«Es wird wirklich wärmer»
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Von Wolfgang Schönwald
Artikel vom 12.03.2010
Glauben kann man es eigentlich kaum, aber die Temperaturen sollen in der kommenden Woche tatsächlich den Gefrierpunkt hinter sich lassen. Und zwar deutlich. Vorher blüht vor allem dem Osten jedoch nochmal Kaltes von oben.
Eine Woche vor dem kalendarischen Frühlingsanfang am 20. März machen die Meteorologen Hoffnung auf Wärme und Sonne. In der kommenden Woche sollen die Temperaturen vor allem in Süddeutschland die 15-Grad-Marke anpeilen, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte.
Die Konkurrenz vom privaten Wetteranbieter Donnerwetter.de prognostiziert für den kommenden Freitag als Spitzenwert sogar 18 Grad Celsius, auch im Norden und Osten soll es dann zweistellige Temperaturen geben. Am kommenden Wochenende jedoch ist es nochmals nasskalt - mit Schnee und Regen.
Ab Wochenmitte endlich frühlingshaft
Donnerwetter-Experte Karsten Brandt sagte, «für diese Jahreszeit ist es derzeit definitiv zu kalt». Ab Wochenmitte werde es aber endlich deutlich milder. «Am Donnerstag scheint dann in ganz Deutschland die Sonne, bei frühlingshafter Luft - wenn die Computermodelle stimmen», sagte der Meteorologe in Bonn. Das Thermometer klettere im Westen auf 15 Grad, in Hamburg auf 10 und auch im Osten werde es fast zweistellig.
Zu Wochenbeginn jedoch erleben Brandt zufolge weite Teile Ostdeutschlands eine «böse Überraschung»: In der Nacht zum Montag werde es dort bei leichtem Frost nochmals kräftig schneien. «Dabei können mehrere Zentimeter zusammenkommen, unter Umständen sind auch mal 10 bis 15 Zentimeter drin.»
Der Grund hierfür: «Aus Westen strömt feuchte und recht kalte polare Meeresluft nach Deutschland. Die Folge sind viele Wolken, in den Niederungen im Norden und im Westen mehr Regen, nach Osten und Süden hin und im Bergland mehr Schnee», sagte DWD-Meteorologe Andreas Friedrich. Für Mittwoch werden laut DWD vom Niederrhein bis zum Bodensee aber bereits Höchstwerte von zehn bis zwölf Grad prognostiziert. «Nach dem Neuschnee am Anfang der Woche sieht es in den Alpen endlich mal nach schönem Skihaserl-Wetter aus», sagte er.
Die Pflanzenwelt hängt hinterher
Die lange Frostperiode hat auch Folgen für die Vegetation. Die Natur sei im Vergleich zu anderen Jahren drei Wochen zurück. Die Forsythie sei seit über zwei Wochen überfällig, die ersten gelben Blüten werde es wohl erst in der kommenden Woche im Rhein-Main-Gebiet geben, sagte Brandt. Die ersten Schneeglöckchen seien dort schon zu sehen - im Norden dagegen Fehlanzeige.
Auf dem Brocken ist nach den neuerlichen Schneefällen die Schneedecke auf 1,55 Meter gewachsen. Das sei «völlig normal» für diese Jahreszeit, sagte ein Meteorologe der Wetterstation. Auf dem 1142 Meter hohen Brocken liege sogar etwas weniger Schnee als in den Jahren zuvor.
Die seit Jahresbeginn zugefrorenen vorpommerschen Küstengewässer könnten nach Einschätzung von Experten noch bis Ostern vereist bleiben. Nur ein kräftiger Frühlingseinbruch, am besten mit länger anhaltendem Warmregen, könnte die teilweise noch bis zu 30 Zentimeter dicke Eisdecke binnen einer Woche weitgehend auflösen, sagte Jürgen Holfort vom Eisdienst in Rostock. Am längsten waren die nordostdeutschen Küstengewässer zuletzt 1996 vereist. Damals verschwand zum Beispiel die geschlossene Eisdecke vor Greifswald-Wieck erst am 7. April.
Schonzeit für Allergiker
Allergiker profitieren vom diesjährigen langen Winter. «Noch haben wir in diesem Jahr keine Patienten mit Heuschnupfen gesehen», sagte Hals-Nasen-Ohrenarzt Arne Weidenfeld vom Asklepios Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Hamburg. Durch die frostige Witterung beginne der Pollenflug ein bis zwei Wochen später als üblich. Zudem «fliegen die wenigen vorhandenen Pollen durch das nasskalte Wetter nicht so weit», sagte Weidenfeld.
Problematisch wird es den Angaben zufolge in einigen Wochen, wenn die verspätete Baumblüte voraussichtlich zeitgleich mit der normalen Gräserblüte auftritt. Wer gegen mehrere dieser Pollen allergisch sei, werde es dann besonders schwer haben, sagte der Hals-Nasen-Ohrenarzt.
Angesichts des langen Winters haben die Hamburger Christen am Sonntag einen besonderen Gottesdienst. Unter Leitung von Pastor Frie Bräsen will die evangelische Heilandskirche im Stadtteil Uhlenhorst beim «Sternstunden-Gottesdienst» für milderes Wetter beten, wie eine Sprecherin der zuständigen Kirchengemeinde sagte. Seit 2009 veranstaltet die Kirchengemeinde die Gottesdienst-Reihe «Sternstunden» zu jeweils aktuellen Themen.
iwi/news.de/ddp
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