Mo., 13.02.12

Bierverkostung Die Maß mit Marzipannote

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 07.03.2010

Normalerweise ist Wein ein Getränk für Kenner und Feinschmecker. Bier gilt im besten Falle als Genussmittel. Doch Biersommeliers betonten, die Geschmacksvielfalt beim Bier sei wesentlich größer als beim Wein. Ein Interview.

Was ist schwieriger zu verkosten, Wein oder Bier?

Hans-Christian Bosch: Die Verkostung von Bier und Wein verläuft in Teilen anders. Beim Wein wird mit der Nase am Glas gerochen, der Wein in den Mund genommen und anschließend ausgespuckt. Beim Bier wird hingegen das Bier auch getrunken. Das ist für uns Biersommeliere sehr wichtig, da erst durch das Schlucken viele wunderbare Aromen deutlich erkennbar werden. Desweiteren ist die Farb-, Geruchs-, und Geschmacksvielfalt beim Bier wesentlich größer als beim Wein.

Welche Geschmacksvariationen gibt es denn?

Bosch: Es gibt weltweit rund 250 verschiedene Bierstile, die geschmacklich von Marzipan über Kräuteraromen bis Schokolade reichen. Die Bierverkostung ist deshalb nicht unbedingt schwieriger, aber von der Sinneswahrnehmung ganzheitlicher und vielseitiger.

Wie läuft eine Bierverkostung ab? Nach welchen Kriterien schmeckt man Bier?

Bosch: Wir schenken das Bier in spezielle Biersommelier-Gläser ein und beurteilen zuerst die Farbe und den Glanz des Bieres. Anschließend riechen wir intensiv an dem Bier, um die geruchliche Reinheit und die Aromaprofile zu bestimmen. Schon beim Riechen offenbart sich eine riesige Vielfalt, die von Banane bis zum frisch geschnittenen Gras reichen kann. Dann nehmen wir einen großen Schluck in den Mund und bestimmen die Vollmundigkeit und die Rezenz, also den Kohlensäuregehalt und damit die Erfrischungskomponente des Bieres. Danach schlucken wir das Bier herunter und beurteilen den Geschmack des Bieres nach verschiedenen Kriterien. Wonach schmeckt es? Welche Aromen sind zuerst wahrnehmbar, welche entwickeln sich erst später? Ist der Geschmack lange anhaltend?

Wie stark wirkt sich die Inszenierung einer Marke auf den Geschmack aus?

Bosch: Der Begriff «Inszenierung» kommt ja ursprünglich aus dem Griechischem und bedeutet so viel wie «Zelt» und wird heute hauptsächlich im Theater verwendet. Fakt ist, dass sich die Biere der großen deutschen Marken immer ähnlicher werden und man hinter vorgehaltener Hand schon vom Einheitsbier spricht. Natürlich soll durch eine geschickte Inszenierung trotzdem ein eigener Geschmack herausgestellt werden. Ganz anders arbeiten insbesondere die privaten Handwerksbrauereien. Sie brauen oftmals wirklich charaktervolle und ehrliche Biere, so dass sie auf eine theaterreife Inszenierung einfach verzichten.

Welche deutsche Sorte schmeckt am besten?

Bosch: Ob einem nun ein Pils, ein Braunbier, ein Doppelbock oder gar ein Bamberger Rauchbier am besten schmeckt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die beste Sorte gibt es nicht, auch wenn die Großbrauereien das Pils zur meist getrunkenen Sorte gemacht haben.

Was macht ein Biersommelier sonst noch außer Biere verkosten?

Bosch: Der Biersommelier ist der Experte für gutes Bier. Er ist beratend für die führende Gastronomie tätig. Dabei beschäftigt er sich intensiv mit der Frage, welcher Bierstil perfekt mit der jeweiligen Speise harmoniert. Er schult Gastronomen in Bierkultur und der Bierpräsentation beim Gast. Wir merken deutlich, dass das Interesse an Bier und das Bewußtsein für die Vielfalt und Qualität in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Zunehmend machen wir daher immer mehr Bierdegustationen und Bierkulinarien für Privatpersonen und Bierliebhaber.

Wie wird man Biersommelier?

Bosch: Die Ausbildung zum Biersommelier geschieht in zwei Blöcken. Der erste Block findet in Gräfelfing bei München statt. Dort werden insbesondere theoretische Grundlagen über Bierherstellung, Bierkultur und die diversen Bierstile sowie Verkostungstechniken unterrichtet. Der zweite praxisorientierte Teil der Ausbildung findet in Österreich statt. Unter anderem auch in der absoluten Top-Gastronomie.

