Von Susan Montoya Bryan
Die Sonne brennt immer schon auf die Prärie. Doch jetzt, wo sie sich zu Energie machen lässt, soll sie Indianerstämmen aus der Misere helfen. In New Mexico startet die erste Solaranlage auf Stammesland.
Die Sonne birgt für ein verarmtes Indianervolk in den USA die Hoffnung auf eine bessere Zukunft: Die 3000 Mitglieder des Jemez Pueblo im Staat New Mexico wollen die erste kommerzielle Solaranlage im großen Stil auf Stammesland bauen. Das Projekt könnte Millionen Dollar in die Kassen des Volks spülen. Experten zufolge kann die Nutzung von Sonne, Wind und Geothermie in den großen Reservaten des amerikanischen Westens dort ebenso viel Wohlstand schaffen, wie dies bisher mit Kasinos gelang.
«Wir haben keine Einnahmen, abgesehen von einem kleinen Supermarkt», sagt James Roger Madalena, ein früherer Stammesgouverneur, der das Pueblo inzwischen im Parlament von New Mexico vertritt. «Es ist entscheidend, dass wir innovativ und kreativ werden, dass uns etwas einfällt, das Generationen überdauert und dabei keinen katastrophalen Einfluss auf die Umwelt hat.»
Der kakteenbewachsene Ort, wo die Vier-Megawatt-Anlage mit fast 15.000 Solarzellen gebaut werden soll, ist ausgewählt, und nach vierjähriger Planung und langen Verhandlungen steht auch der Vertrag über den Verkauf des produzierten Stroms vor dem Abschluss. Die Anlage könnte etwa 600 Wohnhäuser mit Elektrizität versorgen. Etwa 22 Millionen Dollar (15,5 Millionen Euro), soll das Projekt kosten, das über staatliche Subventionen, Kredite und Steuergutschriften finanziert wird. In den nächsten 25 Jahren könnte Jemez Pueblo dann mit Einnahmen von 25 Millionen Dollar rechnen. Damit könnten die Indianer ihr antiquiertes Trinkwassernetz erneuern und eine Kläranlage bauen.
Energie statt Glücksspiel
Erneuerbare Energien sind ein neue Einnahmeoption für Stammesgebiete, wo die Arbeitslosenquote häufig doppelt so hoch liegt wie der Landesdurchschnitt. Jemez Pueblo nahm das Projekt in Angriff, nachdem die Bundesregierung den Bau eines Kasinos untersagt hatte, da das dafür vorgesehene Grundstück zu weit vom Dorf entfernt lag. «Nicht jeder Stamm kann aufs Glücksspiel setzen, aber jeder Stamm kann auf Energie setzen», sagt Roger Fragua, ein Berater, der mit dem Rat für Stammes-Energieressourcen (Cert) zusammenarbeitet. Cert wurde von Ureinwohnern gegründet, um langfristige Energieziele zu entwickeln.
Ureinwohner kontrollieren mehr als 22 Millionen Hektar Land in den USA, und dort können nach Schätzungen des Programms für Stammesenergie des US-Energieministeriums jährlich 535 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Windkraft erzeugt werden. Solarkraft birgt mit jährlich 17 Billionen Kilowattstunden ein noch größeres Potenzial - mehr als das Vierfache des pro Jahr in den USA erzeugten Stroms. Auch US-Präsident Barack Obama ist sich der daraus erwachsenden Chancen bewusst. Bei einem Treffen mit Indianerführern im vergangenen Jahr sagte er seine Unterstützung zu, um den Völkern die Finanzierung von Energieprojekten zu ermöglichen.
Von 2002 bis 2008 finanzierte das Programm für Stammesenergie fast 100 Projekte im Wert von insgesamt 16,5 Millionen Dollar. Ein Gesetz aus dem Jahr 2005 gestattet allerdings Investitionen bis zu 20 Millionen - pro Jahr. Das Geld floss vor allem in Windparks, die Entwicklung von Solarkraftanlagen auf Stammesland steckt dagegen noch in den Anfängen. Zwar nutzen viele Völker Solarzellen für den Betrieb von Kasinos und einzelnen Wohnhäusern, Jemez Pueblo ist aber Pionier darin, den Strom an auswärtige Kunden zu verkaufen. Staatliche Zuschüsse haben einen Teil der Planungskosten abgedeckt, Ingenieure und Anwaltskanzleien haben ihre Arbeit kostenlos zur Verfügung gestellt.
«Wir wissen, dass andere Stämme daran interessiert sind, unserem Beispiel zu folgen, und sie beobachten unser Projekt um zu sehen, welchen Erfolg wir haben», sagt Greg Kaufman, ein Umweltwissenschaftler, der mit der Verwaltung des Pueblos zusammenarbeitet. Die Indianer wollten mit Solarzellen nicht reich werden, sagt Kaufman. In erster Linie gehe es der Stammesführung darum, den Bewohnern ein besseres Leben zu ermöglichen. Und wenn die Nachfrage nach erneuerbarer Energie in den USA künftig im Rahmen des Klimaschutzes steigt, können Ureinwohner dabei eine wichtige Rolle spielen. «Indianer haben schon immer gegeben», sagt Berater Fragua. «Jetzt haben wir aufs Neue die Chance, für Amerika und seine Energiesicherheit etwas zu geben.»
iwi/iwe/news.de/ap