Mit dem Trabi nach Südafrika
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Halle/Saale
Artikel vom 01.02.2010
Wenn Tausende im Juni und Juli zur Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika reisen, ist ein Verrückter unter ihnen: Rolf Becker mit seinem Trabi. Für den Aktionskünstler ist es nicht die erste Reise der anderen Art.
Die Aktion ist nur ein vorläufiger Höhepunkt. Sein Leben hat schon ungezählte dieser Art parat gehalten. Und um alle aufzuschreiben, bedarf es mindestens eines dicken Buches. Rolf Becker, 62 Jahre alt, will mit seinem Trabant zur Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika fahren. Dabei hat der aus Halle in Sachsen-Anhalt stammende nicht nur positive Erinnerungen an den schwarzen Kontinent.
Eine Locke vor der Stirn, beide Hände fest am Lenkrad, lächelnd. So saß Rolf bereits als Vierjähriger in seinem ersten Auto. Es war ein roter Renner aus Blech, den sein Vater aus Schrott gebaut hatte. Mit den Füßen konnte der kleine Rolf Schwung holen und die Lenkung funktionierte richtig. Hätte sein Vater gewusst, was diese Erfahrung in seinem Sohn auslöst - er hätte wohl auf den Bau des Spielzeugautos verzichtet.
«Smell of freedom», Geruch von Freiheit. Dieser kleine Schriftzug steht über dem Auspuff seines Trabis. Und wenn Rolf Gas gibt, kommt eine so große blaue Wolke aus dem Rohr, dass sich jeder Hasser von Umweltschützern freuen würde. Den Geruch von Freiheit hat Rolf nicht nur in der DDR verteilt. Er verteilte ihn fast auf der ganzen Welt - und macht es bis heute. Gerade ist einer seiner Trabants per Schiff auf dem Weg nach Vancouver zu den Olympischen Spielen.
Die Planung für die nächste Aktion hat Rolf bereits abgeschlossen. Ein Trabi muss nach Südafrika, und zwar genau dann, wenn die Fußballweltmeisterschaft beginnt. «Ich möchte nach Kapstadt und zum Hotel der Deutschen Spieler», sagt Rolf. Wie er sein Gefährt nach Afrika bekommt? «Na rolfmäßig», sagt Rolf und schmunzelt. Denn Rolf ist nicht nur ein verrückter Trabifahrer, sondern ein Entertainer und Werbebotschafter.
Es gibt Tage, da tritt Rolf mit seinem Trabant gegen einen Porsche an. Die Rennstrecke ist in einer Eishalle und die Starterin eine Blondine, mit langen Beinen und im Krankenschwester-Outfit. Unterhaltung pur. Es gibt Tage, da zeigt Rolf an einem Gerät mit dem Trabi einen Überschlag. Verkehrserziehung. Und es gibt Tage, an denen tourt er mit seiner Multivisionsshow durchs Land und unterhält die Menschen mit seinen Geschichten. Rolf ist ein Aktionskünstler. Er ist sich selbst für nichts zu schade. Ungefähr das ist rolfmäßig.
Rolf Becker hat irgendwann einmal Maschinenbau studiert, er war DDR-Meister im Modellbau von Schiffen, er war Kabarettist während des Studiums, er war Hausmeister in einer Eisdiele, Filmvorführer, Bücherverkäufer, er hat Pumpen verkauft. «Doch es gibt sinnvolleres, als Tag für Tag Pumpen zu verkaufen», sagt er. Er ist angeeckt und andere sind an ihm angeeckt. Deswegen besorgte er sich 1983 eine Drehorgel, natürlich auf rolfmäßige Art, und die Erlaubnis als Künstler. Er nannte sich Drehorgel-Rolf, kurz D-Rolf. Bis heute.
30 Mark durfte Rolf damals für einen Auftritt nehmen. So hat es ihm die Behörde in der DDR vorgeschrieben. Aber was ist schon ein Auftritt? «Wenn ich von der Bühne abgehe und wieder komme, ist das doch ein neuer Auftritt», sagt Rolf. «Und wenn ich mich umziehe oder meinen Hut wechsle auch.» D-Rolf hat während eines Abends sehr oft seinen Hut gewechselt. Auch das ist rolfmäßig.
Heute ist Rolf zu einer Werbeikone geworden. Er hat stets Filinchen und Halberstädter Würstchen im Trabant-Kofferraum, das Auto ist voller Reklameschilder. «Ich bin nie reich geworden, konnte aber immer gut leben», sagt er. Rolf ist da, wo vorn ist. Da wo vorn ist, ist Rolf. Auf einigen Fotos steht er neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, auf anderen signiert der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau die Motorhaube des Trabis.
Rolf hat eine Frau, die das Theater mitmacht und eine Tochter, die ihn des Öfteren auf den Boden der Tatsachen holt. Falls es mal wieder zu bunt wird, oder falls im afrikanischen Timbuktu der Trabant von Terroristen entführt wird. Doch Rolf grinst und plant schon wieder den nächsten öffentlichkeitswirksamen Coup. Was es sein wird? Verraten möchte Rolf noch nichts. «Aber mich reizen Doppeldecker», sagt er. Nach dem Warum braucht niemand zu fragen.
Nun muss er auch schon wieder weiter. Der Mann setzt sich die schwarze Melone auf, bindet sich das rote Tuch um den Hals und steigt in seinen Trabant. Benzinhahn aufdrehen, Zündschlüssel rum, Gas geben und weg. Es ist nach fast 30 Jahren D-Rolf sein 60. Trabant. Wie viele es in Zukunft noch werden, weiß er nicht. «Ich mache immer so weiter», sagt er. Jetzt bleibt erst einmal eine blaue Abgaswolke. Rolfmäßig.
iwe/nbr/news.de
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Schön, dass es noch solch wirklich "verückten" Abenteurer gibt. Ohne Sponsoren wäre das bestimmt nicht gegangen. Was ist denn in den nächsten Monaten so geplant? In Vietnam war er, so glaube ich noch nicht. Auch ich möchte viel Glück und Erfolg für die nächsten Reisen wünschen. Ich hoffe, ihr berichtet auch davon. Muss ja nicht unbedingt Vietnam sein. ;-)
jetzt antwortenKommentar meldenTolle Sache.Ich bewundere Ihn für seinen Mut. Wünsche Ihn viel Glück, und Erfolg für sein Unternehmen.Hoffentlich erfährt man etwas darüber!!
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