«Amoklauf ist keine Kurzschlusshandlung»
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Von Diana Wild
Artikel vom 09.03.2010
Schulpsychologie solle Studiengang werden und ein Warnsystem müsse Schüler schützen. Das sind nur zwei von 100 Empfehlungen, die ein Sonderausschuss in Baden-Württemberg nach dem Amoklauf von Winnenden nun vorlegt.
Der nach dem Amoklauf von Winnenden eingesetzte Sonderausschuss im baden-württembergischen Landtag empfiehlt deutlich mehr Stellen für Beratungslehrer und Schulpsychologen. Die Zahl der Schulpsychologen müsse auf 200 verdoppelt werden, forderte der Vorsitzende des Ausschusses, Christoph Palm (CDU), bei der Vorstellung des 881 Seiten starken Abschlussberichts in Stuttgart. Zudem müsse das Land 250 zusätzliche Stellen für Beratungslehrer schaffen.
Der Ausschuss schlägt zudem vor, einen Studiengang «Schulpsychologie» in Baden-Württemberg einzuführen. Ein neues «Kompetenzzentrum des Landes» soll die schulpsychologische Betreuung koordinieren. Weiterhin soll das Land schnell ein verbindliches Gewaltpräventionsprogramm anbieten. Dabei gehe es vor allem um die enge Zusammenarbeit von Schülern, Lehrern und Eltern.
Außerdem sollen laut Palm zwei einheitliche Warnsignale für Schulen entwickelt werden. Eines solle signalisieren «alle raus», das andere «alle im Klassenzimmer bleiben und verriegeln», erläuterte er. Zudem soll die Entwicklung eines elektronischen Alarmsystems unterstützt werden. Handys oder E-Mail-Verkehr seien dafür nicht ausreichend geeignet, betonte Palm.
Insgesamt legte der Ausschuss 100 Empfehlungen vor, bei 77 davon stützte er sich auf Empfehlungen des Expertenkreises der Regierung. Palm zufolge könnten die Vorschläge innerhalb von drei bis fünf Jahren umgesetzt werden. Dies würde gut 30 Millionen Euro pro Jahr kosten. Die Landesregierung habe bereits signalisiert, für schnelle Maßnahmen schon im Mai in einem Nachtragshaushalt Geld zur Verfügung zu stellen.
Ziel des Ausschusses sei es gewesen, «Amokläufe weniger wahrscheinlich zu machen», stellte Palm klar. Eine komplette Vermeidung solcher Taten sei eine «Illusion». Bei der Prävention müsse man möglichst früh ansetzen, um Warnsignale zu entdecken. «Ein Amoklauf ist keine Kurzschlusshandlung.»
Der Ausschuss hatte sich mit fünf Themenfeldern befasst: Gewaltprävention, Zugang zu Waffen, Gewaltdarstellung in Medien, Sicherheitsmaßnahmen an Schulen sowie die Stärkung des Erziehungsauftrags der Eltern.
Die CDU-Obfrau im Ausschuss, Sabine Kurtz, sagte, ein Ergebnis der Arbeit sei, dass es kein «einheitliches Täterprofil» gebe. Daher sei «keine zielgerichtete Amokprävention» möglich. Der Konsum gewalttätiger Medieninhalte etwa sei nicht allein ursächlich für eine solche Tat. Ein Verbot sei daher «nicht der Schalter, den man umlegen kann». Nach Ansicht der CDU treffe das auch auf ein Verbot von Waffen zu.
SPD und Grüne hingegen hatten vergeblich für einen Einsatz für schärfere Waffengesetze plädiert. Die SPD-Obfrau im Ausschuss, Karin Altpeter, betonte, die SPD habe sich für eine Bundesratsinitiative zum Verbot großkalibriger Waffen stark gemacht. SPD und Grüne waren außerdem mit der Forderung gescheitert, dass auch die Schulsozialarbeit nach Kürzungen der Landes-Zuschüsse wieder stärker gefördert wird. Grünen-Obmann Hans-Ulrich Sckerl verlangte, die Zahl der Schulsozialarbeiter von derzeit geschätzt 500 auf 2500 zu erhöhen.
Der 18-köpfige Ausschuss hatte sich zehn Monate lang mit den Konsequenzen aus dem Amoklauf beschäftigt. Dabei wurden 16 Experten gehört sowie Betroffene, Verbände und Kirchen.
iwe/news.de/ddp
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