Fr., 25.05.12

Schwanger im Job 05.02.2010 Löwin mit Nuckelflasche

Tipps für die Karriere nach der Schwangerschaft (Foto)
Nach der Geburt wieder arbeiten? Frauen, die das erfolgreich meistern wollen, sollten schon mit Babybauch fleißig planen. Bild: Eichborn Verlag

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Adieu Job, hallo Kind - längst nicht für jede Frau ist das die Erfüllung. Immer mehr wollen nach der Geburt ihre Karriere fortsetzen. Doch das schafft nur, wer schon mit Babybauch zur Revierverteidigung antritt und den Chef um den Finger wickelt.

Gerade angehende und frisch gebackene Mütter dürfen sich nicht auf ihr Glück verlassen, wenn sie beruflich am Ball bleiben wollen. Planung sei deshalb wichtig, betont Personalberaterin Maren Lehky in ihrem Buch Kind und Beruf - so funktioniert es. Dies erst nach der Geburt zu tun, stelle Frauen und Arbeitgeber vor Probleme.

Je eher Pläne geschmiedet würden, desto besser ist die spätere Verhandlungsposition. Doch wo anfangen? Zunächst damit, über die eigene Position im Unternehmen nachzudenken. Es bedarf eines festen Standes, um nicht zum Hausfrauchen degradiert zu werden, dass sich etwas beweisen will.

Ob der Wiedereinstieg tatsächlich das Ziel ist, darüber sollten weder der Chef noch familiäre Argumente wie der nur notdürftig zu meisternde Haushalt oder vermeintliche Gedanken, den Nachwuchs zu vernachlässigen, entscheiden. Drei Fragen hält die Personalberaterin für wichtig: «Was wollen Sie persönlich? Wie wollen Sie Ihr weiteres Leben gestalten? Welcher Weg wird Sie glücklich und zufrieden machen?» Erst wer die Fragen ehrlich beantwortet habe, sollte klären, wann die Rückkehr sinnvoll ist, wie sich der familiäre Finanzbedarf darstellt und ob in Teil- oder Vollzeit gearbeitet werden soll.

Wer klug planen wolle, müsse sich frühzeitig seiner Rollen bewusst sein. Lehky rät, klar zu trennen. Im Job hat nur die Frau Platz, die als Arbeitnehmerin agiert. Denn gängige Vorurteile wie «Wenn Frauen erst Mütter sind, haben sie nur noch Kinder im Kopf» halten sich hartnäckig - vor allen in männlich besetzten Chefetagen.

Kinder strategisch planen

Karrierefrauen tun gut daran, Schwangerschaften zu planen. Der beste Zeitpunkt dafür besteht, wenn die eigene Verhandlungsposition gut ist. Dazu zählten ein guter Ruf im Unternehmen und bei Kunden sowie als kompetent zu gelten. Nur so bleiben Frauen auch nach der Geburt gefragte Kräfte.

Wer auf der Karriereleiter bereits hoch oben steht, muss sein Image pflegen und sein Revier verteidigen. Angebote von Kollegen, in Abwesenheit als Vertreter zu fungieren, sind mit Vorsicht zu genießen. Die Personalberaterin rät, diese Aufgabe nur jemanden zu übertragen, der das eigene, absolute Vertrauen besitze. Wer die technischen Voraussetzungen hat, sollte zudem möglichst viel von zu Hause aus im Auge behalten.

Doch auch zu Beginn des Berufswegs Familienplanung zu betreiben, kann vorteilhaft sein: Die Betroffenen sind meist «noch deutlich unter Dreißig». Wer zu diesem Zeitpunkt ein Kind bekommt, habe beim übernächsten Karriereschritt ein Alter erreicht, in dem keiner mehr danach frage, wie sie das Familienleben regeln, schreibt die Autorin.

Allerdings stehe auch die Frage nach einer größeren Familie im Raum. «Wenn Sie ein weiteres oder auch mehrere Kinder wollen, dann aus Sicht der Arbeitgeber am besten schnell hintereinander, damit beide gleich schnell groß sind.» Meist wollten Frauen dann nicht noch mehr Nachwuchs - und gelten deshalb als «kalkulierbares Risiko» bei Beförderungsfragen.

Bei einer Schwangerschaft in der Mitte des Berufslebens stehe die Revierverteidigung auf dem Plan. Die Konkurrenz derer, die als Ersatz für die eigene Position herhalten können, ist groß. Andererseits wird auch der Wechsel zu einer anderen Firma und damit die Neupositionierung schwieriger, je mehr eine Frau auf die Vierzig zuschreitet.

Für den Chef vorausdenken

Doch egal, wann der Kinderwunsch erfüllt werden soll, ob der Wiedereinstieg gelingt, hängt davon ab, wie gut der Chef auf die Pläne nach der Schwangerschaft vorbereitet ist. Ein wichtiger Leitsatz der Autorin lautet daher: «Was sich Arbeitgeber von schwangeren Frauen oder späteren Müttern wünschen, ist, dass das ‹Thema Kinderkriegen› sie nichts kostet und die Frauen weiterhin funktionieren.»

