«Sonst werden wir diese Katze verlieren»
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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Artikel vom 01.02.2010
Am 14. Februar beginnt in China das Jahr des Tigers, aber wild leben nur noch 3200 dieser Katzen. Nun haben sich die 13 Tigerstaaten getroffen, um die totale Ausrottung zu verhindern. WWF-Experte Volker Homes erklärt news.de, ob es Chancen gibt.
Früher waren Tiger vor allem die bösen Raubkatzen - wie Shir Khan im Dschungelbuch. Wie werden die Tiere heute in ihren Ländern wahrgenommen?
Homes: Nicht einheitlich natürlich. In China ist der Tiger eine Symbolfigur, aber bei den ärmeren Bevölkerungsschichten kann er noch als Gefahr empfunden werden. Das ist auch in Russland zu beobachten: In Wladiwostok macht sich inzwischen eine Art Nationalstolz bemerkbar, dass sie den Tiger wiederhaben, aber für die Menschen, die vor Ort mit ihm konfrontiert sind und gar nicht das Wissen haben, wie bedroht diese Katzenart ist, kann er nach wie vor eine tägliche Bedrohung sein. Nicht unbedingt für den Menschen, aber wenn ein Tiger die einzige Kuh reißt, ist das für die Bevölkerung wirtschaftlich bedrohlich.
Wo ist der Tiger am stärksten gefährdet?
Homes: Drei Tigerarten sind etwa seit den 1940er Jahren ausgestorben, der Java-Tiger, der Bali-Tiger und der Kaspische Tiger. Vom Sumatra-Tiger gibt es noch maximal 400. Er ist vor allem vom Lebensraumverlust bedroht, durch das Vordringen der Plantagen, aber auch durch die Holzindustrie und die Wilderei.
Womit machen die Wilderer ihre Geschäfte?
Homes: Da steckt immer noch der Volksglaube an die Kraft in der Medizin dahinter, rheumatische und Knochenleiden werden mit Tigerknochen behandelt. Aus der traditionellen chinesischen oder asiatischen Medizin hat man ihn allerdings rausgenommen.
Seit wann existiert denn ein Bewusstsein, dass man den Tiger schützen muss?
Homes: Das gibt es schon länger. Dass in Indien zum Beispiel die Bestände zurückgehen und dass man sie schützen muss, ist weltweit seit spätestens den 1970er Jahren bekannt. Präsidentin Indira Ghandi hat damals den Tigerschutz praktisch verordnet. Trotz aller Bemühungen und des vielen Geldes, das aufgewendet wurde, stehen wir heute jedoch bei einem Bestand von 3200 Tigern. In den letzten zwölf Jahren, seit dem letzten Jahr des Tigers (Anmerkung der Redaktion: Das letzte Jahr des Tigers wurde in China 1998 gefeiert), hat sich die Anzahl nochmal etwa halbiert.
Was muss man anders machen, um die Tiger effektiv zu schützen?
Homes: Das ist der Punkt. Es gibt natürlich viele Initiativen und es ist auch eine ganze Menge richtig gemacht worden. Ein Tiger darf nirgendwo mehr legal geschossen, nirgendwo gehandelt werden, in allen 13 Verbreitungsstaaten und auch international nicht. Trotzdem verschwinden ja die Lebensräume, und es gibt die Wilderei. Das größte Problem ist, das, was man sich vorgenommen hat, auch umzusetzen.
Sind Sie zufrieden mit dem Treffen von Hua Hin? Es war immerhin das erste Mal, dass sich alle 13 betroffenen Staaten für den Tiger zusammengesetzt haben.
Homes: Wir sind sehr zufrieden, aber es ist natürlich erstmal nur ein Papier. Im September wollen sich die Staatspräsidenten in Wladiwostok treffen und die Beschlüsse formal festklopfen, und dann beginnt erst die Arbeit. Es wurde ein Ziel aufgenommen, das sich auch der WWF gesetzt hat: die Verdoppelung der Bestände bis zum nächsten Jahr des Tigers 2022. Das ist ein Meilenstein, den müssen wir erreichen.
Ist das realistisch?
Homes: Ja, das ist eine Zahl, die machbar ist. Wir haben allein in Südostasien eine Fläche so groß wie Frankreich (die Greater-Mekong-Region, Anm. d. Redaktion), wo Tiger leben könnten. Es gibt dort in Kambodscha, Vietnam und Laos jeweils einige Dutzend Tiger, die könnten aber anwachsen, denn es gibt genügend Lebensraum.
Warum vermehren sie sich dann derzeit nicht?
Homes: Wilderei ist Schuld - und fehlende Beutetierbestände, ein Phänomen, das man lange Zeit unterschätzt hat. Die Hirsche und Antilopenarten, die der Tiger braucht, werden auch von Menschen gegessen.
Was müssen die Regierungen also tun?
Homes: Der Kern sind die Schutzgebiete, darum herum muss es Pufferzonen geben, damit sich der Tiger vermehren und ausbreiten kann, aber eben auch eine Reglementierung der Jagd, damit er genug zu fressen hat. Dabei gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade in verschiedenen Regionen. In Sumatra zum Beispiel kann man nur sagen, retten, was zu retten ist. Die großen Firmen dort haben ein massives Wirtschaftsinteresse, und sie dazu zu bewegen, dass sie die Tigerlebensräume in Ruhe lassen, das sind sehr, sehr dicke Bretter, die wir bohren müssen. Eine Mischung aus Angeboten und Druck - die Gesetze knallhart umsetzen.
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Verschiedene Unterarten des Tigers scheinen bereits ausgerottet zu sein. Verantwortlich ist neben der Zerstörung ihres Lebensraumes vor allem die Jagd auf sie. Früher war die Trophäenjagd auf Tiger in Mode - es wurden regelrechte Treibjagden veranstaltet. Heute sind Tiger in ihrem gesamten Lebensraum geschützt. Unterbinden kann dies die Jagd auf sie aber leider nicht. So hat z.B. die Wilderei in den letzten Jahren wieder verstärkt zugenommen. Es scheint auch an politischem Willen zu mangeln.
jetzt antwortenKommentar meldenIch glaube, Tiger werden ein Revival (Wiederauferstehung) feiern. Denn ist ein Jäger ausgerottet, so wird seine Beute krank. Siehe das Rehwild in Deutschland.
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