Von news.de-Mitarbeiter Bernhard Mackowiak
Bergbau auf dem Mond und unter Wasser: In Zeiten immer knapper werdender Rohstoffquellen wird an neue und extreme Erschließungsorte gedacht. Denn dort schlummern wahre Schätze.
Sicher für die Zukunft ist: Wie groß die Mengen eines unsere Zivilisation am Laufen haltenden Rohstoffs sind, kann niemand definitiv sagen. Alle Studien basieren auf Schätzungen. Aber ebenso sicher ist: Die irdischen Vorräte sind begrenzt, wenn nicht sogar endlich.
Grund genug, sich über neue Rohstoffquellen Gedanken zu machen, und zwar jene, die bisher für die Menschheit unerreichbar waren oder einfach nicht in ihrem Blickwinkel lagen - wie der Weltraum mit Mond und Asteroiden, die Tiefsee und schließlich unsere Städte selbst.
Schon während des laufenden Apolloprojekts und der in seinem Rahmen anvisierten bemannten Mondlandung, haben sich Ingenieure und Geologen (später Planetologen) über unseren Erdbegleiter als Rohstoffquelle Gedanken gemacht. Und das nicht zu Unrecht, denn dieser natürliche Satellit hat sich immer mehr als Schatzkammer entpuppt: Eisen, Titan, Gold, Platin, Iridium – die Liste der Metalle, die auf dieser bisher kaum berührten Welt vermutet werden, ist lang.
Spitzenreiter dieser metallischen Hitparade ist das Helium-3. Diese leichtere Variante des Edelgases - durch Frank Schätzings Roman Limit äußerst populär geworden - gilt als potenziell unerschöpfliche Energiequelle. Fast alle großen Nationen haben daher in den vergangenen Jahren Mondmissionen in ihre Raumfahrplanungen aufgenommen – mit eben diesem Ziel, in ferner Zukunft eine Rohstoffförderung aufzubauen.
Selbst über den Transport gab es entsprechende Gedanken. So schlug der US-amerikanische Physiker Gerard O’Neill eine elektromagnetische Massenschleuder vor, um geförderte Rohstoffe in eine Mondumaufbahn zu befördern. Dort sollten dann die Rohstoffe entweder in aus Mondrohstoffen errichteten Raumkolonien weiterverarbeitet oder mit Frachtschiffen zu Erde transportiert werden.
Doch es zeigte sich schon bald, dass die Kosten den Nutzen überwiegen würden. Nach heutigen Schätzungen wären 80.000 Euro aufzuwenden, um ein Kilogramm eines begehrten Rohstoffs über die knapp 400.000 Kilometer lange Strecke zu befördern. Nicht zu vergessen sind die astronomisch hohen Kosten für den Aufbau einer entsprechenden Bergbauinfrastruktur und natürlich die Erkundung weiterer ergiebiger Rohstofflagerstätten.
Dasselbe gilt übrigens für die Asteroiden, jene Felstrümmerstücke aus der Entstehungszeit des Sonnensystems. Viele sind metallhaltig, und manche kommen der Erde recht nahe: die NEOs (Near Earth Objects). Man könnte auf ihnen landen und sie eventuell mit montierten Raketentriebwerken zur Erde schleppen. Das ist technisch durchaus machbar, aber auch astronomisch teuer. Von daher bleiben Mond und Minimonde der Menschheit erst einmal verschlossen.
Besser stehen die Chancen und werden auch realistischer gesehen, was die Tiefsee angeht. Sie ist Teil unserer Welt und leichter zu erreichen, wenn auch mit großem Aufwand. Denn schließlich gilt es, eine große Wassersäule zu überwinden und dann noch in den Boden einzudringen. Doch der hat es in sich: Öl, Manganknollen, Edelmetalle, Gashydrate – gewaltige Ressourcen warten auf ihre Erschließung und versprechen ein wahres Eldorado.
Kein Wunder, dass die großen Nationen schon ihre Claims unter Wasser abgesteckt haben. So hält auch Deutschland seit 2006 die Rechte an einem 75.000 Quadratkilometer großen Areal im Pazifik zwischen Hawaii und Mexiko. Mit beziehungsweise in Konkurrenz zu Ländern wie den USA, Frankreich, Russland, Japan oder China arbeitet es an der Entwicklung effizienter Abbautechnologien - genauer: an Abbaumaschinen: Ferngesteuerte Bagger und gigantische Staubsauger sollen beispielsweise die begehrten Manganknollen an die Oberfläche bringen, sind sie doch reich an wertvollen Buntmetallen wie Nickel, Kupfer oder Kobald.
Für die Naturschützer ist das ein Horrorszenario: Denn der Meeresboden, noch allgemein im Urzustand würde gnadenlos umgewühlt, wichtige wissenschaftliche Informationen zerstört werden, ähnlich wie es bei archäologischen Raubgrabungen der Fall ist. Und ein ähnliches Schicksal würde unserem Mond drohen. Man denke nur, was unsere Tagebaue in der Landschaft anrichten.
Schonender und auch sauberer wäre die Rohstoffförderung in unseren Städten, was unter dem Namen «Urban Mining» immer bekannter wird. Wenn man daran denkt, was an Kupferkabeln und -rohren bisher verbaut wurde, dann sind entsprechende Überlegungen gar nicht so abwegig.
Entsprechende Untersuchungen wurden an der Yale University in New Haven vorgenommen und gar zu Weltkarten verarbeitet. Danach waren allein im Jahr 2000 knapp 15 Milliarden Tonnen Eisen, gut 500 Millionen Tonnen Aluminium, 311 Millionen Tonnen Kupfer und 200 Millionen Tonnen Zink in Gebrauch. Man müsste nur den Boden auf- und nicht genutzte Hochhäuser abreißen. Hier würden sich Kosten – Nutzen wirklich rechnen.
Was bei diesen Studien in den Hintergrund gedrängt wird: «Urban Mining» gibt es bereits heute mit großem Gewinn, wenn auch auf kriminellem Weg: Mancher Installateurbetrieb hat Anzeige wegen Diebstahls seiner gelagerten Kupferrohre erstattet. Ziel des Diebesgutes: die aufstrebende und daher rohstoffhungrige Industrienation China.