So., 12.02.12

Missbrauchskandal Druck auf Vatikan wächst

Artikel vom 07.03.2010

Auch Papst Benedikt XVI. soll Farbe bekennen im Missbrauchskandal katholischer Einrichtungen - das fordert die Reformbewegung «Wir sind Kirche». In Wolfsburg wurde ein Pfarrer wegen eines 30 Jahre zurückliegenden Falls suspendiert.

«Denn Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 gehört genau zu den Jahren, um die es bei den Missbrauchsfällen geht», sagte «Wir sind Kirche»- Sprecher Christian Weisner. Es dränge sich die Frage auf, ob er damals Kenntnis von solchen Übergriffen gehabt habe - und falls ja, wie er damit umgegangen sei.

Auch außerhalb der katholischen Kirche wurden Missbrauchsfälle bekannt - so etwa an der renommierten Odenwaldschule im hessischen Heppenheim. Betroffene berichteten, sie seien in der Zeit von 1970 bis 1985 von Lehrern als «sexuelle Dienstleister» fürs Wochenende eingeteilt worden. «Wir haben die große Befürchtung, dass es tatsächlich mehr sind als die Namen, die wir bis jetzt kennen», sagte Schulleiterin, Margarita Kaufmann. Am Montag würden Briefe an alle Altschüler versandt, die zur fraglichen Zeit an der Schule waren.

Der Vatikan will Klarheit und Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer in katholischen Einrichtungen. Das geht aus einer Notiz der vatikanischen Tageszeitung Osservatore Romano hervor, die sich auf die Missbrauchsfälle in Deutschland und dabei vor allem auf die betroffenen Regensburger Domspatzen bezieht. Der Heilige Stuhl unterstütze die Diözese in deren Bemühungen, im Sinne der Vorgaben der Deutschen Bischofskonferenz «die schmerzliche Frage entschieden und in offener Weise zu untersuchen», heißt es darin.

Null Toleranz vom Papst

Hauptziel sei die «Gerechtigkeit für mögliche Opfer». Nach Angaben des kirchlichen Sonderbeauftragten und Trierer Bischofs Stephan Ackermann soll für sie nun eine Hotline eingerichtet werden. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper forderte kirchenintern eine «ernsthafte Reinigung». Es sei gut, dass der Papst null Toleranz verlange, meinte er der römischen Zeitung La Repubblica zufolge.

Am Freitag waren Details zu den Jahre zurückliegenden Missbrauchsfällen im oberbayerischen Kloster Ettal und bei den Regensburger Domspatzen bekanntgegeben worden. Ähnliche Fälle gab es auch bundesweit in etlichen anderen Bistümern. Das Bistum Hildesheim teilte am Wochenende mit, einen Wolfsburger Pfarrer mit sofortiger Wirkung suspendiert zu haben, weil dieser vor mehr als 30 Jahren einen Jungen missbraucht habe.

Das Opfer habe bis vor kurzem aus Scham geschwiegen. Erst jetzt, nach dem Aufruf des Bischofs an die Gemeinden, auch zurück liegende Fälle zu melden, hatte es den Mut, sich an den Bischöflichen Beauftragten für sexuellen Missbrauch zu wenden und die Vorfälle anzuzeigen. «Die Diözese Hildesheim ist entsetzt und tief betroffen über den sexuellen Missbrauch», sagte sich der zuständige Domkapitular Heinz-Günter Bongartz auch im Namen von Bischof Norbert Trelle. Dem Opfer wurden therapeutische Hilfe und beratende Unterstützung zugesagt. Der Pfarrer hat den Missbrauch inzwischen zugegeben und bereue die Tat.

Papstbruder habe nichts gewusst

Auch der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger (86), müsse sich Fragen zum Missbrauchsskandal gefallen lassen, sagte Weisner. Der Kirchenmusiker Georg Ratzinger hatte die Regensburger Domspatzen von 1964 bis 1994 geleitet. «Ich habe nichts davon gewusst», betonte der Papstbruder jedoch bereits am Sonntag in einem Interview mit der römischen Tageszeitung La Repubblica. Auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller im Osservatore Romano (Samstag) erklärte, dass die «in Erinnerung zurückgerufenen» Missbrauchsfälle seit Ende der 1950er Jahre nicht Georg Ratzingers Amtszeit beträfen.

