In knapp vier Wochen beginnt das Sommersemester. Und noch längst sind nicht alle Studienplätze belegt. Wer nicht untätig bleiben will, kann nach Alternativen suchen oder aber seiner favorisierten Hochschule das Messer auf die Brust setzen.
Derzeit entscheidet sich für viele angehende Studenten, ob sie den ersehnten Studienplatz in ihrem Fach bekommen. Wer dabei leer ausgeht, muss nicht verzweifeln: Über Nachrück- oder Losverfahren sowie Studienplatzklagen besteht noch die Chance, einen Platz an der Wunsch-Uni zu ergattern. Zusätzlich gibt es für Abiturienten zahlreiche Überbrückungsmöglichkeiten und berufliche Alternativen zum Studium.
«Viele Unis weisen Bewerber ab, obwohl sie noch Plätze frei haben», sagt Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Deshalb solle man sich zunächst weiter um einen Studienplatz bemühen. Teilweise werden auch bereits belegte Plätze wieder frei: Studienanwärter mit guten Noten bewerben sich oft an verschiedenen Hochschulen und belegen dadurch zunächst mehrere Studienplätze.
Werden sie an ihrer Wunsch-Uni genommen, können andere Bewerber auf die frei gewordenen Plätze nachrücken. Bewerber können derweil über das bundesweite Portal freie-studienplaetze.de an allen Hochschulen nach Restplätzen suchen. Alternativ kann nach Studienplätzen - auch zulassungsfreien - auf dem unabhängigen Studienberatungsportal studieren.de gesucht werden.
Wer bis zum 23. März keinen Zulassungsbescheid erhalte, sollte sich an der Hochschule über Nachrückverfahren erkundigen, rät Christian Hörmann, Mitarbeiter der Zentralenstudienberatung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU). Wer einen Platz über das Nachrückverfahren erhält, bekommt bis zum 19. April einen Brief zugeschickt. Eine explizite Absage gibt es nicht.
Per Losverfahren oder Anwalt
An einigen Hochschulen können sich Bewerber auch für ein Losverfahren anmelden. Dieses läuft zwar nach dem Nachrücken, Interessenten sollten sich aber parallel bewerben, rät Hörmann.
Wer das finanzielle Risiko nicht scheut, kann auch versuchen, seinen Studienplatz vor Gericht einzuklagen. Davor muss sich ein Interessent aber erneut bei seiner Wunsch-Uni bewerben und damit formell deren ausgeschöpfte Kapazitäten anzweifeln. Die Kosten für eine Studienplatzklage liegen laut Rechtsanwalt Tino Bobach zwischen 700 und 1500 Euro pro Hochschule.
Die Erfolgsaussichten seien je nach Studienfach, Hochschule, Studienbeginn und Bewerberzahlen unterschiedlich. Bei Studiengängen, die nicht Human-, Zahn- oder Tiermedizin seien, habe man «überdurchschnittlich gute Chancen», sagt Anwalt Bobach. Trotz Eilverfahren komme es auf jeden Fall zu einem verzögerten Studieneinstieg, da eine Klage zwischen zwei bis sechs Monate dauern könne.
Auch ein Studium im Ausland kann eine Alternative sein. Ein Bewerber für Humanmedizin könne sich beispielsweise in Budapest unabhängig von seinem Notendurchschnitt bewerben und dort seine vorklinischen Semester absolvieren, erklärt Studienberater Hörmann. Der Studiengang sei kostenpflichtig, der Unterricht auf deutsch. Wer später an eine deutsche Universität wechseln wolle, solle sich aber vorher erkundigen, was angerechnet werde und auf die Bewerbungsfristen achten, rät Hörmann.
Abiturienten, die sich bei der Berufswahl unsicher sind, können die Wartezeit mit einem Praktikum überbrücken. Bei vielen Studiengängen, besonders an Fachhochschulen, sind Praktika auch Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung oder während dem Studium vorgeschrieben. Je nach Prüfungsordnung können diese auch bereits vor dem Studium absolviert werden.
Alternativen von Ausbildung bis Praktikum
Wer sich sicher ist, in welchem Bereich er später arbeiten will, kann zunächst eine Ausbildung machen. «Der Klassiker ist die Banklehre vor einem BWL-Studium», sagt Susanne Müller von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Während der Ausbildung lassen sich zudem Wartesemester
Abiturienten haben in Ausbildungsberufen oft Vorteile: So könnten sie teilweise die Ausbildungszeit um ein Jahr verkürzen oder auch noch nach dem offiziellen Beginn ins Ausbildungsjahr starten, sagt Müller. Ausbildungsberater der Arbeitsagentur oder der zuständigen Kammer informieren über freie Ausbildungsplätze. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts hatten rund 20 Prozent der Jugendlichen, die 2008 eine Ausbildung begonnen haben, Abitur oder Fachabi.
Auch Auslandsaufenthalte als Au-pair oder ein Freiwilliges Soziales Jahr können helfen, das Warten auf einen Studienplatz zu überbrücken. Sie fördern die Sprachkenntnisse und erweitern den Horizont. Im Internet finden Interessenten auch nach den offiziellen Anmeldefristen noch «Restposten». Und ein Auslandsaufenthalt macht sich im Lebenslauf allemal besser, als die Zeit auf der Couch abzusitzen.
ham/sis/news.de/ap