Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Nelson Mandela hat den Grundstein für ein demokratisches Südafrika gelegt. Doch die 50 Millionen Menschen zählende Gesellschaft kämpft noch immer gegen die Folgen der Apartheidspolitik. Ein schwieriges Terrain für gute Bildung.
Oberflächlich betrachtet ähnelt Südafrikas Bildungssystem vielen anderen: Es besteht Schulpflicht, es gibt Grund- und weiterführende Schulen, es fehlt an Geld und an Lehrern. Und es ist ein System, dass sich nur langsam von der gesellschaftlichen Teilung erholt.
Ein Miteinander zwischen Weißen und Schwarzen war unter den Apartheidsregimen von Briten und Buren streng untersagt. Dieses Kapitel der Geschichte zu überwinden, das Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Lauf nahm und erst 1994 offiziell begraben wurde, ist gerade in der Bildung ein enormer Kraftakt.
Das hat damit zu tun, dass 16 Erziehungsministerien zu einem vereint und der Geschichtsunterricht völlig umgekrempelt werden mussten. Die Privatschulen haben vorgelegt, als sie sich in den 1980er Jahren dazu entschlossen, allen Südafrikanern - egal welcher Hautfarbe - ihre Ausbildung zugänglich zu machen.
Im öffentlichen System ging man dazu erst 1991 über und hier unter besonders ungünstigen Bedingungen, weil es zumeist um Schulen handelt, die früher nicht von Weißen besucht wurden. Bis heute gibt es zahlreiche Schulen, in denen die Klassenzimmer überfüllt und dürftig ausgestattet sind - zu Lasten der Bildungsqualität. Der Anteil der Analphabeten im Land ist hoch und nicht jeder, der zur Schule geht, kann tatsächlich lesen und schreiben.
Das hat insbesondere mit der Vielsprachigkeit des Landes zu tun. Südafrika erkennt offiziell elf Sprachen an: Die der afrikanischen Völker treffen auf Eigenkreationen wie das AfrikaansEine Mischung aus Niederländisch, Englisch und Deutsch sowie afrikanischen Einflüssen. und die Dialekte der einstigen Kolonialherren. Zum Vergleich: Mehr als ein Drittel der Bevölkerung spricht Zulu oder Xhosa, nur neun Prozent Englisch.
Es kommt deshalb häufig vor, dass Schulkinder - es besteht Schulpflicht zwischen dem 7. und 16. Lebensjahr - dem Unterricht nicht richtig folgen können, weil sie die Unterrichtssprache nicht verstehen. Doch je mehr Sprachen die jungen Generationen lernen, desto besser sind ihre Chancen, einen guten Arbeitsplatz zu finden.
Die Schulen sind deshalb verpflichtet, anhand ihrer Schülerstruktur einen Schulsprachplan zu entwickeln, was jedoch mit hohem Aufwand verbunden ist. Aber auch für die Kinder ist das nicht leicht. Sie wachsen mit einer Muttersprache auf, treffen in der Grundschule dann auf eine andere Unterrichtssprache, was sich auch im Sekundarbereich fortsetzt, und im Studium kommt neben dem inhaltlichen Verständnis meist noch hinzu, dass die Südafrikaner dann Englisch beherrschen müssen. Die qualitative Verständniskompetenz schwankt dabei stark.
Ähnlich wie die Pisa-Studien es für Deutschland belegt haben, entscheidet auch in Südafrika neben der Sprachenkompetenz der soziale Status über den Bildungserfolg. Und die Armut in den Ghettos, die Zufluchtsort für Einwanderer auf der Suche nach einer Arbeit sind, ist hoch. So gehen rund eine Million Kinder aus den armen Provinzen Südafrikas laut Unicef nicht zur Schule.
Zahlreiche Organisationen - besonders aus dem Ausland - bemühen sich, den öffentlichen Bildungsstätten unter die Arme zu greifen. Notwendig ist das vor allem in den Townships, in denen zumeist nur die schulische Grundausbildung abgesichert werden kann. Es mangelt dort an vielem und besonders häufig an einer Strom- und Wasserversorgung. Zudem fehlen mehrere Tausend Lehrer sowie fachlich-kompetente Weiterbildungen für die Pädagogen, aber auch für Eltern, die Schulprojekte betreuen können.
iwi/news.de