Dennoch stünde er als Zeuge eventuellen Ermittlungen zur Verfügung, sagte Georg Ratzinger. Er bedauerte aber eine gewisse «Feindseligkeit» hinter einigen Behauptungen: «Ich spüre teilweise eine Feindseligkeit der Kirche gegenüber, die bewusste Intention, schlecht über die Kirche zu reden.» In Italien hatten die deutschen Missbrauchsfälle schlagartig mehr Aufmerksamkeit erlangt, als bekannt wurde, dass es auch um die Regensburger Domspatzen geht, die vom Papstbruder geleitet wurden.

Der Bild-Zeitung sagte Ratzinger: «Bei uns ging es streng zu, aber das war nötig, weil ja Leistung gefordert wurde.» Damit stößt er auf Widerspruch: «Warum der Papstbruder Georg Ratzinger, der seit 1964 Domkapellmeister war, davon nichts mitbekommen haben soll, ist mir unerklärlich», sagte Regisseur und Komponist Franz Wittenbrink, der im Regensburger Internat der Domspatzen bis 1967 lebte, dem Magazin Der Spiegel. Er sprach von einem «ausgeklügelten System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust». Der damalige Internatsdirektor habe sich «abends im Schlafsaal zwei, drei von uns Jungs ausgesucht, die er in seine Wohnung mitnahm». Dort habe es Rotwein gegeben, der Priester habe mit Minderjährigen masturbiert.

Die heutigen Domspatzen distanzieren sich

Indes pocht die heutige Leitung der Domspatzen darauf, dass der Geist des Hauses nichts mehr mit den früheren Vorkommnissen zu tun habe. «Vorfälle von vor 50 oder 60 Jahren spiegeln nicht die aktuelle Lebenswirklichkeit der Domspatzen wieder», sagte Internatsdirektor Rainer Schinko einer Mitteilung zufolge. Darin heißt es über den schon seit längerem geplanten Tag der offenen Tür am Wochenende: «Die Eltern zeigten (...) keinerlei Irritationen.»

«Wir sind Kirche»-Sprecher Weisner verlangt von den Bischöfen ein sichtbares Zeichen der Reue. «Eine auf einer Pressekonferenz abgelesene Entschuldigung reicht nicht aus.» Stattdessen solle die Deutsche Bischofskonferenz etwa eine gut dotierte Stiftung zur Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch gründen, sagte Weisner.

Einen Runden Tisch aller Betroffenen hält dagegen der Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), für dringender denn je. Wenn sich alle Beteiligten darauf verständigten, dann könne auch über Entschädigungen bereits verjährter Fälle geredet werden, sagte Stadler in Berlin.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus ist der oberste Benediktiner, Abtprimas Notker Wolf, nach den Fällen in Ettal verärgert über die Aktivitäten des Münchner Erzbistums. Es müsse geklärt werden, «ob die Erzdiözese so mit einer Abtei umgehen kann, wie sie es jetzt tut, beispielsweise die Schließung der Schule anzudrohen, falls der Schulleiter nicht zurücktritt, ohne dass diesem das Geringste vorgeworfen werden kann», sagte Wolf. Ettal liegt im Erzbistum München und Freising, ist als Kloster jedoch autark.

kat/cvd/news.de/dpa
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Leserkommentare (8)
  • Kommentar: 8
  • 01.04.2010 23:01
von
ehrlich währt am längsten

Ich frage mich immer wieder, was geschehen würde, wenn Jesus Christus plötzlich wieder persöhnlich auftritt ? Sicherlich würde er wie ein Außerirdischer betrachtet und gefragt, ob er überhaupt ein Visum hätte. Die Institutionen hätten ein g r o ß e s Problem ! Aber die Zeit ist reif für viele unvorstellbare Ereignisse...Dogmen, Rituale und Äußerlichkeiten helfen da auch nicht mehr weiter. 2000 Jahre versagen müßen erst mal aufgearbeitet werden!

