Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Während Deutschland bibbert, laufen im sonnig-warmen Südafrika die Vorbereitungen für die Fußball-WM. An den Schulen geht das nicht vorbei - wie etwa die Deutsche Internationalen Schule Johannesburg zeigt.
Fußball ist in Südafrika derzeit allgegenwärtig. Auch an der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg (DSJ). Fleißig kickt die Fußball-Arbeitsgemeinschaft, Pläne für Public Viewing werden geschmiedet und im Kunstunterricht planen Schüler und Lehrer, wie sie der Anfrage des ARD-Morgenmagazins gerecht werden, WM-Busse zu gestalten.
Daneben geht der Schulalltag gewohnt weiter. Auch für Erich Schreiner. Der gebürtige Saarländer ist seit fünf Monaten Leiter der DSJ. Ganz neu ist ihm Afrika nicht. Je drei Jahre verbrachte er bereits in Simbabwe und Botswana. Für den Pädagogen, der zumeist an berufsbildenden Schulen tätig war, ist die Arbeit an der allgemeinbildenden Privatschule, eine Umstellung. «Aber keine große. Schulleitungsaufgaben sind heute Managementaufgaben und Schulentwicklungsprozesse im Grunde in allen Schulformen gleich», sagt der 59-Jährige.
Trotzdem funktioniert Lernen in Südafrika anders als in Deutschland. Nicht nur weil die Schuluniform zum Tagesbild gehört, das Schuljahr im Januar beginnt und Eltern Schulgeld zahlen, egal ob der Nachwuchs eine öffentliche oder private Schule besucht. Lernen ist vor allem davon geprägt, dass das Apartheidsdenken nur langsam aus dem Bildungssystem verschwindet.
Sprachförderung steht im Mittelpunkt
An der DSJ mit ihrer mehr als hundertjährigen Tradition ist das anderes. Rassismus hat bei knapp 1000 Schülern aus 27 Nationen keinen Platz. Schwarze und Weiße besuchen gleichermaßen den Unterricht.
Wer seine Kinder an südafrinkanischen Privatschulen unterrichten lässt, zahlt dafür pro Schuljahr zwischen 25.000 und 100.000 Rand, etwa 2500 bis 10.000 Euro. Doch an der DSJ lernen nicht nur finanziell abgesicherte Kinder. Die Schule betreibt eine Partnerschaft mit 40 Grundschulen aus Soweto und unterrichtet ein Jahr lang jeden Samstag 70 dieser Kinder. 15 bis 20 von ihnen werden in die fünfte Klasse der Sekundarstufe I übernommen. Finanziert wird dieses Projekt unter anderem von der deutschen Zentralstelle für Auslandsschulwesen.
Im gutbürgerlichen Stadtviertel Parkview gelegen, setzt die DSJ einen Schwerpunkt auf Sprachförderung. Denn: Deutsch ist Schulsprache. Gesprochen wird aber auch Englisch, Afrikaans und Französisch. In Südafrika, einem Land, das elf offizielle Sprachen kennt und diverse Fremdsprachen fördert, ist das vergleichsweise überschaubar. Egal aber welche Muttersprache ein Schüler spricht: Wer in Deutsch oder Englisch nicht sicher ist, bekommt entsprechende Förderung.
Das ist auch nötig. Immerhin herrschen im Unterricht Deutsch und Englisch vor. Wer das deutsche Abitur oder das National Senior Certificate (NSC) - das südafrikanische Abitur - machen will, kommt daran nicht vorbei.
«In Südafrika geht es beim Lernen stark darum, Wissen anzusammeln und es in Klassenarbeiten wiedergeben zu können», erklärt der deutsche Schulleiter. Frontallernen sei gängige Methode. Unterricht, der Kompetenzentwicklung fördert, kritsches Denken und eigenverantwortliches Arbeiten anregt, ist in den Lehrplänen des Landes bislang kaum gefragt.
Neidisch machende Erfolgsquote
Die deutsche Privatschule will dagegen steuern. Einfach ist das nicht. Denn: «Was das NSC angeht, müssen wir uns nach den Bildungsplänen des Landes richten», so Schreiner. Dennoch versucht der Schulleiter die Einsicht zu wecken, dass Können ebenso wichtig ist wie Wissen. Deshalb werden unter den 85 Pädagogen der Schule regelmäßig Weiterbildungen organisiert.
