Fr., 25.05.12

Neue Nasa-Sonde 04.02.2010 ... und jetzt das Weltraumwetter

Neue Nasa-Sonde sagt Weltraumwetter vorher (Foto)
Die künstlerische Darstellung zeigt das Solar Dynamics Observatory (SDO) während des Einsatzes im Weltall. Am 9. Februar 2010 soll die neue NASA-Sonde ihre Mssion starten. Bild: dpa/Nasa

Von Gabriele Chwallek

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa schickt einen neuen Satelliten ins All. Er soll dabei helfen, die schwankende Sonnenaktivität und damit das sogenannte Weltraumwetter besser zu verstehen.

Der friedliche Anblick eines romantischen Sonnenuntergangs trügt: Unser Tagesgestirn ist ein brodelnder Gasball, der die Erde bisweilen mit gigantischen Wolken aus heißem Plasma überschüttet. Solche Sonnenstürme können gravierende Folgen haben.

Sie bedrohen Kommunikationssatelliten, Navigationssysteme und sogar manche Stromnetze. Um die schwankende Sonnenaktivität und damit das sogenannte Weltraumwetter besser zu verstehen, startet die US-Raumfahrtbehörde Nasa am 9. Februar von Cape Canaveral in Florida aus mit einer Atlas-V-Rakete das «Solar Dynamics Observatory» (SDO) - den ersten Satelliten einer neuen Generation, wie die Verantwortlichen betonen.

Das fliegende Observatorium wird die Sonne 24 Stunden am Tag im Blick behalten, sieben Tage pro Woche, rund ums Jahr. Alle zehn Sekunden macht das SDO eine Aufnahme von der Sonne in acht Wellenlängen, jedes Bild hat 16 Megapixel - das entspricht der Auflösung einer modernen Profi-Kamera. Der Satellit überwacht zudem die ultraviolette (UV) Strahlung und die Magnetfeldschwankungen der Sonne und schaut wie mit einer Art Ultraschall ins Innere unseres Tagesgestirns. Das alles soll nicht nur unser Wissen über die Sonnenphysik fördern, sondern auch Frühwarnungen vor gefährlichen Sonnenstürmen ermöglichen.

Das SDO produziert eine Datenflut, wie es sie noch nie bei einer Mission der US-Raumfahrtbehörde gegeben hat. Pro Tag funkt die Sonde 1,5 Terabyte zur Erde. Das sind nach einer Nasa-Mitteilung fast 50 Mal mehr wissenschaftliche Daten als bei jeder anderen bisherigen Mission in der Nasa-Geschichte. «Es ist, als würde man an jeden Tag 500.000 Songs herunterladen», sagt Dean Pesnell vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Maryland.

Wie intensiv wird der nächste Sonnenfleckenzyklus sein? Lässt sich künftig vorhersagen, wann heftige Sonnenwinde zu einem Bombardement der Erde mit geladenen Teilchen führen? Könnte eine längere Periode der Inaktivität auf der Sonne den Erdbewohnern einen verlängerten Winter bescheren? Das sind nur einige wenige der vielen Fragen, zu deren Antworten das SDO beitragen soll.

Die Mission ist die erste und der Nasa zufolge das «Kronjuwel» in einem neuen Programm mit dem Titel «Living With a Star» (Leben mit einem Stern). Mindestens fünf Jahre lang soll das beim Start 3100 Kilogramm schwere Observatorium um die Erde kreisen, auf einer zum Äquator geneigten Bahn, die ihm rund um die Uhr die Beobachtung der Sonne ermöglicht. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschlüsse über die Entstehung der magnetischen Felder der Sonne und darüber, wie sich gespeicherte magnetische Energie in kinetische verwandelt - in Form von Sonnenstürmen.

Um die ehrgeizigen Erwartungen der Forscher zu erfüllen, hat das SDO drei spezialisierte Instrumente an Bord. Ein System von vier Teleskopen soll die Sonnenoberfläche und -atmosphäre fotografieren. Ein UV-Detektor überwacht die ultraviolette Helligkeit der Sonne - langsame UV-Schwankungen beeinflussen Erdatmosphäre und -klima, schnelle Schwankungen können Satelliten- und Funkkommunikation stören. Ein kombinierter seismischer und Magnetfelddetektor zeichnet die solaren Magnetfelder auf und blickt über die Beobachtung von Dichteschwankungen auf der Sonne wie mit einem Ultraschallgerät ins Innere des Sterns.

Alles dies ergießt sich als Datenlawine in die Labore der Forscher. Nachdem der ursprünglich für 2009 geplante Start wegen technischer Probleme verschoben werden musste, wünscht sich Pesnell vom Goddard-Zentrum jetzt nur noch: «Lass die Lawine anrollen.»

Weitere Informationen unter: http://www.nasa.gov/sdo

car/news.de/dpa
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