Mo., 13.02.12

Eisbären Ein Dasein, kurz wie ein Wimpernschlag

Von news.de-Mitarbeiter Bernhard Mackowiak

Artikel vom 07.03.2010

Er ist der unbestrittene König der Arktis. Doch sein Reich ist bedroht und schrumpft durch menschlichen Einfluss immer weiter. Dabei entstand der Eisbär, wie neuere Forschungen zeigen, erst von 150.000 Jahren.

Was dem König in Menschengestalt sein Purpurmantel und dem Löwen als König der Tiere seine Mähne, ist dem Eisbären sein weißes Fell. Wenn der Polarbär schwimmt, mit seinem Nachwuchs über die Eisscholle schreitet oder durch Einsatz seiner gewaltigen Pranken Beute jagt und erlegt, dann ist klar: dem Ursus maritimus – so der wissenschaftliche Name dieser Bärenart - ist die Krone nicht abzusprechen.

Deutlich unterstrichen wird das noch durch die Körpermaße: Erwachsene männliche Eisbären erreichen im Durchschnitt eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,40 bis 2,60 Metern, in Einzelfällen sogar von bis zu 3,40 Metern. Dazu kommen eine Schulterhöhe von bis zu 1,60 Meter sowie ein Gewicht zwischen 300 und 800 Kilogramm. Neben dem Kodiakbären gilt der Eisbär als das größte an Land lebende Raubtier der Erde. 

Ein Platz auf der Roten Liste

Sein Reich sind die Küsten und das Meereis der hocharktischen Regionen, denn nur in der Arktis ist der Eisbär verbreitet. Hierbei bevorzugt er Gebiete, in denen Wind und Meeresströmungen das Eis in Bewegung halten, es dabei immer wieder aufreißen und eisfreie Stellen (Polynjas) entstehen lässt. Zwischen ihnen bewegt er sich in einer Art Inselspringen.

Doch wie jeder inzwischen durch zahlreiche Medienberichte weiß, schrumpft durch die Klimaerwärmung das Meereis und bedroht das Überlegen der weißen Könige. Nicht umsonst stehen sie auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, auch wenn ihre Zahl durch spezielle Schutzmaßnahmen nach Schätzungen der IUCN derzeit weltweit etwa zwischen 20.000 und 25.000 Tiere beträgt.

Ein Sensationsfund

Stephan Schuster von der Penn State University in University Park und Kollegen haben festgestellt, dass sich die Eisbären erst vor rund 150.000 Jahren von den Braunbären abspalteten. In der Geschichte der Erde ist das ein Wimpernschlag.

Leicht war es nicht, diesen Zweig des Evolutionsgeschehens zu ermitteln. Denn man braucht Knochen: «Da die Bären die meiste Zeit auf dem Eis leben, sinken ihre sterblichen Überreste meistens auf den Meeresboden oder werden von Aasfressern zersetzt. Ihre Knochen werden also nur selten in zugänglichen Sedimenten abgelagert», erklärt Koautor Oystein Wiig von der Universität Oslo. Da gilt der von einem isländischen Fischer 2004 auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen entdeckte 130.000 Jahre alte Eisbärenkiefer mit Zähnen wirklich als Sensationsfund.

Aus diesen Knochen ließen sich noch Gewebeproben gewinnen und daraus die komplette mitochondriale DNA des Fossils ermitteln. Sie ist das laut Schuster bislang «älteste Mitochondrien-Genom eines Säugetiers», weil es doppelt so alt ist wie beim bisherigen Rekordhalter, einem Mammut.

Der Vergleich mit entsprechenden Proben von Braunbären aus Alaska, die schon zuvor als nächste Verwandten des Eisbären bekannt waren, zeigte, dass sich die Wege der beiden Arten im Mittleren Pleistozän trennten. Während des jüngeren Abschnitts des Pleistozäns entwickelten sich die Eisbären unter dem Druck gewandelter Lebensverhältnisse rasch weiter. Damit folgten auch sie dem Gesetz der Evolution, nach dem nur die Bestangepassten durch Mutation und Selektion die Veränderungen der Umwelt überleben.

Wankende und schrumpfende Herrschaft

So sind die Eisbären nun ausdauernde Schwimmer. Sie können mehr als fünf Kilometer in der Stunde zurücklegen und als Langstreckenschwimmer Entfernungen von 65 Kilometern und mehr überwinden. Sie ernähren sich ausschließlich von Fleisch wie von Robben, Klappmützen oder geschwächten Walrossen. Ihr weißes Fell tarnt sie nicht nur hervorragend, weil es vom Beutetier unter dem Wasserspiegel nur schwer wahrgenommen wird, sondern die unter dem Fell liegende schwarze Haut, nimmt optimal die Sonnenstrahlung auf.

Wie viele unserer heutigen Tier- und Pflanzenarten kamen die Eisbären in der Vergangenheit sehr gut mit Klimaveränderungen zurecht. So etwa in der letzten Zwischeneiszeit (Interglazial) von 120.000 bis 117.000 Jahren vor Christi Geburt. Sie war insgesamt wärmer als die bisherige Wärmephase.

Durch die globale Erwärmung schreitet jedoch der Temperaturwandel heute schneller voran, so dass die Eisbären womöglich nicht folgen könnten. Bei dem prognostizierten Rückgang des arktischen Meereises, könnten, so die Befürchtungen, bis Mitte des Jahrhunderts zwei Drittel der gegenwärtigen Eisbärenpopulation verloren gehen. Und: Verschwindet das Meereis komplett, ist es unwahrscheinlich, dass die Eisbären als Art überleben. Dann wären nach Schusters Forschungsergebnissen die Eisbären nur ein kurzes Intermezzo in der Geschichte des Lebens gewesen.

kat/news.de
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