Fr., 25.05.12

Nachterstedt 19.02.2010 War Erdrutsch seit 15 Jahren vorhersehbar?

Rueckblick 2009 Juli (Foto)
War der Hang in Nachterstedt schon 1994 gefährdet? Bild: ap

Eine «besondere Gefahrensituation» soll schon 1994 am stillgelegten Tagebau in Nachterstedt bestanden haben, berichtet der MDR. Kippenbereiche könnten sich in Bewegung setzen, sei damals in einem Beschluss festgehalten worden.

Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks MDR hat es möglicherweise schon Jahre vor dem verheerenden Unglück in Nachterstedt Hinweise auf einen Erdrutsch gegeben. Der Sender hat einen Kabinettsbeschluss zu Nachterstedt aus dem Jahr 1994 ausgegraben. Darin wird eine «besondere Gefahrensituation» beschrieben, weil sich Kippenbereiche des stillgelegten Tagebaus in Bewegung setzen könnten.

Nach Angaben des Nachrichtensenders MDR Info wurde dieser Beschluss auch vom Wirtschaftsministerium unterschrieben. Dessen untergeordnete Behörde, das Bergamt, müsste demnach von den unsicheren Kippenbereichen gewusst haben, hieß es. Der stillgelegte Tagebau wurde später als Concordia-See geflutet. Nach Angaben des Radiosenders wurden trotz der Hinweise keine zusätzlichen Bodenproben in der Nähe der Siedlung Nachterstedt veranlasst. Ein Gutachter des Bergamtes Sachsen-Anhalt sagte dem Sender, dass Bodenproben mehrere hundert Meter entfernt von der Unglücksstelle genommen worden seien.

Im Juli 2009 waren in der Siedlung am Sachsen-Anhaltinischen Concordia-See drei Menschen von ins Rutschen gekommenen Erdmassen begraben worden und ums Leben gekommen. Sie stürzten mitsamt ihrer Häuser in den See. Nach der Katastrophe im Juli 2009 war das Gelände komplett evakuiert worden, weitere Häuser galten als einsturzgefährdet. 41 Menschen mussten ihre Häuser für immer räumen.

Anfang Februar haben sich erneut Erdteile an der steilen Kante des Unglücksortes gelöst. Rund 40 Kubikmeter Erde rutschten nach Angaben der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LBMV) die Böschung hinunter. Geologen hatten mit weiteren Erdrutschen an der Abbruchstelle gerechnet.

iwi/ivb/news.de/dpa
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