Wie gestalte ich Kostüme von Prominenten?
Wat soll dä Quatsch?
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Wie gestalte ich Kostüme von Prominenten?
Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Der rheinische Karneval genießt keinen guten Ruf in Deutschland. Verschrien als Frohsinn auf Knopfdruck, als Massenbesäufnis und größte Kuppelparty der Welt, braucht es dringend einen Appell pro Karneval an die Nation. Ein Versuch der Ehrenrettung.
Nicht nur vor dem Herrgott sind wir alle gleich, auch vor dem JeckenMit Jeck werden primär Personen bezeichnet, welche aktiv am Karneval teilnehmen, anderswo heißen sie auch Narren. gilt diese Regel. Karneval, das ist - neben Schnapsleichen, Müllbergen und dröhnenden Lautsprechern - so etwas wie die Event gewordene Völkerverständigung, der durch die Straßen ziehende Sozialfrieden. Wer schon einmal, des Nachts um drei, mit einem sturzbetrunkenen Vorstandsvorsitzenden oder Bankmanager, einem Müllmann oder einer Dirne an der Theke gestanden hat und keinen Standesdünkel mehr kannte, wird diesen Moment kaum je wieder vergessen.
Das Lied Drink doch ene met von den Bläck Fööss kann ein Lied davon singen. « HäsHochdeutsch: Hast Du auch kein Geld, das ist ganz egal, trink doch mit und kümmer' dich nicht drum. de och kei Jeld, dat is janz ejal, drink doch met un kümmer dich nit dröm», heißt es da. Und so kommt es, dass sich oben beschriebene Szene Jahr für Jahr zwischen Bonn und Düsseldorf gleich tausendfach wiederholt.
Nun hat es der (rheinische) (Straßen)Karneval hierzulande dennoch nicht leicht. Ebenso wie dem Weihnachtsfest haftet ihm ein zweifelhafter Ruf an. Während Jesu Geburt allzuleicht mit grenzenlosem Konsum verwechselt wird, behaupten Karnevalsgegner hartnäckig, die Tollen Tage propagierten den Frohsinn auf Knopfdruck und dienten primär der Fortpflanzung unter erleichterten Bedingungen. Hier nun aber greift das Rheinische Grundgesetz, Paragraph 9, und der Jeck fragt kopfschüttelnd, ja, er muss sogar fragen: Wat soll dä Quatsch?
Zwar heißt es, bei den RäubernEine kölsche Band., dass «wenn et TrömmelcheHochdeutsch: ... wenn das Trömmelchen geht, dann stehen wir alle parat ... jeiht, dann stonn mer all parat», keineswegs aber steht der Rheinländer an und für sich am WieverfasteloovendWeiberfastnacht des Morgens auf, denkt sich: «Ach, ist ja Karneval» und legt den Schalter auf «fröhlich» um. An diesem Tag sind schließlich schon drei oder vier Monate vergangen, seit es das erste Mal klick gemacht hat. Drei Monate seit dem Beginn der SessionIm Brauchtum von Karneval, Fastnacht und Fasching die Festperiode vom 11. November bis zum Aschermittwoch des folgenden Jahres., dem Elften im Elften (11.11.), in denen der Jeck Zeit hatte, sich auf das Fröhlichsein, das Feiern, das Schunkeln und das Trinken vorzubereiten. Und vor allem: drei Monate, in denen sich die Vorfreude aufbauen konnte - Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag.
Zudem ist der Rheinländer kein Mensch, der sich grundlos freuen würde. Es braucht für seine Laune zwar nicht viel - eine Stange Kölsch etwa oder eine Portion Himmel un Ääd (gebratene FlönsBlutwurst, Röstzwiebeln, Apfelmus und Kartoffelbrei) genügen ihm vollauf -, doch wird sein ihm Liebstes - gutes Essen, gutes Kölsch und nette Gesellschaft - derart komfortabel ausgebaut, dass sich dazu statt der drei Männekes in der VeedelsVeedel = Viertel-Kneipe gleich ein paar Millionen zusammenfinden, so ist ihm das allemal eine gute Laune wert.
Dass es dennoch keinen Sinn macht, den rheinischen Karneval gleichsam missionarisch in die Welt zu tragen, zeigt das traurige Beispiel Berlin. Zwar leben an der Spree schon seit etlichen Jahren Exil-Rheinländer, die dortigen Tollen Tage jedoch unterscheiden sich bis heute kaum von einer durchschnittlichen Bundestagssitzung, weswegen ein Gutteil der Verstoßenen spätestens am Karnevalswochenende reumütig in die Heimat zurückkehrt.
Manchmal aber bringen diese Heimkehrer eben auch Fremde mit, und die merken dann: Man muss ihn einfach erleben, diesen Karneval - und vergessen Sie jetzt bitte ganz schnell diese unsäglichen Fernsehübertragungen irgendwelcher Vereinssitzungen. Man muss ihn auf der Straße erleben, etwa an Wieverfasteloovend im Bonner Stadtteil Beuel, oder natürlich zum Rosenmontag, zum großen Karnevalszug in Köln, um beschwingt mit seinen Brüdern und Schwestern im Geiste einzustimmen: « BlootwooschHochdeutsch: Blutwurst, Kölsch und ein nettes Mädchen, das braucht der Kölner, um glücklich zu sein. Blutwurst, Kölsch und ein nettes Mädchen, das findest du nur hier, in Köln am Rhein., Kölsch un e lecker Mädche, dat bruch ene Kölsche, öm jlöcklich zo sin. Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche, dat fings do nur he, en Kölle am Rhing.»
Alaaf.
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Cowboy, Indianer oder Horst Schlämmer - als was verkleidet man sich am besten zum mehr ...
Wenn für die Deutschen der Fasching vorbei ist, bitten die Basler Dämonen zum mehr ...
Neben den typischen Faschingstraditionen gibt es auf der Welt noch andere skurrile Bräuche zur fünften mehr ...
Leserkommentare (0)