Deshalb sei es wichtig, früh das Gespräch zu suchen und Konzepte in der Hand zu haben, wie Ausfallzeiten überbrückt und ein Wiedereinstieg problemfrei gestaltet werden kann. Doch nichts überstürzen: Ein guter Zeitpunkt, über eine Schwangerschaft zu informieren, sei der vierte Monat. Die größte Gefahr, das Kind zu verlieren, sei dann gebannt. «Eine Verkündung der Schwangerschaft und einige Wochen später das Zurückziehen derselben, weil Sie das Kind verloren haben, sollten Sie sich unbedingt ersparen. Der Arbeitgeber würde es Ihnen insofern zum Nachteil auslegen, als er davon ausginge, dass Sie ab jetzt ‹üben, bis es wieder klappt›.» Das verbaue Chancen auf eine Beförderung oder Gehaltserhöhung.

Die Schwangerschaft sollte nicht zwischen Tür und Angel mitgeteilt werden. Ein verbeinbarter Gesprächstermin gibt auch Gelegenheit, den Chef darüber zu informieren, ob und wann nach der Geburt die Rückkehr in den Job erfolgen soll, ob Elternzeit geplant ist, dabei vielleicht aber eine Teilzeitarbeit angestrebt wird. Das erleichtert es den Personalern abzuschätzen, ob und wie lang eine Vertretung nötig wird.

Pluspunkte sammeln künftige Mütter, wenn sie dafür selbst Lösungsvorschläge bieten. Eine Analyse der eigenen Tagesaufgaben ist dafür grundlegend: Was haben Sie zu tun? Wie stark ist der Terminkalender beansprucht? Was könnte auch außerhalb des Arbeitsplatzes - etwa per Home-Office - erledigt werden? Wie stark ist die eigene Arbeit an die von anderen gebunden? Gibt es eventuell Kunden, die nur persönlich betreut werden wollen? Welche Aufgaben könnten von anderen Kollegen übernommen werden? Gibt es Projekte, die auf die Zeit nach der Schwangerschaft verschoben werden können?

Damit lässt sich genau nachvollziehen, wie der Arbeitsplatz mutterschaftsgerecht angepasst werden kann. Überlegungen zur Kinderbetreuung nach der Geburt sollten nicht vergessen werden, denn nur wer nicht dauernd ausfällt, ist für den Arbeitgeber tatsächlich nützlich. Wichtig sind all diese Gedanken aus einem Grund: «So übernehmen Sie selbst die Verantwortung für Ihren Job und machen deutlich, dass Ihr Arbeitsplatz Ihnen nicht plötzlich egal ist und Sie ihn so schnell nicht aufgeben werden.»

Mutterschaft macht angreifbar

Ob der Plan letztlich aufgeht, ist eine andere Sache. Manchmal zeigt sich erst in den acht Wochen nach der Geburt, ob der Wiedereinstieg funktionieren kann. Die neuen Eindrücke sollten genutzt werden, um getroffene Entscheidungen zu überdenken. Dabei spiele laut Maren Lehky auch eine Rolle, ob sich Mütter schon gesund und fit fühlen, ob das Abstillen klappe oder die Kinder in andere Obhut gegeben werden können, ohne dass ein Sorgengedanke dem nächsten folgt.

Denn wer den Schritt wagt, sieht sich im Job unweigerlich neuem Misstrauen gegenüber. Imagepflege wird deshalb erneut wichtig: das gilt für das äußere Erscheinungsbild wie für professionelles Arbeiten. Das Baby am Arbeitsplatz vorzuführen, hält die Personalberaterin für eine unbedachte Unsitte. Erstens weil Frauen so schnell als Muttertiere abgestempelt werden. Und zweitens: Väter bringen ihren Nachwuchs auch fast nie mit in die Firma.

Ebenso deplaziert sind Bemerkungen darüber, dass zu Hause keine Zeit zum Aufräumen bleibt und die Wohnung dem Schauplatz eines Luftangriffs gleiche. Auch von Babyfotos auf dem Schreibtisch rät die Personalberaterin ab: «Männer ernten dafür Anerkennung, Frauen eher misstrauische Blicke.»

Doch egal wie lange Frauen für Kind und Familie den Job den Rücken kehren, wer seine Karriere nicht an den Nagel hängen will, muss ständig auf dem Laufenden bleiben: das fängt beim regelmäßigen Gespräch mit den Kollegen an, kann eine betriebliche Fortbildung in der Mutterpause sein oder sogar eine externe Fortbildung. Wer mit der technischen Entwicklung nicht Schritt gehalten hat, verliert als Wiedereinsteiger erheblich an Prestige.

Lesetipp: Maren Lehky: Kind und Beruf - so funktioniert es, Eichborn Verlag, 180 Seiten, 16,90 Euro.

car/news.de
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