So., 12.02.12

Spanien Stierkampf als Kulturgut

Artikel vom 06.03.2010

Für die einen ist es grausame Tierquälerei, für die anderen ein Stück wertvoller Tradition. Stierkampf soll in Spanien nun unter besonderen Schutz gestellt werden. Den Stieren hilft das wenig.

Stierkampf als Fach an spanischen Schulen? In Madrid ist das künftig durchaus denkbar, denn die Regionalregierung will das umstrittene Spektakel noch in diesem Monat zum Kulturgut erklären und damit unter besonderen Schutz stellen.

Dazu gehört auch, Schulkindern die «Werte» der uralten Tradition zu vermitteln. Vor allem aber geht es darum, die «Fiesta» vor Angriffen einer wachsenden Schar von Stierkampfgegnern zu schützen. Denn wer den blutigen Brauch verunglimpft, kann künftig mit Bußgeldern bestraft werden.

«Der Stierkampf ist ebenso schützenswert wie Museen oder Denkmäler», zitieren Zeitungen die Chefin der Madrider Regionalregierung, Esperanza Aguirre. Die konservative Politikerin, die einst spanische Bildungsministerin war und seit 2003 die Geschicke der rund sechs Millionen Einwohner zählenden Region Madrid lenkt, ist bekennender Stierkampf-Fan. Ginge es nach ihr, wären die «Corridas» längst Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

«Maler wie Francisco de Goya und Pablo Picasso, Schriftsteller wie Federico García Lorca und Ernest Hemingway oder Regisseure wie Orson Welles haben den Stierkampf stets als Kunst betrachtet. Warum sollen wir ihn dann nicht als solche behandeln?», sagt die 58-Jährige. Deshalb soll dieser Brauch in Madrid künftig auch mit öffentlichen Geldern gefördert werden.

Die Initiative Madrids fand schnell Nachahmer: Noch am Nachmittag kündigten auch die - ebenfalls konservativ regierten - Regionen Valencia und Murcia an, den Stierkampf unter Schutz stellen zu wollen. «Es geht um ein Symbol Spaniens», erklärte ein Sprecher der Regionalregierung Valencias.

Dass Aguirre sich ausgerechnet jetzt in die Arena wagte, scheint indes kein Zufall: In Spaniens wirtschaftsstärkster Region Katalonien, die stets mit Madrid rivalisiert, berät das Parlament derzeit über ein Verbot von Stierkämpfen. Auslöser ist eine Initiative von Tierschützern, die 180.000 Unterschriften für ein Volksbegehren sammelten. Die Abgeordneten in Barcelona hören dieser Tage Befürworter und Gegner des alten Brauches an, darunter auch Künstler und Intellektuelle.

Zu den Gegnern zählt etwa der Physiker und Hochschulprofessor Jorge Wagensberg, der den Parlamentariern den Degen zeigte, mit dem die «Matadoren» die Stiere in der Arena töten. «Und das soll nicht wehtun?», fragte er die Abgeordneten, während er die blitzende Spitze berührte. Für den Stierkampf setzte sich dagegen der französische Philosoph Francis Wolff ein: «Dieser Brauch ist nicht nur Spaniens nationales Fest, sondern gehört längst zum Kulturerbe Südeuropas.»

So sieht es auch Esperanza Aguirre in Madrid. Ihre Kritiker werfen ihr vor, sich aus politischem Opportunismus als große Stierkampf- Fürsprecherin des Landes zu präsentieren. Eines hat die 58-Jährige mit ihrem Vorstoß aber jedenfalls erreicht: Eine Parlamentsdebatte über ein Verbot des Stierkampfes wie in Katalonien wird es weder in Madrid noch in Murcia oder Valencia geben - ein Kulturgut kann nämlich nicht verboten werden.

iwe/news.de/dpa
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Spanien: Stierkampf als Kulturgut » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/855047173/stierkampf-als-kulturgut/1/
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 19.03.2010 08:03
von
Antonietta

Fast 1.500 Stierkämpfe finden jährlich statt. 31.000 Tiere werden alleine in Spanien auf die Quälerei in den Arenen vorbereitet. Und dabei verdienen die Züchter kräftig - der EU sei dank. Denn die greift den Züchtern mit sogenannten Sonderprämien für männliche Rinder unter die Arme. Gelder, die eigentlich als Ausgleichszahlungen für den gesunkenen Marktpreis von Rindern gedacht waren. Auch Kampfstierzüchter können diese Bestandsprämien beantragen. Nach Berechnungen einer dänischen Zeitung unterstützt die EU die spanischen Stierkämpfe mit 8,2 Millionen Euro. Stierkampf ist grausamer Tiermord.

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