Fr., 25.05.12

Hongkong 15.02.2010 Kohle machen mit Horrorwohnungen

Hongkong (Foto)
Horrorwohnungen sind in Hongkong neues Spekulationsobjekt. Bild: dpa

Von Jens Kastner

Sie sind das neueste Spekulationsobjekt in Hongkong: Wohnungen, in denen jemand eines grausigen Todes gestorben ist. Rund 40 Prozent günstiger sind sie - und es findet sich immer ein Hartgesottener, den die gruselige Vorgeschichte nicht stört.

Auf Hongkongs Immobilienmarkt macht sich ein neuer Trend breit. Weil attraktive Wohnungen immer seltener zu finden sind, kaufen Investoren gezielt Wohnungen, in denen Menschen auf grausame Weise zu Tode gekommen sind. Der abergläubige Volksmund spricht von einem Spukhaus oder «Hongza». Das chinesische Wort «xiong», im Hongkonger Dialekt «hong» ausgesprochen, steht für Unheil, Gewalt und Mord, «za» für Wohnung.

In Hongkongs noblem Mid-Levels-Stadtteil sprang kürzlich ein Bewohner von einem Hochhaus in den Tod. Er fiel auf die Terrasse eines im Erdgeschoss liegenden Appartements. Die Bewohner zogen schockiert aus. Doch der Eigentümer fand sofort einen Europäer, dem es nichts ausmachte, das - abgesehen von seiner gruseligen Geschichte - attraktive Appartement zu mieten. Der Kauf eines Hongza kann eine Option sein für Käufer, die Schnäppchen suchen: Die Kaufpreise sind rund 40 Prozent niedriger als der durchschnittliche Preis in der Stadt, wenn in der Wohnung ein Mord oder Selbstmord stattgefunden hat.

«Die Zeit heilt alle Wunden», schreibt der Immobilien-Spekulant Mo Yu-Wen, der in solche Objekte investiert, in seinem Internet-Blog. «Wenn der Eigentümer eines Hongza die Wohnung vermieten will, muss die Miete mindestens 20 Prozent niedriger sein als die einer vergleichbaren Wohnung, in der kein unnatürlicher Todesfall stattfand», erklärt er. «Aber mit der Zeit werden sich immer weniger Leute an das Verbrechen erinnern, und der Wert wird wieder steigen.»

Vier Kategorien für makabre Objekte

Der Immobilienmarkt in der heute autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion hat ein eher makaberes System entwickelt, Hongzas in vier Klassen zu kategorisieren. Häuser mit der gewalttätigsten Vergangenheit sind als «Klasse 4» mit vier Totenköpfen gelistet, wie zum Beispiel die Wohnung, in der im Juli 2009 ein junges Mädchen brutal ermordet und zerstückelt wurde. Das Verbrechen schockierte Hongkong für Monate. Eine «Klasse 1»- Kategorisierung mit nur einem Totenkopf bedeutet, dass in dem bewerteten Appartement ein tödlicher Unfall stattgefunden hat.

Nach Angaben der Immobilien-Bloggerszene könnte das Investieren in jede der vier Kategorien attraktiv sein. Wichtig sei nur, dass der Preisnachlass groß genug ist. Es müsse auch verstanden werden, wie die potenziellen Käufer- und Mieter-Zielgruppen sich zusammensetzen: Jene eben, die im Gegensatz zu der großen Mehrheit der Hongkonger nicht dazu neigen, an spukende Geister von Verstorbenen zu glauben.

Das sind häufig Angehörige westlicher Staaten wie zum Beispiel jener Mieter, der sich nicht daran störte, dass ein Selbstmordopfer in den Blumentöpfen seines noblen Mid-Levels-Appartements gelegen hatte. Auch Christen generell - schon weil sie als wenig abergläubig gelten, oder Leute, die im medizinischen Bereich arbeiten, kommen als Bewohner der Horror-Wohnungen infrage. Ärzte und Krankenschwestern seien eher an Todesfälle gewöhnt, schreibt Mo Yu- Wen, der bloggende Immobilien-Spekulant.

iwi/ruk/news.de/dpa
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