Der Frisbee-Mann ist tot
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Dass nicht nur Bälle fliegen, sondern auch Scheiben, hatten die Arbeiter der Bäckerei Frisbie tausendfach mit Tortenblechen erprobt. Aber nur einem kam die Idee, daraus ein elegantes Wurfobjekt aus Plastik zu entwickeln: Frisbee-Erfinder Fredrick Morisson.
Es ist eine dieser amerikanischen Geschichten: Zuerst warf Fredrick Morisson Kuchenbleche durch die Luft, dann sprang er auf die Ufo-Welle auf und schuf dabei quasi im Handumdrehen die fliegende Untertasse aus Plastik: die Frisbeescheibe.
Deren Erfinder starb nun 90-jährig. Das teilte Walt Morrison in Salt Lake City mit. Sein Vater sei am Dienstag dem hohen Alter erlegen. Zudem habe er Krebs gehabt.
Morrison entwickelte die Wurfscheibe aus runden Blechen, auf der eine Bäckerei in Kalifornien Kuchen verkaufte. Diese habe er sich mit seiner künftigen Frau Lu am Strand zugeworfen, schrieb der Historiker Phil Kennedy zusammen mit Morrison in einem Buch über die Geschichte der Flugscheibe.
Nachdem er die Flugeigenschaften runder Kuchenbleche ausgiebig getestet hatte, experimentierte der Pilot Morisson nach dem Zweiten Weltkrieg mit Plastikscheiben. 1948 wurden die ersten Wurfobjekte hergestellt, die er in den 1950er Jahren, als das Ufo-Fieber grassierte, auf den Namen Flying-Saucer (Fliegende Untertasse) taufte. 1955 bastelte er die Pluto Platter mit einem breiteren Rand, die zwei Jahre später von der Spielzeugfirma Wham-O gekauft und unter dem Namen Frisbee zum Renner wurde.
Morrisons befreundeter Anwalt Kay McIff sagte, die Frisbeescheibe habe jeden Winkel der Welt erreicht. «Dieses einfache kleine Spielzeug hat jeden Kontinent durchdrungen», so der Abgeordnete des Repräsentantenhauses von Utah. «Wie würde man durch seine Jugend kommen, ohne zu lernen, einen Frisbee zu werfen?»
«Dem Kuchenblech eine Wölbung verpasst»
Der im vergangenen Jahr gestorbene Wham-O-Mitgründer Richard Knerr war derjenige, der das Vermarktungspotenzial von Morrisons Erfindung sofort bemerkte und erfolgreich kommerzialisierte. Mehr als 200 Millionen Kunststoffscheiben wurden seither als Strandspielzeug und Sportgerät weltweit verkauft. An US-Universitäten traten Studenten ab den 1960er Jahren in Frisbee-Teams gegeneinander an. Inzwischen sind Frisbee-Sportarten wie Ultimate und Discgolf weltweit verbreitet.
Morrison hatte selbst nie ein Patent inne. Die Spielzeugfirma hatte ihn aber am Verkauf des Spielgeräts beteiligt. In einem Fernsehinterview aus dem Jahr 2007 resümiert Morrison über seine Erfindung: «Die ganze Sache verwundert mich! Ich schüttle immer noch meinen Kopf.» Dies sei wirklich nicht die Arbeit von Einstein gewesen, schmunzelte der Bastler. «Ich habe nichts zur aeronautischen Wissenschaft beigetragen, indem ich einem Kuchenblech eine Wölbung verpasst habe.»
Bleibt noch zu klären, warum die fliegenden Scheiben Frisbee heißen und nicht Morisson. Der Legende nach verdankt sie ihren Namen dem amerikanischen Großbäcker William Russel Frisbie, dessen Bleche sich die Arbeiter zuwarfen. Später machten es ihnen die Studenten der Yale University zum Spaß nach. Um ihre Kommilitonen vor einem heranfliegenden Blech zu warnen, riefen sie einfach: «Frisbie».
iwi/ham/ivb/news.de/dpa/ap
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