Angeblich soll es Premiumbiere als Billigmarke beim Discounter geben. Sind das wirklich die gleichen Biere?

Bosch: «Premium» ist eine Kunstbezeichnung und soll dem Verbraucher eine hohe Produktqualität suggerieren, um einen höheren Preis erzielen zu können. Premium hat daher etwas mit der Preisgestaltung aber nicht mit der Produktqualität zu tun. Fakt ist, dass mittlerweile viele Braukonzerne neben Ihren Hochpreismarken auch Billigmarken produzieren. Ob das aber wirklich die gleichen Biere sind, entzieht mich meiner Kenntnis, da ich diese Biere bewusst nicht trinke.

 

Hans-Christian Bosch ist einer von weltweit 250 Biersommeliers. Wenn er nicht gerade Biere verkostet, ist er Geschäftsführer der Brauerei Bosch in Bad Laasphe.

seh/news.de
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Bierverkostung: Die Maß mit Marzipannote » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/855047150/geschmacklich-von-marzipan-bis-schokolade/1/
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Leserkommentare (5)
  • Kommentar: 5
  • 08.03.2010 11:55
von
Kaktus

Frage: was soll ich mit einen Biersommelier? Ich trinke das Bier, das mir schmeckt und nicht den Sommelier. Da die Geschmäcker, in den Bundesländern, verschieden sind, muss jeder selbst wissen was er trinkt. Als Fernfahrer habe ich nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen Ländern Bier (natürlich nur in und nicht aus Maßen) getrunken.Als Norddeutscher trinke ich lieber ein richtig herbes Bier und mag z.B. kein bayrisches Abwaschwasser. Ich will ja keine Reklame machen, aber mein Bier wird oben links auf der Bierkarte gebraut und liebt die Farbe grün. Ich trinke aber auch mal gerne einen "schönen" Wein, es ist ber alles Geschmacksche.

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  • Kommentar: 4
  • 07.03.2010 19:42
von
hipetuk

Moin, nun haltet den Ball doch mal flach. Bei den Biertrinkern gibt es Bevorzuger des herben Pils sowie andere des süffigen bayrischen oder auch braunen Bieres, bei den Weintrinkern finden sich Liebhaber des trockenen Rieslings oder des schweren Rotspons. Es soll doch jeder nach seiner Facon selig werden und das trinken, was er am liebsten mag und ihm schmeckt. Ich bevorzuge zur Gans oder Frischlingskeule ein klares Pils und nen Köm. Rotwein mag das Ferkelchen eh nicht mehr und die Gans noch weniger. Wohl bekomms: Grüsse vom Kater HIDDIGEIGEI (beim Trompeter von Säckingen zu finden)

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  • Kommentar: 3
  • 07.03.2010 18:41
von
weinzahn
Antwort auf Kommentar 2

Na, lieber "biertrinker", das war wohl nichts. Schon mal im Weinberg und im Keller bei der Bearbeitung der angelieferten Trauben gewesen? Nur warten und mal etwas giessen reicht vielleicht für Tomaten. Man spricht davon, dass auch der Wein zum Begriff "Kulturgut" gehört. Die Lehr- und Versuchsanstalten für Weinbau haben ein riesen Ausbildungprogramm für den Nachwuchs der Wengerter und Küfer und haben ihre Absolventen weltweit mit hervorragenden Ergebnissen im Einsatz. Also "Nachhilfe" zum Thema Wein in Anspruch nehmen-

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  • Kommentar: 2
  • 07.03.2010 15:26
von
biertrinker

ich denke, das image des bieres gehört verbesser. das bierbrauen ist eine jahrhundert alte kunst, die viel fähgikeiten bedarf. beim wein muss man nur warten und eventuell gießen, bis die trauben reif sind ;-)

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  • Kommentar: 1
  • 07.03.2010 14:28
von
Wolfgang Zimmer

Die Nase spielt ja wohl bei beiden Getränken eine wesentliche Rolle. Der einzige Unterschied ist demnach, dass der Wein im Gegensatz zum Bier bei großen Verkostungen (z.B. für Prämierungen) nicht geschluckt wird. Schlucken Sie mal 100 Weine einer Probe!! Jetzt hätte ich gerne gewusst, mit welchen sensorischen Stellen die angeblich so differenzierten Geschmacks-Richtungen wahrgenommen werden? Mit dem Zäpfchen oder nur mit der Speiseröhre? Bisher dachte ich immer, dass die Geschmacksnerven ausschließlich im Mund (und dort an den diversen Stellen der Zunge)aktiviert weren. Ein Weinliebhaber.

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