Der Lebensbaum blüht
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Ein Jahr nach dem Amoklauf in einer Schule in Winnenden haben Schüler, Lehrer und Hinterbliebene der 15 Opfer der Bluttat gedacht. In einer Rede forderte Bundespräsident Horst Köhler die Politik auf, das Waffenrecht weiter zu verschärfen.
Gespenstische Stille liegt über der Albertville-Realschule, während leise rieselnder Schnee die Kleinstadt Winnenden in eine weiße Decke hüllt. In einer Halle gegenüber der Schule versammeln sich am Morgen rund 900 Schüler, Lehrer und Hinterbliebene zum stillen Gedenken. Hinter verschlossener Tür und ohne Medienrummel hängen die Trauernden ihren Erinnerungen an die getöteten Kinder, Freunde und Lebenspartner nach.
Acht Schülerinnen, ein Schüler und drei Lehrerinnen wurden genau vor einem Jahr von einem früheren Schüler der Realschule erschossen, bevor der Amokläufer auf seiner Flucht drei weitere Menschen und sich selbst tötete. Am Jahrestag des fürchterlichen Geschehens sind in ganz Baden-Württemberg an öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast gesetzt - die Landesregierung hat Trauerbeflaggung angeordnet. 300 Polizisten sind in Winnenden im Einsatz, viele von ihnen in ziviler Kleidung.
Jedem einzelnen Toten sind bei der Gedenkfeier Bildersequenzen aus seinem Leben gewidmet, die für die Trauergemeinde auf einer großen Videoleinwand gezeigt werden. Der Raum ist abgedunkelt, es werden Gedichte vorgetragen. Immer wieder ist ein Schluchzen zu hören. Ein «Lebensbaum» wird mit Symbolen für die Toten geschmückt - ein Herz, eine Sonne, ein Stern, ein Fußball, eine Katze und ein Notenschlüssel. Der Baum soll später auf dem Schulgelände seinen Platz finden.
Kurz vor 9.33 Uhr verlassen die Trauernden noch immer abgeschirmt von der Öffentlichkeit die Halle. Es ist der Zeitpunkt, als vor einem Jahr das Blutbad in der Schule begann. Die Trauergemeinde bildet eine Menschenkette. Minutenlang sind nur Vogelstimmen zu hören. Tief bewegt sagt Regierungsschuldirektor Wolfgang Schiele kurz danach: «Es war ohne jede Aktion, außer mit vielen, vielen Tränen und Worten, die man nicht gefunden hat.» Nachdenklich fügt er hinzu: «Es war ein Stück Abschluss des Geschehens, aber auch ein Blick in die Zukunft.»
In ganz Winnenden läuten die Kirchenglocken. Auf den Straßen bleiben die Menschen stehen, blicken zu Boden und schweigen. Die ganze Stadt hält für einen Moment inne. Nicht wenige falten die Hände. Drei junge Mädchen fallen sich schluchzend in die Arme. Kurze Zeit später wird auf dem Markt wieder Kohl verkauft. «Es muss ja weitergehen», sagt ein Marktbesucher.
Bundespräsident fordert verschärftes Waffenrecht
«Da ist viel Schlimmes, was wir teilen müssen: Einsamkeit. Leere. Sinnlosigkeit. Verzweiflung. Angst. Und auch Hass», sagt Bundespräsident Horst Köhler bei seiner Rede in Winnenden.
Er nannte die Namen der toten acht Schülerinnen, des Schülers, der drei Lehrerinnen und der drei Männer, die der Täter auf seiner Flucht tötete. «Und ich füge auch heute hinzu: Auch die Familie des Täters hat ein Kind verloren. Auch für sie ist eine Welt zusammengebrochen.»
Über die Frage, was getan werden könne und müsse, um solche Schrecken zu verhindern, habe er viele Gespräche geführt mit Psychologen und mit Experten für Waffenrecht, mit Abgeordneten und Ministern, mit Medienfachleuten und Polizisten, sagte der Bundespräsident. Er forderte die Politik auf, das Waffenrecht weiter zu verschärfen.
Appell für mehr Achtsamkeit
Köhler appellierte an die Gesellschaft, sich gemeinsam gegen eine drohende Verrohung zur Wehr zu setzen und Grenzen zu ziehen. Die Meinungen der Wissenschaft darüber, ob Videospiele Handlungsanleitungen für potenzielle Täter seien, gingen auseinander.
Das Staatsoberhaupt bat alle um einen achtsamen Umgang miteinander, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit wachsen zu lassen. «Wir können darauf achten, dass niemand abseits bleibt. Wir können mehr Anteil nehmen aneinander, statt achtlos vorüberzugehen.»
Einen besonderen Appell richtete Köhler an die Medien. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass detaillierte Berichterstattung über die Täter, ihre Motive, ihre Planungen, ihre Vorgehensweise sowie Tatablauf, Kleidung und Waffen Nachahmer auf den Plan rufe. «Ich schließe mich deshalb dem Expertenrat der baden-württembergischen Landesregierung an: Wir brauchen klar definierte Berichterstattungsregeln, die gemeinsam mit den Medien erarbeitet werden; wir brauchen einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention», hob der Bundespräsident hervor.
iwe/tfa/reu/news.de/dpa/ap
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Wega, dieser "Kommentar" hat mich regelrecht verärgert. Was soll dieses dämliche Geschwätz? R fragt zu Recht, was diese Amoktat mit Profitdenken zu tun hat.Wem nützen Amoktaten? - wirklich eine saublöde Frage. Mit Sicherheit niemandem! Es war die Tat eines Einzelnen, und dessen Motive werden wir sicher nicht mehr erfahren. Ich wohne nicht weit weg von Winnenden. Den Täter, Timo K., selber kannte ich persönlich nicht. Dafür aber eines seiner Opfer umso besser. Und genau aus diesem Grunde finde ich Ihren "Beitrag" widerlich und abscheulich. Sie hätten besser geschwiegen.
jetzt antwortenKommentar meldenWenn der Schulbesuch zum Lebensrisiko wird, dann ist etwas oberfaul. Was das mit Profitdenken zu tun haben soll, wie wega meint, ist ein Rätsel. Allerdings gilt das auch für das, was der BPräs. redete. RAGNAROEKR analysiert: Es gibt eine völlig verrohte, kriminelle, leistungsunwillige und drogenabhängige, jedoch auch weinerlich verwöhnte Jugend, die in seelenlosen Schulen zu Tausenden der Langweile wegen bildungsverpflichtet werden, bildungsschwache Eltern, zu große Klassen und unterbezahlte Lehrer. R fordert: Den Opfern zuliebe ist die Gesellschaft durch strengste Zucht neu zu formieren.
jetzt antwortenKommentar meldenJetzt werden wieder große Reden geschwungen, geändert wurde nichts. Die Warheit und die Hintergründe des Amoklaufes werden vertuscht. Man muss sich die Frage stellen: Wem nützen diese Amoktaten? Solange Deutschland von Lobbyisten und Polit-Verbrechern regiert wird, die nur das eigene Profitdenken kennen, wird sich nichts ändern.
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