Mo., 13.02.12

Schrott im All Der Weltraum ist eine Rumpelkammer

Von news.de-Mitarbeiter Bernhard Mackowiak

Artikel vom 14.02.2010

Zu fast allen Welten unseres Sonnensystems haben wir in den vergangenen 50 Jahren Satelliten und Raumsonden geschickt. Sind sie ewige Zeugnisse unserer Existenz oder werden sie wie unsere Konstruktionen auf der Erde vom Zahn der Zeit dahingerafft?

Mit etwa 16 Milliarden Kilometer ist Voyager I das am weitesten von der Erde entfernte von Menschen gebaute Objekt. Viel interessanter ist jedoch eine vergoldete Audio- und Videodatenplatte. Diese Art kosmische Flaschenpost bietet fernen Intelligenzen ein optisches und akustisches Kaleidoskop des Lebens auf unserer Erde.

Auch wenn Voyager I erst in rund 40.000 Jahren einen Stern im Sternbild Giraffe und ihre Schwestersonde in 358.000 Jahren den allgemein bekannten Stern Sirius erreichen wird, stehen die Chancen gut, dass die Botschaft und ihr Überbringer unversehrt bleiben. Das Vakuum des Weltalls konserviert alles.

Doch ist das wirklich eine ewige Bestandsgarantie? Und was ist mit den zahlreichen Sonden, die wir zu den Planeten und Monden des Sonnensystems sowie in den Raum zwischen ihnen geschickt haben? Im letzten Fall kann man davon ausgehen, dass sie wie die Voyager-Sonden in ihrer Form erhalten bleiben, aber ihr Material durch die kosmische Strahlung altern und damit unansehnlich wird.

Lohnende Sammlerobjekte für Souvenirjäger

Bei den durch den interplanetaren Raum treibenden Raumsonden kommt aber hinzu: Der Wechsel von Hitze und Kälte, das ständige Bombardement durch Mikrometeoriten, die harte solare und kosmische Strahlung wird ihre Metalle stumpf und spröde werden lassen. Dennoch könnten sie zum lohnenden Sammlerobjekt für zukünftige Recyclingfirmen oder Souvenirjäger werden.

Das scheint noch mehr für jene astronautischen Objekte zu gelten, die sich auf dem Mond und dem Mars befinden. Begehrteste Sammelplätze dürften die Orte der bemannten Mondlandungen sein. Nicht umsonst hat die Nasa die Landestelle von Apollo XI vor kurzem unter Denkmalschutz gestellt. Spätere Souvenirjäger könnten tatsächlich wegen des Fehlens von Wind und Wetter und damit der Erosion nicht nur reiche, sondern gut erhaltene Beute machen.

Anders dagegen sieht es mit den Planetensonden aus. Sind sie auf einer Kreisbahn, die weit genug von den äußersten Atmosphärenschichten entfernt ist, erhalten sie den gleichen Status wie die bereits vorhandenen natürlichen Satelliten: Sie werden zu einem weiteren Mond des Zielplaneten. Im anderen Fall werden sie durch die sich in Folge des Sonnenwindes ausdehnende Atmosphäre abgebremst, verglühen dann oder stürzen auf die Planetenoberfläche.

Sonden und Rover unter dickem Staub

Pech könnten zukünftige Besucher der Venus haben: Die Umweltbedingungen auf diesem Planeten mit seiner schwefelsäurehaltigen Atmosphäre, einem Druck wie in fast 1000 Meter Meerestiefe und einer Temperatur nahe 500 Grad Celsius sind so zerstörerisch, dass sie von den dort abgesetzten russischen Venera-Sonden nur noch einen Haufen formlosen Schrott vorfänden.

Dagegen bietet Mars bessere Möglichkeiten der Spurensuche, ist er doch von den Umweltbedingungen her noch am erdähnlichsten. Die dort gelandeten Vikingsonden sowie die Rover Sojourner, Spirit und Opportunity mit ihren Landesonden werden relativ unversehrt erscheinen, wenn auch von einer dicken Sand- und Staubschicht bedeckt - hervorgerufen durch die gewaltigen Staubstürme, die den roten Planeten in bestimmten Abständen heimsuchen. Auf Jahrtausende gesehen dürfte ihnen dasselbe Schicksal beschieden sein wie den Metallkonstruktionen auf unserer Erde.

Unter diesen Aspekten betrachtet, haben die Botschaften der Pionier- und Voyagersonden die größte Langlebigkeitsgarantie. Ihre geschätzte Lebensdauer beträgt 500 Millionen Jahre. Ob allerdings die Menschheit dann noch existiert, ist fraglich. Sei's: drum: Auf jeden Fall zeigen diese Informationsträger, dass es die Menschheit einmal gab.
 

car/news.de
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