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  • Kommentar: 7
  • 14.03.2010 19:44
von
August

So, So, Beitrag 5 und 6 sind wegen Verstoß gegen die Netiquette gelöscht oder besser gesagt; die Wahrheit zu sagen ist unbequem und nicht erlaubt. Oder jemand vom Opus Dei sizt undercover in Euren Reihen. Opus Dei, das sind die, die mit einem Stachelband, dem sog. Bußgürtel herumlaufen um sich mittels Vorbüßen alle Schandtaten erlauben können. Aber tröstet euch, meine beide Artikel sind als Beiräge 2 und 3 im Vorum Neue Vorwürfe gegen den Domspatzen

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  • Kommentar: 6
  • 14.03.2010 19:07
von

Wegen Verstoß gegen die Netiquette gesperrt

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  • Kommentar: 5
  • 13.03.2010 17:05
von

Wegen Verstoß gegen die Netiquette gesperrt

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  • Kommentar: 4
  • 13.03.2010 14:36
von
Grünpfeil

Nach der Legende hatte Jesus Christus die Tische der Wechsler vor dem Tempel umgeworfen. Vielleicht würde er heutzutage die "heiligen Stühle umwerfen"... Aber man darf sich von dieser Idee nicht zuviel versprechen - er forderte auch die Sklaven zum Gehorsam auf, auch wenn die Herren manchmal "wunderlich" seien... Der beste Ratschlag: "prüfet alles, und das Beste behaltet". Das ist zweifellos die Idee der Nächstenliebe. Alles andere taugt nicht viel, wie man sieht. Die zahllosen Kirchenaustritte werden den Rest besorgen und den Weg der Kirche vollenden.

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  • Kommentar: 3
  • 09.03.2010 14:48
von
Karl Mai

Null Toleranz von Papst? Null Toleranz für den Papst. Zölibat abschaffen und das überflüssige Papstum gleich mit. 2000 Jahre morden und verbrennen,Gold und Macht anhäufen,Menschen mit Latein im dummen lassen und mit der Angst der Menschen spielen,das ist die sich selbst als"heilig nennende katholische Kirche"eine überkommene Laienspielgruppe in schwarzen,roten,und einem weißen Rock! Sie haben nun endgültig,auch mit der üblichen Art, tausende Mal erwischt,jegliches Vertrauen der Menschen als unmenschliches und unmoralisches Vorbild gewonnen.Wer sich allen Beweisen zu entziehen versucht ist der Teufel!Die Kinderschänder kommen nach katholikenrecht ins Fegefeuer!

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  • Kommentar: 2
  • 09.03.2010 14:31
von
Ole

Der jetzige"Oberhirte im weißen Rock"war dann bestimmt schon als Münchener Erzbischof Ratzinger,von den 68gern verseucht! Der"Mittelhirte im roten Rock"Bischof von Augsbutg,Mixa,ein Sehender!

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  • Kommentar: 1
  • 09.03.2010 09:49
von
Melanie Marek

So viel Leid auf dieser Welt, Hunger, Obdachlosigkeit, Tot etc. und zuguter letzt kommt da die Kirche und nutzt das Vertrauen das ihnen entgegengebracht wird, auf eine so menschenverachtende Weise aus, das ich nicht in Worte fassen kann was ich über diese Menschen denke. Selbst die schlimmsten "Piep-Worte" würden diese Menschen nicht angemessen beschreiben. An alle Opfer: Bitte wert euch, die Öffentlichkeit muss davon erfahren, keiner darf wegsehen. Jedoch ist mir auch wichtig zu sagen: Die Kirche ist NICHT GLEICH Gott, verliert den Glauben deshalb nicht. Mein tiefstes Mitgefühl allen Opfern

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