Die Schüler haben derweil ein dichtes Pensum. 40 Unterrichtsstunden wöchentlich sind ab der fünften Klasse üblich. Viele Schüler sind häufig bis 17 Uhr in der Schule, besuchen Sport-Arbeitsgemeinschaften. «Denn Sport», erklärt Oberstudiendirketor Schreiner, «bieten in Südafrika nicht die Vereine, sondern die Schulen an.» Dazu kommen extra Leseübungen. «Unser Sprachenschwerpunkt erfordert es, dass die Kinder wöchentlich 80 bis 100 Seiten Literatur neben dem üblichen Pensum an Hausaufgaben lesen», betont Schreiner.
Die harte Arbeit mache sich bezahlt: «Alle unsere Schüler machen das Abitur oder NSC. Zudem erreicht unsere Schule eine Hochschulzulassung von 96 Prozent. Der Schnitt in Privatschulen liegt bei 78 Prozent, im öffentlichen System sind es gerade einmal 16 Prozent.»
Das dürfte auch auf die Schüler-Lehrer-Quote zurückzuführen sein. «Der deutsche Klassenbildungserlass sieht bis zu 30 Schüler vor. Bei uns sind es allerhöchstens 24», betont der Schulleiter. Das Verhältnis an öffentlichen Schulen ist deutlich schlechter. Schreiner selbst habe Schulen in Soweto besuchte, deren Klassen mehr als 40 Schüler füllten: «Da saßen viele hinten auf dem Fußboden, weil es nicht genügend Stühle und Tische gab.»
Schulpflicht herrscht in ganz Südafrika. Trotzdem ist die Zahl der Analphabeten - gerade unter den illegalen Zuwanderern - hoch, selbst im infrastrukturell gut ausgestatteten Johannesburg. Die meisten Südafrikaner besuchen zumindest die Grund- und Hauptschule. Das Schulgeld wird einkommensabhängig angepasst.
Doch das gilt nur für die Südafrikaner. Die großen Städte locken jährlich Millionen Einwanderer aus ärmeren Regionen in den Schmelztiegel. «Allein aus Simbabwe sind in den vergangenen Jahren mehr als vier Millionen Menschen hierher gekommen, die nun in den Ghettos leben. Die Eltern versuchen hier Arbeit zu finden, doch ihre Kinder gehen selten in die Schule», weiß der deutsche Pädagoge.
Das öffentliche Bildungssystem in Afrika krankt an vielen Stellen: Die Lehrer sind nicht genügend qualifiziert und wenig motiviert. «In der Öffentlichkeit genießen sie kein hohes soziales Prestige, werden schlecht bezahlt», berichtet Schreiner von seinen Erfahrungen in Botswana. An den Technical Colleges, an denen er gearbeitet habe, herrschte permanenter Lehrerwechsel. «Wer nach dem Studium keinen richtigen Job findet, geht ins Schulsystem. Und sobald sich besser bezahlte Stellungen finden, steigen sie aus.»
Hinzu komme die hohe Unterrichtsbelastung. 30 Stunden hält ein Pädagoge im Schnitt. Diese Probleme zu beheben, kostet Geld. Doch die Schulgelder, die das öffentliche System einnimmt, dürften den Bedarf kaum decken. Das Problem kennt auch die Deutsche Schule Johannesburg. Seitens der südafrikanische Regierung gibt es keine Förderung. Damit bleibt nur, was die Schule jährlich an Gebühren einnimmt und von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen bekommt.
An der Unterfinanzierung im südafrikanischen Bildungswesen wird die Fußball-Weltmeisterschaft kaum etwas ändern. Dafür machen sich andere Zweige große Hoffnungen: «Die WM als Event wird hier einen Zacken höher gehängt. Man erwartet sich viel, gerade in Sachen Werbung für Südafrika, für die Gastronomie», weiß Schreiner. Doch er rechnet mit viel Enttäuschung.
Sogar einen ökonomischen Knick könnte es geben. «Viele Baumaßnahmen wurden als Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft umgesetzt. Das wird noch dem Großereignis nicht so bleiben.» Mancher könnte danach auf der Straße stehen und damit weniger Geld für die Bildung der eigenen Kinder in der Tasche haben.
car/news.de
Der Mensch kann nicht nicht lernen. Also lernt er auch in Johannesburg. Also lernt er auch frontal. Es kommt darauf an, ob dieses "Frontal" ich-kann-Schule-Qualität hat. Einem guten Redner hört man auf dem Kongress schließlich auch eine Stunde lang aufmerksam zu. Und zwar weil das nach dem IKS-SOGPrinzip funktioniert und nicht nach dem DRUCK, den wir gewöhnlich - egal mit welcher äußeren Form - in unseren DMS-Schulen erleben. Gute Beispiele drücken nicht, sie ZIEHEN. Ich grüße freundlich. Franz Josef Neffe
jetzt antwortenKommentar melden