Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Biertrinker schwören meist auf eine Sorte und finden die tollsten Argumente, warum ausgerechnet die am besten schmecken sollte. Aber wenn sie ihr Lieblingsgebräu einmal ohne die jeweilige Flasche erkennen sollen ...
Bierraten ist ein tolles Partyvergnügen. Was man dazu braucht: fünf bekannte Biersorten (oder mehr), fünf Bierkrüge (oder mehr), Klebezettel sowie Papier und Stifte für alle Teilnehmer.
Der Spielplan: Die fünf verschiedenen Biere werden von dem Spielleiter in einem Hinterzimmer in die neutrale Krüge gefüllt. Auf die Krüge werden Klebezettel geklebt mit einer Nummer von eins bis fünf. Die Zahlen stehen für eine bestimmte Biersorte, die nur der Spielleiter weiß. Die Mitspieler bekommen ein Glas, Zettel und Stift. Sie kennen die Biersorten zwar, wissen aber nicht, welches Bier in welchem Krug ist. Sie testen jeweils eine Sorte und müssen dann schätzen. Ihr Ergebnis schreiben sie mit der Nummer des jeweiligen Bieres auf den Zettel.
Ein Erlebnis aus der Praxis
So geschehen bei einem Sommerfest in Dresden: Zu verkosten gab es den Lokalmatadoren Radeberger, die tschechische Premiummarke Pilsner Urquell, die Preisalternative Sternburger, den hippen Diskosaft Becks und den Unbekannten Fünften aus der Nähe von Leipzig, das Ur-Krostitzer.
Teilgenommen haben insgesamt zwölf Leute. Drei Protagonisten werden an dieser Stelle herausgegriffen: Eine Dame, die nach eigener Aussage gar keine Ahnung von Bier hat, ein Genießer, der sich ganz gern mal ein tschechisches Bier genehmigt, ansonsten aber einen guten Wein und Whisky bevorzugt. Und ein Anhänger der Radeberger-Connection - einer Gruppe von Dresdnern, die egal wohin sie in den Urlaub fahren, immer einen Kasten des lokalen Gerstenbräus im Kofferraum haben.
Die drei Tester in Aktion
Der Dame mundete der Saft aus Hopfen, Malz und Wasser gar nicht. «Uuuhh ist das bitter», klagte sie. Trotzdem kämpfte sie sich tapfer von Sorte zu Sorte durch. Dabei wendete sie eher die Zufallsmethode an und orientierte sich dabei etwas an den Logos auf den leeren Flaschen, die auf dem Tisch standen.
Der Lokalpatriot schmeckte und schmeckte - und schmeckte anscheinend sein Lieblingsbräu nicht mehr raus. «Schmeckt doch fast alles gleich hier. Bist Du Dir sicher, dass Du nicht ein Bier in mehrere Krüge geschüttet hast?», fragte er den Spielleiter. Doch dieser wies die Kritik zurück. Der Lokalpatriot versuchte sich verzweifelt vorzustellen, wie sein Radeberger ohne die schöne Flasche mit der goldenen Krone schmecken könnte.
Dem Genießer mundeten soweit alle Biere. Er nahm sich Zeit, ließ seine Zunge in der Bitterkeit kreisen und reiste in Gedanken in die wunderbaren Zeiten zurück, in denen er sich mal dieses, mal jenes Bier zu einem köstlichen Mahl hatte munden lassen.
Wer am Ende gewonnen hat?
Mit drei Richtigen siegte überraschend die Dame ohne Biererfahrung. Sie hatte scheinbar nur Glück – ähnlich wie der Affe, der mit einem Pfeil auf eine Dartscheibe schoss, wonach sich einst Forscher beim Kauf von Aktien orientiert haben. Aber lassen sich aus dem Saft aus Hopfen, Malz und Wasser wirklich keine großen Geschmacksunterschiede kredenzen?
Anscheinend doch. Denn der Genießer schaffte die selbe Punktzahl, und zwar mit seiner feinen Zunge. Er erkannte das Becks, das Pilsner Urquell und das Radeberger. Sternburger und Ur-Krostizer verwechselte er, wahrscheinlich ob der mangelnden Erfahrung.
Und der Lokalpatriot, für den es nichts Besseres gibt als Radeberger? Er hatte zwei Richtige. Sein Radeberger erkannte er aber nicht und verwechselte es mit einer Sorte, die an dieser Stelle besser nicht erwähnt werden sollte.
seh/news.de