienberichten vom Wochenende zufolge gab es in Bayern überdies sexuelle Übergriffe auch im oberpfälzischen Kloster Plankstetten, im Ingolstädter Canisiuskonvikt, im Umfeld des Ingolstädter Kolpinghauses und im Studienseminar Eichstätt.

Nach Ansicht einer großen Mehrheit der Deutschen hat die katholische Kirche durch den Missbrauchsskandal stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt. 71 Prozent der Deutschen meinen laut einer Emnid-Umfrage, die Vorfälle hätten der Glaubwürdigkeit der Kirche geschadet. Nur 22 Prozent sehen das anders. Unter den Katholiken waren 67 Prozent der Meinung, ihre Kirche habe Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sprach sich für eine Lockerung des Zölibats aus. Die Kirche müsse «Konsequenzen struktureller Art ziehen und dabei reflektieren, ob es kirchenspezifische Bedingungen gibt, die den Missbrauch begünstigten», sagte Glück der «Süddeutschen Zeitung». Die Lockerung des Pflichtzölibats sei «ein Weg», sagte der CSU-Politiker, allerdings sei damit das Problem alleine nicht gelöst.

amg/news.de/ddp/apn/dpa
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • klartext
  • Kommentar 2
  • 01.04.2010 21:29
 Antwort auf Kommentar 1

Vielleicht schaut noch ein Pöstchen als Beichtvater heraus...

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  • Albers
  • Kommentar 1
  • 13.03.2010 20:56
 

Aktueller Kommentar zum Thema: Zölibat der Priester – Ehelosigkeit der Ordensleute. Wie Alois Glück der Kirche helfen will. http://bit.ly/dD34er

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