Stillos sein darf nicht jeder
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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Artikel vom 04.02.2010
Wer kein Karnevalskostüm hat, dafür aber ein iPhone, hat es leicht: Er kann als Steve Jobs gehen. Bluejeans, schwarzer Rolli, Turnschuhe – so tritt der Apple-Gründer ständig auf. Wie normale Menschen sich im Job zu kleiden haben, erklärt Stilcoach Dirk Pfister.
«Das einzige Problem an Microsoft ist, dass sie keinen Geschmack haben.» Das ist einer der berühmtesten Sätze von Steve Jobs. Dass der Apple-Chef Stil hat, ist keine Frage. Sein Outfit ist legendär und wird im Internet unter «Fake Steve Jobs», oder «Wear the exact Outfit» zelebriert. Bollerige Jeans, Rollkragen und New-Balance-Turnschuhe – da müsste es Stilberater Dirk Pfister, der mit seiner Firma «Treffsicher kleiden» die feinen Unterschiede zwischen Sport und Umschlagmanschette lehrt, doch kalt den Rücken herunterlaufen – oder?
«Es steckt System dahinter. Der Herr führt ein großes Unternehmen, und man kann davon ausgehen, dass alles, was nach außen geht, genau durchdacht ist. Er weiß, dass er einige vor den Kopf stößt, er weiß aber auch, dass er Sympathien hervorruft. Für ihre Branche ist es nicht das schlechteste Kleidungskonzept, auch, wenn es unsereinem schwer im Magen liegt», ordnet er Jobs' unorthodoxen Kleidungsstil ein.
Doch was bei den großen Bossen Strategie ist, dürfen ihre Untergebenen noch lange nicht. «Wenn der Chef die Krawatte ablegt, heißt das nicht, dass der Angestellte das auch darf», betont Pfister. Er beobachtet seit einiger Zeit eine Tendenz zur Umkehrung: «Je mehr ich mir erlauben kann, desto schlechter gekleidet laufe ich rum.»
Gerade in der IT-Branche ist es wichtig geworden, mit den Dresscodes spielen zu können. «Treffsicher kleiden» erklärt vielen Führungskräften den differenzierten Einsatz von Anzug, Krawatte und Manschette: «Wenn man sich mit eingefleischten Programmierern trifft, braucht man das Outfit nicht so hoch anzusetzen wie für Kunden einer großen Bank», erklärt er.
Um Nuancen geht es auch bei der korrekten Repräsentation nach innen, außen und ganz außen – denn Stilberatung ist vor allem Psychologie. «Vor den eigenen Leuten kann man im Hemd auftreten. Beim Kunden zieht man nicht nur das Sacko drüber, sondern tauscht die Sportmanschette auch noch durch eine Umschlagmanschette mit Manschettenknopf aus», rät Pfister. Ein bisschen Pepp sei nötig, wenn man sich ganz der Öffentlichkeit stellt. Deshalb macht sich am Vortragspult in der Messehalle eine farbige Krawatte gut. «Ist der Redner angezogen wie der Hintergrund, schläft der Zuschauer ein. Alle 180 Sekunden kommt ein Ausgang für die Gedanken. Wenn es da keine Unterstützung für den Zuhörer gibt, ist er weg», erläutert der Stilexperte.
Wer Anzug trägt, macht weniger falsch
Obwohl dank 1968 Jeans salonfähig und Turnschuhe bundestagstauglich geworden sind, spricht Kleidung nach wie vor eine deutliche Sprache zwischen den Zeilen des Berufslebens. «Wenn sie sich nicht entsprechen dem Mittelfeld kleiden, sind sie irgendwann nicht mehr dabei», mahnt Pfitzner. Das Erscheinungsbild muss stimmig sein: Wer von Qualität spricht, solle sie auch sehen, hören und spüren lassen.
Banker oder Versicherungsunternehmer gehören weniger zu den Sorgenkindern in Sachen Stil, weil der Anzug ohnehin ihre Dienstkleidung ist. Doch auch da möchte «Treffsicher kleiden» gern noch einen draufsetzen. Im Profibereich der Stilberatung geht es um Schuhe, Krawatten und die richtige Uhr oder darum, dass die Jackettärmel und Hosenbeine nicht zu lang sein dürfen, wie die Deutschen es so gern falsch machen. «Angst treibt die Herrschaften zu Fehlern», hat Dirk Pfister festgestellt. Zu lange Hosen aus Angst vor nacktem Bein im Sitzen, «dabei kann man ein dünnes, weißes, behaartes Schienbein nicht sehen, wenn man einen schönen langen Kniestrumpf trägt», Button-Down-Hemden zum Anzug aus Angst, dass die Krawatte verrutscht, «obwohl ein Kent- oder Haifisch-Kragen viel besser passt».
Wer weiß, wie's geht, darf natürlich auch seinem eigenen Stil vertrauen. «Ich verlasse das Haus auch schon mal nicht im Anzug, weil ich dann eine Kombination trage. Und in meiner Freizeit kleide ich mich klassisch, mit beiger Baumwollhose und Sportsakko», gibt Pfister preis. Vogelfrei in Sachen Stil könnten sich aber nur Künstler fühlen. «Sie drücken mit ihrer Kleidung die Kunst und sich selber aus – das ist oft auch ganz schmerzfrei», meint der Stilexperte. Dass Steve Jobs ein Künstler ist, wird doch niemand bestreiten wollen.
ham/news.de
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