Schulleiter tritt zurück
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Der Missbrauchsskandal des katholischen Jesuiten-Ordens sorgt weiter für Empörung. Nun ist der Rektor eines der betroffenen Kollegs zurückgetreten. Der beschuldigte Ex-Lehrer bestreitet unterdessen weiter die Tat.
Erstmals nahm jetzt auch Papst Benedikt XVI. zu den Vorfällen Stellung. Er verurteilte die Missbrauchsfälle und betonte, die katholische Kirche habe immer die Rechte Minderjähriger gefördert. Leider gebe es einige Mitglieder, die diese Rechte verletzt und sich damit in Gegensatz zu dieser Verpflichtung gesetzt hätten. Dieses Verhalten habe die Kirche zu jeder Zeit verurteilt und das werde sie immer tun, sagte das Kirchenoberhaupt im Vatikan.
Am Abend teilte der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten den Rücktritt des Rektors des ebenfalls von den Vorwürfen betroffenen Aloisiuskollegs in Bad Godesberg mit. Der beschuldigte Ex-Lehrer des Berliner Canisius-Kolleg, Wolfgang S., hat den Missbrauch von Kindern unterdessen abgestritten. Einem Bericht der Tageszeitung (taz) zufolge räumte er nur ein, Kinder geschlagen zu haben. Zu sexuellen Übergriffen sei es nicht gekommen. S. wird vorgeworfen, sich an Minderjährigen an Schulen in Berlin, Hamburg und St. Blasien im Schwarzwald vergangen zu haben.
«Es ist richtig, dass ich in den vergangenen Jahren meiner Lehrtätigkeit Minderjährige, die mir anvertraut und in gewisser Weise von mir abhängig waren, unter Missbrauch meiner pädagogischen und kirchlichen Autoritätsstellung teilweise mit beträchtlicher Härte durch Schläge misshandelt habe», sagte S. in einem Schreiben, das der Zeitung vorliegt.
30 missbrauchte Kinder allein in Berlin
Allerdings habe er zu keiner Zeit und an keinem Ort mit Kindern und Jugendlichen «Sexualkontakt im Sinne von Genitalberührung, Penetration, Vergewaltigung, Exhibitionismus oder Voyeurismus» gehabt, betonte der ehemalige Priester, der heute in Chile lebt.
Der Sprecher der deutschen Jesuitenprovinz, Thomas Busch, sagte der Zeitung, es habe bei S. «nach derzeitigem Kenntnisstand keine Hinweise sexueller Übergriffe» gegeben. Die Missbrauchsbeauftragte des Ordens, Ursula Raue, geht derweil von rund 30 Missbrauchsopfern am Berliner Jesuiten-Kolleg aus.
S. arbeitete von 1975 bis 1984 als Lehrer für Deutsch, Religion und Sport in Berlin, Hamburg und St. Blasien im Schwarzwald. 1992 hatte er vor der Kirchenleitung sexuelle Übergriffe auf Schüler eingeräumt. Diese hätten in einem «exzessiven körperlichen Bestrafungsritual» bestanden, nicht aber in Geschlechtsverkehr. Die Aufzeichnung seines Geständnissses sei nach Rom gesandt worden und liege mittlerweile unter Verschluss.
Der eigentliche Skandal ist die Vertuschung
Rund eine Woche nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals sprach sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) für eine rasche Aufklärung der Vorfälle aus. «Es muss volle Transparenz geben, so schmerzlich dies auch sein kann», sagte ZdK-Präsident Alois Glück in Bonn. Die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz seien unmissverständlich und müssten daher kompromisslos angewendet werden.
Glück warnte jedoch davor, die Bildungsarbeit der katholischen Kirche durch die Vorfälle insgesamt in ein schlechtes Licht zu rücken. Der Einsatz Hunderttausender in der Jugendarbeit verdiene Anerkennung.
Der Missbrauchsskandal ist nach Ansicht des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck ein Ergebnis falscher Prioritäten in der Sexuallehre in der katholischen Kirche. «Beim Umgang mit den Missbrauchsopfern haben sich nicht nur die Täter, sondern auch alle, die die Vertuschung begünstigt haben, schuldig gemacht», sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag. «Diese Vertuschung ist der eigentliche moralische Skandal der Kirche.»
Beck, der sich für die Rechte von Schwulen und Lesben engagiert, prangert eine «falsche Sexualmoral» des Papstes an: «Es ist unerträglich, dass Benedikt XVI. ein Gesetz gegen die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen in England kritisiert und gleichzeitig das moralische Desaster in der eigenen Kirche nicht sieht.»
62-jähriges Opfer packt aus
In der Folge der aktuellen Entwicklungen um das katholischen Aloisiuskolleg in Bad Godesberg ist der Rektor des Kollegs, Pater Theo Schneider, mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Pater Schneider habe den Provinzial darüber informiert, dass er diesen Schritt im Interesse einer lückenlosen Aufklärung aller im Raum stehenden, einschließlich der gegen seine eigene Person gerichteten Vorwürfe für angeraten halte, teilte der Orden mit.
Die Missbrauchsvorwürfe gegen Mitglieder des katholischen Jesuiten-Ordens hatten am Donnerstag auch das Aloisiuskolleg erreicht. Ein 62-jähriger Ex-Schüler berichtete von sexuellen Übegriffen durch Priester, danach meldete sich ein weiterer Betroffener am Freitag.
Miguel Abrantes klagt mehrere Patres an, ihn und seine Mitschüler an dem Bad Godesberger Gymnasium über Jahre hinweg sexuell belästigt zu haben. Der 37-Jährige schrieb bereits 2004 in dem Buch Sacro Pop. Ein Schuljungen-Report über seine Erlebnisse an dem Kolleg.
cvd/news.de/ddp
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