Fr., 25.05.12

Chocolaterie 26.02.2010 Wo Glück braun ist

Schokolade (Foto)
Alexandra Picouays und Isabelle Léonard leben für Schokolade. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Schokolade, Frankreich, junge Frauen. Wer das verrührt, landet in der Leipziger Querstraße. Nicht, dass man die Mischung hier erwartet hätte. Aber die Welt von Isabelle Léonard und Alexandra Picouays zieht sofort in den Bann. Chocolat eben.

Nein. Die erste Frage lässt sich klar beantworten. Zwei Französinnen, die in einem kleinen, heimeligen Laden fern der Heimat Betörendes aus Schokolade machen, tun das nicht, weil es im Film mit Juliette Binoche so schön war. Sie warten auch auf keinen Vagabunden, der sie aus ihrer Rastlosigkeit erlöst. «Johnny Depp ist gerade nicht da» läuft allenfalls als Running Gag bei ihnen, seit sie den Film dann doch gesehen haben. Das war schon nach der Eröffnung ihres Geschäfts.

«Aber wir bevorzugen Charly und die Schokoladenfabrik», sagt Isabelle Léonard, und, ja, sie sagt es natürlich mit diesem Akzent, für den es keine Buchstaben gibt. Isabelle sieht nicht aus, als wäre Schokolade ihr Leben. Angesetzt hat sie zumindest nirgends an ihr, nur die Haare und Augen verraten die braune Leidenschaft. Für Isabelles Geschmack sind sie allerdings schon fast ein bisschen zu dunkel, denn ihre ist die Milchschokolade. Das haben sie ihr nicht austreiben können in der Pariser Chocolaterie, wo sie gelernt hat. «Dort gab es fast nur schwarze Schokolade, Vollmilch war verpönt, und von weißer Schokolade durfte man gar nicht sprechen», ulkt sie.

Da haben sich zwei gefunden. Die eine steht auf Milchschokolade, die andere, Alexandra Picouays, ist am liebsten weiße. Aber das ist doch gar keine Schokolade! «Klar! Sie ist mit Kakaobutter gemacht, aber eben ohne Kakaomasse», erklärt Alexandra. Wer Isabelles weiße Trüffel mit grünem Tee probiert hat, ist gekauft. Sobald die harte Hülle aufgebissen ist, explodiert der Geschmack, und man muss sich kurz erholen, um die wahnsinnig cremige Konsistenz wahrzunehmen und gleich nochmal reinzubeißen - nur zur Kontrolle, ob es wirklich so gut ist. Ja.

Schokoladenrausch im Osten statt in der Normandie

Die Teetrüffel sind eins von zwei Rezepten, die Isabelle nicht verrät. Auch nicht unter Einfluss des roten französischen Weins, den sie den Teilnehmern der Workshops spendieren, die sie einmal pro Woche veranstalten. «Ich trinke mit, und dann spreche ich viel», sagt die Chocolatière. Aber bei anderen wird es ja sowieso nie genauso wie im Original. «Oh, vielleicht wird es sogar besser», meint Isabelle. Ihre zweite geschützte Marke sind die Coulants. Von außen sehen sie aus wie Schokomuffins, aber ihr Herz ist aus dichtem Trüffel, und der zieht tief hinein in den Schokoladenrausch.

Dass sich die jungen Frauen aus Paris und der Normandie ausgerechnet in der Querstraße im Leipziger Zentrum-Ost hineingestürzt haben, kann man hierzulande schwer verstehen, wo jeder die Sonne vermisst. Aber bei Alexandra und Isabelle hat Leipzig sogar Südfrankreich ausgestochen. Bei einer schwer-flüssigen heißen Schokolade am runden Tischchen in der gemütlichen Chocolaterie denkt es sich leicht an unsichere Zukunftspläne und hoffnungsvolle Spinnereien zurück. Ein Gästehaus wollten sie immer irgendwie aufmachen, die beiden dicken Freundinnen. Dabei hatte Isabelle Archäologie und Kunstgeschichte studiert. Zwischendurch suchte sie auch mal nach einer Verbindung - ein archäologisches Restaurant in Südfrankreich vielleicht?

Alexandra ging erstmal nach Leipzig, natürlich kam Isabelle zu Besuch, es funkte, und dann ratterte es wieder in den Köpfen. Französisches kommt gut an in Deutschland - vielleicht funktioniert eine Tarterie mit süßen Kuchen und herzhaften Quiches? Irgendwann klebte eine Idee fest, süß und schokoladig.

Nach drei Jahren wird die Schokolade fest

Doch zwischen Idee und «Voilà, hier sind wir» lagen drei Jahre. Zuerst ein Geschäftsplan, dann - das Handwerk! Kochen und backen ist schön und gut, aber Pralinen sind eine Kunst für sich. Das zweite Jahr gehörte dem Studium der braunen Materie, und im Jahr drei nach der Idee konfrontierten sie im Nebenraum eines Antiquitätengeschäftes die Leipziger mit ihren Kreationen. Es funkte auch hier.

Sahne gibt Isabelle in die Kasserolle, dazu die geschmolzenen Schokoladenlinsen und Butter, dabei schlägt sie unentwegt den Schneebesen. Gewürze, vielleicht Alkohol kommen hinzu, und die Trüffelmasse wird cremig, der süße Duft liegt schwer in der kleinen Küche. Ein bisschen zu klein ist es eigentlich, nur eine Person kann hier arbeiten, und wenn Alexandra hereinkommt, um für die Gäste die heiße Schokolade anzurühren, kommt es leicht zu Zusammenstößen. In den Nebenraum, wo Alexandra Verkauf und Service organisiert, passen nur drei dieser winzigen runden Tischchen.

Einmal ist es so richtig über die kuschlige Chocolaterie hereingebrochen. Da hatte das lokale Gratisblatt über sie berichtet, und zwei Wochen lang standen die Leute Schlange für einen Sitzplatz, die Trinkschokolade ging aus. «Wir konnten nicht mehr in unserem normalen Rhythmus arbeiten und fühlten uns gleich überfordert», scherzt Isabelle.

So ganz und gar leben können die beiden aber noch nicht von der Schokolade. Alexandra ist auch noch Veranstaltungsmanagerin, organisiert zum Beispiel die Workshops, auch Catering und eine mobile Crêperie. Sie träumen von einem größeren Lokal in besserer Lage, wo mehr Leute auch einfach vorbeikommen. Es muss ja nicht gleich Johnny sein.

/ivb/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Klaus Klunker
  • Kommentar 1
  • 26.02.2010 21:23
 

Haha - braunes Glück - das gibts bei mir sonst nur aufm Klo!

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