Bei Verkehrsunfällen sind in der Nacht zum Sonntag mindestens neun Menschen getötet und mehrere teils lebensgefährlich verletzt worden. Am frühen Sonntagmorgen warnte der Deutsche Wetterdienst weiter vor Glätte in weiten Teilen Deutschlands.
Schnee-Tief «Yve» bringt den Winter zurück: Kaum hatten sich die ersten Krokusse durch den vereisten Boden gebohrt, hat «Yve» zahlreiche Regionen Deutschlands wieder mit einer dichten Schneedecke bedeckt - und für Chaos auf den Straßen gesorgt.
Auf vielen Autobahnen ging am Wochenende gar nichts mehr. Lastwagen standen quer, Autos rutschten ineinander, auf zahlreichen Flughäfen und Bahnstrecken kam es zu Behinderungen. Mindestens neun Menschen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben, hunderte waren in Krambolagen verwickelt und wurden zum teil schwer verletzt.
Während blauer Himmel und Sonnenschein am Sonntag viele bei frostigen Temperaturen zu einem Spaziergang durch die weiße Winterlandschaft einlud, herrschten an den Flughäfen am Wochenende des Öfteren lange Gesichter.Der Hamburger Flughafen musste am Samstag wegen des starken Schneefalls kurzfristig gesperrt werden. Auch am Münchner Flughafen, in Hannover und Bremen wurden Flüge annulliert oder starteten mit Verspätungen.
Tödliche Unfälle im ganzen Land
Im niedersächsischen Wolfenbüttel war am späten Freitagabend ein 26-Jähriger mit seinem Wagen von der Straße abgekommen und herausgeschleudert worden. Für den jungen Mann kam jede Hilfe zu spät. In Magdeburg kamen bei einem Unfall zwei Menschen auf schneeglatter Fahrbahn ums Leben.
Die Polizei in Bayern zählte am Wochenende Hunderte Verkehrsunfälle bei Schnee und Eis. Mindestens drei Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Besonders betroffen waren die Oberpfalz und Oberfranken. Auf der A 93 bei Schwandorf krachten am Samstag mehr als 40 Autos und Lastwagen ineinander. Die Autobahn war zwischenzeitlich in beiden Richtungen gesperrt, erst gegen 3 Uhr am Sonntagmorgen konnte sie wieder freigegeben werden.
Im Landkreis Tirschenreuth starb ein Kurierfahrer, als er mit seinem Kleinlaster in den Gegenverkehr geriet und mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstieß. Im Landkreis Bamberg kamen ein 26- und ein 31-Jähriger ums Leben. Auch sie kamen mit ihrem Kleinwagen von der Fahrbahn ab und krachten in den Gegenverkehr.
Massenkarambolage auf den Autobahnen
Zwei Unfällen im Nordosten endeten für drei Menschen tödlich, vier weitere wurden schwer verletzt. Wie die Rostocker Polizei mitteilte, geriet eine 26-jährige Autofahrerin auf der B 105 nahe Kröpelin (Mecklenburg-Vorpommern) auf die Gegenfahrbahn und stieß frontal mit einem Kleintransporter zusammen. Die Frau erlitt tödliche Verletzungen und starb später in einer Klinik. Kurz zuvor kamen ein 40-jähriger Mann und eine 64 Jahre alte Frau aus Berlin ums Leben, als ihr Wagen zwischen Gützkow und Züssow von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte.
Bei dichtem Schneetreiben kam es bereits am Freitag auf der Autobahn A 4 zwischen Dresden und Chemnitz zu zwei Massenkarambolagen. Die Autobahn war rund zehn Stunden abschnittsweise gesperrt. An den Unfällen waren laut Polizei mehr als 70 Fahrzeuge beteiligt. 24 Menschen wurden verletzt. Am Dreieck Dresden Richtung Chemnitz fuhren 29 Autos und sieben Laster ineinander. Dort gab es 19 Verletzte, mindestens ein Mensch wurde schwer verletzt. Aus Richtung Chemnitz krachte es vor der Abfahrt Wilsdruff. 37 Fahrzeuge stießen zusammen; elf davon waren Lastwagen.
Auch in Halle in Westfalen sorgte Schneegestöber für eine Massenkarambolage, bei der 14 Wagen ineinander prallten. Nachkommende Autos fuhren in einen liegengebliebenen Wagen, darunter auch zwei Rettungswagen und das Einsatzfahrzeug eines Notarztes, die zu der Unfallstelle gerufen worden waren.
Brummi von der Brücke gestürzt
Bei Würzburg wurde ein Lastwagenfahrer schwer verletzt, als er auf einer Mainbrücke von der Fahrbahn abkam und mit seinem Fahrzeug rund zehn Meter in die Tiefe stürzte. Rettungskräfte befreiten den Mann aus dem Führerhaus und brachten ihn in ein Krankenhaus. Die A 70 bei Kulmbach war in Richtung Bayreuth stundenlang gesperrt, nachdem drei schwere Sattelzüge ineinandergerutscht waren.
Vor allem Steigungen machten den Autofahrern immer wieder zu schaffen: Auf der A 3 Frankfurt-Köln blockierten Lastwagen an der Steigungsstrecke Elzer Berg den Verkehr. In Baden-Württemberg sperrte die Polizei vorübergehend den Albaufstieg der A 8 in Richtung München. Auch dort waren Lastwagen liegengeblieben.
In Nordrhein-Westfalen registrierte die Polizei mehr als 335 witterungsbedingte Verkehrsunfälle innerhalb von zehn Stunden. Dabei erlitten 45 Menschen Verletzungen. Im Sauer- und Siegerland fielen mehr als 20 Zentimeter Neuschnee. Auch im Norden Deutschlands brachte eine dichte Schneedecke den Verkehr zum Stocken - und die Autofahrer in Rutschen.
Frostig bei Sonnenschein
Im Harz dagegen freuten sich die Touristen bei strahlendem Sonnenschein über beste Wintersportbedingungen. Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee bescherte der Wintereinbruch dem Oberharz. Dort wurde am Samstagmorgen eine Gesamtschneehöhe von 140 Zentimetern gemessen.
Während Hoch Isidor vorerst weiter für blauen Himmel bei frostigen Temperaturen sorgt und die Wetterregie über Mitteleuropa behält, mogelt sich an seiner Ostseite von Norden her aber eine schwache Störung nach Deutschland, die gebietsweise stärkere Bewölkung mit ein paar Schneeflocken bis in die Mitte Deutschlands bringt. Höhere Neuschneemengen kommen dabei jedoch nicht mehr zusammen. Im Süden darf sich dagegen zu Wochenbeginn über viel Sonnenschein gefreut werden. Eine kleine Wiedergutmachung für den strengen Dauerfrost, der vorerst noch anhält.
In den Folgetagen beschert Hoch Isidor weitgehend störungsfreies und ruhiges Spätwinterwetter. Damit gehen die Temperaturen tagsüber meist etwas in den Plusbereich gehen, nachts ist dafür aber verbreitet zum Teil strenger Frost zu erwarten. Erst zum Donnerstag hin deutet sich mit dem Vorstoß eines Tiefs aus dem
zentralen Mittelmeer wieder eine wechselhaftere Periode an.