Mo., 13.02.12

Aufruhr in Erlangen Keine «Wollust» im Gottesdienst

Von Stephan Maurer

Artikel vom 12.03.2010

Sie ist eben eine der sieben Todsünden und als solche auch in der Erlangener Herz-Jesu-Kirche vertreten: die Wollust. Weil die Gläubigen jedoch keine gespreizten Schenkel und Erektionen sehen wollen, wird das Gemälde im Gottesdienst verhängt.

Kunst oder Pornografie? Ein großformatiges Bild der «Wollust» in der katholischen Herz-Jesu-Kirche entzweit die Gläubigen der fränkischen Stadt Erlangen. Es zeigt eine üppige nackte Frau mit gespreizten Schenkeln, neben der zwei kleine Männer mit erigierten Penissen stehen.

«Ein Monsterbild», empören sich Kirchgänger und verlangen, das Bild sofort abzunehmen. Die Kirche hat nun auf die Proteste reagiert: Während der Sonntagsgottesdienste soll das Kunstwerk verhüllt werden. «Wir wollen denen unseren Respekt bekunden, die sich in ihren Gefühlen verletzt fühlen», sagt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Klaus Koschinsky.

Das Werk ist Teil einer Serie von sieben drastischen Bildern des Nürnberger Künstler Béla Faragó, in denen er die sieben Todsünden darstellt: Hochmut, Geiz, Zorn, Völlerei, Neid, Faulheit und Wollust. Pfarrer Wolfgang Döll hat die Ausstellung für vier Wochen in seine Kirche geholt, um die Gläubigen während der Fastenzeit zum Nachdenken über sich selbst anzuregen. «Wenn man in der Kirche die Sünden nicht mehr zeigen kann, wo denn dann?», fragt der Geistliche.

Genau in Blickrichtung der Ministranten

Er steht zu der Ausstellung, muss sich aber neben viel Zuspruch auch heftige Anfeindungen gefallen lassen. «Pornografie», «einfach scheußlich», «hässlich und ordinär» - so lauten Kommentare im Gästebuch der Kirche. Besonders regen sich die Gegner darüber auf, dass die Ministranten im Gottesdienst von ihrem Platz aus genau auf das Bild schauen. «Das kann 16-Jährigen nicht zugemutet werden», empört sich die Wortführerin des Protestes, die 62-jährige Marianne Schröppel. Sie hat kürzlich sogar zur Selbsthilfe gegriffen und das Bild in einer eigenmächtigen Aktion vorübergehend abgehängt.

Nun wird heftig gestritten, ob die Nackte tatsächlich eine Gefahr für junge Menschen ist. Die Skandale um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen machen die Diskussion nicht leichter. Der Organisator der Ausstellung, Pastoralreferent Martin Förster, hat deshalb sogar Rat bei Jugendpsychiatern gesucht. «Das Bild hat keine schädliche Wirkung auf die psychosexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen», versichert Förster. Auch der Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Koschinsky weist den Vorwurf Kinder gefährdender Pornografie entschieden zurück. «Kinder sehen in den Bildern nicht das, was die Fantasie von Erwachsenen entdeckt», meint er.

Dennoch bleibt die Kirchengemeinde gespalten. Auch bei einer Diskussion am Donnerstagabend gingen die Meinungen weit auseinander: «Pornografisch und obszön», schimpft eine Frau, und eine andere wertet das Bild als Beleg für die Frauenfeindlichkeit der Kirche. Andere Teilnehmer machen sich für die Ausstellung stark und verweisen darauf, dass es viele Darstellungen von Nackten in den Kirchen gibt - bis hin zu Michelangelos Fresko «Das Jüngste Gericht» in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. «Da müsste man viele Bilder und Skulpturen verhüllen oder entfernen», meint ein Mann.

Der Künstler Béla Faragó hat sich zu der Diskussion bisher nicht geäußert. «Er ist erschüttert», sagt sein Galerist Jan Thorleiv Bunsen, dem das Bild gehört. Bunsen denkt nun darüber nach, mit den «Todsünden» eine Wanderausstellung für interessierte Kirchengemeinden zu konzipieren. «Man sieht ja - Kunst wirkt», sagt der Galerist.

iwi/reu/news.de/dpa
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URL : http://www.news.de/gesellschaft/855048120/keine-wollust-im-gottesdienst/1/
Schlagworte:
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Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 20.03.2010 22:39
von
Felix Kroll
Antwort auf Kommentar 1

Danach haben sie es gar nicht mehr weit zum Beichtstuhl und koennen anschliessend gleich weitermachen. Der Beichtpfaffe kommt noch auch auf seine Rechnung. Auf dem Foto wird die Stellung 17 dargestellt und im Hintergrund ist eine Eselsnummer zu erkennen.

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  • Kommentar: 1
  • 15.03.2010 13:59
von
Marco Wegener

Finde ich gut, daß sie sich dazu bekennen. Da gehört die Ausstellung auch hin. Die sollen das "Gottes"-Haus (wessen Gottes auch immer) als sollches dennen zur Verfügung stellen, die ihr Geld sonst auf dem Strich verdienen. Da haben sie wesentlich mehr Platz und können durch die Reihen hinweg sich austoben.

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