Von Gregor Tholl
Immer mehr Mädchen wollen Miss Germany sein. Heute entscheidet sich im Europapark Rust, welche der 22 Kandidatinnen die Schönste ist. Für viele ehemalige Misses war der Titel ein Sprung in die echte Berühmtheit. Ein Blick ins Archiv.
Egal, ob das TV-Casting Germany's Next Topmodel oder die Miss Germany-Wahl: Viele Mädchen machen bei Schönheitswettbewerben mit, Millionen träumen von einer Model-Karriere.
«Das Bild hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert», sagt Ralf Klemmer, Veranstalter der Wahl zur Miss Germany. «Das Interesse ist gewachsen, gleichzeitig aber auch die Ernsthaftigkeit der Bewerberinnen.» Viele von ihnen hätten die Karriere und ihren Wunschberuf als Model fest im Blick und sähen die Miss-Wahl als Sprungbrett. «Die Sehnsucht nach dem Rampenlicht war noch nie so stark», sagt Klemmer.
«Die Frauen stolpern nicht blauäugig auf den Laufsteg. Sie wissen genau, was sie tun», betont Ines Kuba. Die 38-Jährige, die 1991 Miss Germany und ein Jahr später Queen of the World wurde, arbeitet heute in der Miss-Wahlen-Organisation. «Früher ging es bei den meisten Kandidatinnen um den Spaß, dabei zu sein. Heute ist der Schönheitswettbewerb eine Berufsbörse.» Die Teilnehmerinnen seien bereit, hart an sich und der Karriere zu arbeiten.
Karriere, «weil» sie mal Miss waren oder «obwohl»?
Was haben die einstige philippinische Diktatorengattin Imelda Marcos (80), die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl (55), die Hollywood-Schauspielerinnen Halle Berry (43), Kim Basinger (56) und Zsa Zsa Gabor (93) sowie die Moderatorin Verona Pooth (41) gemeinsam? Antwort: Sie waren mal bei Miss-Wahlen erfolgreich.
Die Schönheitswettbewerbe, an denen sie teilnahmen, waren natürlich sehr verschiedene: Die schuhsüchtige Imelda Marcos war einst fast Miss Manila, Dagmar Wöhrl 1977 Miss Germany, und als sie 1998 in den Bundestag einzog, nannte die Presse sie oft Miss Bundestag. Oscar-Preisträgerin Halle Berry war 1986 Miss Ohio, Kim Basinger mal Junior Miss Georgia und Zsa Zsa Gabor 1936 Miss Ungarn. Verona Pooth gewann indes 1993 den Titel Miss Deutschland.
Eine lange Karriere nach einer Miss-Wahl machte auch die kürzlich gestorbene TV-Moderatorin Petra Schürmann. In keinem Nachruf fehlte der Hinweis, dass Schürmann 1956 zur Miss World gekürt worden war und damals ein bisschen Glamour ins Nachkriegsdeutschland brachte. Schürmann studierte in den 1950er Jahren Philosophie und Kunstgeschichte. Ganz allein aufs Aussehen setzte also auch sie nie.
So machen es - entgegen den Klischees vom hübschen Dummchen - viele Misses. Ein gutes Beispiel ist die Miss Germany von 1987, Sue Giesa. Die heute 45-Jährige arbeitet als Redakteurin beim ZDF. Sie sagt: «Während meines Studiums habe ich gemodelt und wurde nach einer Modenschau zu einer Miss-Wahl eingeladen. Ich war neugierig und wollte wissen, wie weit ich kommen würde. Ich hatte nichts zu verlieren, nur zu gewinnen, selbst wenn es nur ein Gewinn an Erfahrung gewesen wäre.»
Für Giesa, die damals Stoss hieß, ist es absolut kein Makel, einmal Miss Germany und Queen of the World gewesen zu sein. Im Gegenteil: «Für mich war es der Jackpot, ein Sprung in mein heutiges Leben. Ich habe die Welt bereist und interessante Menschen kennenlernen dürfen. Durch die vielen Fernsehauftritte bin ich souveräner und selbstbewusster geworden und habe mein Interesse an meinem heutigen Beruf entdeckt.»
In ihrem jetzigen Job zählten die einstigen Titel allerdings nichts, sondern nur Leistung und vor allem Teamfähigkeit. Giesa sieht keinen großen Unterschied zwischen damals und heute. «Es reicht eben nie aus, nur schön zu sein.» Es sei interessant zu beobachten, wie sich die Schönheitswettbewerbe - zum Beispiel mit dem TV-Format Germany's Next Topmodel - weiterentwickelten. Miss-Wahlen sind für Giesa «einfach nur eine weitere Möglichkeit für junge Frauen, vielleicht ihren Traumjob zu finden».
Umstrittenste ehemalige Miss-Anwärterin der jüngeren Zeit ist wahrscheinlich die republikanische US-Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008, Sarah Palin (46). Sie trat 1984 bei der Wahl zur Miss Alaska an. Als Politikerin fiel sie vor allem mit öffentlicher Sittenstrenge auf, die jedoch von ihrem Privatleben torpediert wurde, als ihre Tochter ein uneheliches Kind bekam. An Levi Johnston, dem Vater von Palins Enkelsohn, sieht man indes auch die modernen Zeiten. Denn heute setzen längst nicht mehr nur Frauen aufs Modeln. Der 19-Jährige posierte gerade für ein Frauenmagazin - hüllenlos.
iwi/news.de/dpa