Immerhin: Zehn von 14 möglichen Ursachen für den Erdrutsch von Nachterstedt konnten bisher ausgeschlossen werden. Nun müssten Felduntersuchungen weitere Klarheit bringen. 2011 rechnen Experten mit einem Ergebnis.
Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdrutsch von Nachterstedt in Sachsen-Anhalt ist die eigentliche Ursache des Unglücks noch immer unklar, und sie wird es vorerst wohl auch bleiben: Mit konkreten Ergebnissen sei kaum vor Ende 2011 zu rechnen, sagte der sachsen-anhaltinische Wirtschaftsminister Reiner Haseloff in Magdeburg. So lange würden weitere Detailuntersuchungen dauern, kündigte er bei der Vorstellung erster Zwischenergebnisse an.
Die mögliche Bergung der drei verschütteten Personen müsse besondere Priorität haben, betonte er. Die am See geplanten Infrastrukturvorhaben liegen nach seinen Angaben bis Ende 2011 auf Eis. Bis zu diesem Zeitraum sollen für die vom Unglück betroffenen Firmen eine Entschädigung für ihre wirtschaftlichen Verluste erhalten, sagte der Minister. Entsprechende Gespräche würden derzeit mit dem Bund geführt. Langfristig halte Sachsen-Anhalt an dem Ziel fest, den alten Tagebau Nachterstedt mit dem dort geplanten Concordiasee touristisch zu nutzen.
Zehn von 14 möglichen Ursachen ausgeschlossen
Ein vom Landesamt für Geologie und Bergwesen in Auftrag gegebenes Gutachten konnte das Unglück von Nachterstedt bislang nicht lückenlos aufklären. Durch Auswertung bergbaulicher Daten und Unterlagen aus dem Zeitraum von 1849 bis 2009 konnten von anfangs 14 potenziellen Schadensursachen bisher zehn ausgeschlossen werden.
Weiter untersucht werden müssten jetzt Auswirkungen des früheren untertägigen Bergbaus in der Region, die hydrologische sowie die hydraulische Situation am einstigen Tagebau Nachterstedt und Materialeigenschaften am Böschungskörper, sagte Gutachter Michael Clostermann.
Ein derart komplexes Schadensereignis habe es bisher noch nicht gegeben. Ein zum Unglückszeitpunkt seismisch registriertes Beben könne als Ursache aber ausgeschlossen werden, da es sich dabei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um den Erdrutsch selbst gehandelt habe. Modellrechnungen anhand der vorliegenden Daten hatten selbst bei ungünstig angenommenen Kennwerten eine Standsicherheit der Gesamtböschung bestätigt.
Tiefenbohrungen und Felduntersuchungen nötig
Bei der weiteren Suche nach der Unglücksursache führten Archivauswertungen nicht mehr weiter, erklärte der Gutachter. Felduntersuchungen an der real anzutreffenden geologischen Situation seien erforderlich. Die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft LMBV müsse nun schnell ein Erkundungskonzept vorlegen und genehmigen lassen, auf dessen Basis dann weitere Arbeiten wie Tiefenbohrungen, Feld- und Laboruntersuchungen erfolgen könnten, forderte Minister Haseloff.
An dem am Harzrand entstehenden Naherholungsgebiet waren Mitte Juli bei einem gewaltigen Böschungsrutsch mehrere Häuser und in ihnen drei Menschen im Wasser des Concordiasees versunken. Der Abriss erfasste einen Böschungsbereich von 1,1 Kilometer Länge und setzte schätzungsweise 2,2 Millionen Kubikmeter Erdmasse in Bewegung. Dass es in den Monaten danach an dem steilen Hang zu keinen weiteren Abrutschungen kam, «fasziniert die ganze Fachwelt», sagte Gutachter Clostermann.
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