Das Meer ist keine Unterwasser-Wüste
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Von Sabine Ränsch
Artikel vom 18.02.2010
Der größte Lebensraum auf unserem Planeten befindet sich unter Wasser. Das ist nicht neu. Aufregend ist dagegen die Erkenntnis, dass in den größtenteils noch unerforschten Tiefen eine Artenvielfalt vorkommt, die lange Zeit niemand für möglich gehalten hatte.
In den Ozeanen leben vermutlich rund zehn Millionen verschiedene Arten, darunter etwa Algen, Bakterien, Fische, Korallen oder Säugetiere. Längst sind nicht alle bekannt, die Zahl sei eine Hochrechnung, sagte Professor Pedro Martínez, Direktor des Forschungsinstituts Senckenberg am Meer (Wilhelmshaven), am Donnerstag in Frankfurt am Main. Vor allem in der Tiefsee, mehrere tausend Meter unter dem Meeresspiegel, tut sich den Forschern eine riesige Vielfalt auf. Noch vor wenigen Jahrzehnten galt diese kaum erforschte Region als fast leblose «Unterwasser-Wüste».
Nun werben die Wissenschaftler dafür, das Leben in den Meeren zu schützen und die Vielfalt zu erhalten. Wie viel Leben in den Meeren bereits zerstört ist, können die Forscher nicht sagen. Sicher sei aber, dass die Überfischung das Artenspektrum stark verändert habe.
Fische dürften die kleinste Gruppe der Ozeanbewohner sein: Auf rund 40.000 werde die Zahl ihrer Arten geschätzt, sagte Rainer Froese vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften Geomar (Kiel). Derzeit seien 30.000 Fischarten bekannt, davon 15.000 im Meer. Pro Jahr werden 200 bis 400 neue Arten entdeckt, vor allem in der Tiefsee und in den Tropen.
Seit zehn Jahren läuft die bisher größte wissenschaftliche «Volkszählung» in den Meeren. An diesem «Census of Marine Life» (COML) beteiligen sich Forscher aus 70 Ländern. Sie untersuchen sämtliche Ökosysteme, von der Küste bis in die Tiefsee. Ende 2010, das die Vereinten Nationen zum Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen haben, sollen die Ergebnisse präsentiert werden.
Erst langsam dringen Wissenschaftler in große Tiefen vor und entdecken dabei fast täglich neue Arten. Wegen des hohen Drucks sind hochspezialisierte Roboter und Messgeräte nötig, um diese für Erdbewohner tödlichen Lebensräume zu erkunden. Fast 90 Prozent der Tiere, die Wissenschaftler aus der Tiefe hochziehen, sind neue Arten, viele davon bizarr anmutend. 500 neue Arten seien inzwischen wissenschaftlich beschrieben, «aber wir haben tausende gefangen, wir kommen nicht hinterher», sagte Martínez.
In der Tiefsee stoßen die Forscher auch auf ganz spezielle Lebensräume, etwa «schwarze Raucher», das sind heiße Thermalquellen, in deren Umgebung hoch spezialisierte Bakterien und meterlange Würmer in Gemeinschaft zusammenleben. Unter der Meeresoberfläche finden sich auch mehrere tausend Meter hohe Seegebirge und bis zu 35 Kilometer lange Kaltwasser-Korallenriffe. «Wir haben Erstaunliches gefunden», sagt Professorin Antje Boetius von der Universität Bremen. Anders als im Tierreich werde die Vielfalt der Bakterien in Polargebieten zum Beispiel größer. Ihre Funktionen seien noch unbekannt.
Das pralle Leben in den Meeren zeigt der Dokumentarfilm Unsere Ozeane, der am 25. Februar 2009 in die Kinos kommt. Tanzende Quallen, riesige Fischschwärme, anmutige Wale und elegante Rochen sind in atemberaubenden Aufnahmen zu sehen. Vier Jahre lang haben Jacques Perrin und Jacques Cluzaud, die 2001 Nomaden der Lüfte - Geheimnis der Zugvögel drehten, das Leben in und an den Weltmeeren beobachtet.
car/ivb/news.de/dpa
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