Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Abgetrennte Gliedmaßen, Eiter und Luxuswasser: News.de hat mit Stephanie Reichert telefoniert, die mit den Johannitern in Haiti hilft und dort Unvorstellbares erlebt.
Sie sind jetzt seit ein paar Tagen in Haiti. Mit welchen Gefühlen haben Sie sich auf die Reise begeben?
Reichert: Ich war sehr aufgeregt. Wir wussten nicht genau, wo es hingeht und was uns erwartet. Ich kannte ja nur die Fernsehbilder. Und ich muss sagen, es war bei mir anfangs auch Angst dabei.
Wir war Ihr erster Eindruck nach der Ankunft auf Haiti?
Reichert: Das Land ist sehr schön. Wir sind in der Dominikanischen Republik gelandet und dann mit Lastkraftwagen über die Grenze gefahren. Da war es sehr nett. Ein bisschen Wasser, ein bisschen Strand. Es war sehr ruhig und kaum Zerstörung zu erkennen. In Port-au-Prince änderte sich das. Es war sehr viel Militär zu sehen und wir wurden von einem UN-Konvoi begleitet. Nach und nach ließ sich erahnen, wie groß das Ausmaß der Zerstörung ist.
Wie sind Sie untergebracht?
Reichert: Wir wohnen aus Sicherheitsgründen auf dem UN-Gelände in Port-au-Prince. Dort schlafen wir in zwei Zelten und hatten in der vergangenen Nacht auch Besuch von einer großen Tarantel. Wir leben mit einer Campingausrüstung, trinken chloriertes Wasser, was bei uns mittlerweile Luxuswasser heißt.
Was haben Sie gerade gemacht?
Reichert: Geschlafen. Aber gestern waren wir in einem zerstörten Nonnenkloster. Die Frauen haben angefangen, sich Hilfe selbst zu organisieren, und wir sind dort mit eingestiegen. Das hat sich schnell rumgesprochen. Die Leute hören und sehen, dass bei uns geholfen wird, und dann kommen sie und bringen Patienten. Wir hatten einen sehr großen Zulauf, an einem Tag fast 400 Verletzte.
Wie sieht Ihre Hilfe genau aus?
Reichert: Wir versorgen ganz viele Wunden nach. Die Nothilfe und Amputationen direkt nach der Katastrophe müssen nun kontrolliert werden. Viele Wunden haben sich infiziert und eitern. Außerdem betreuen wir seit gesten Schwangere. Dafür haben wir ein kleines mobiles Ultraschallgerät. Auch das hat sich schnell herumgesprochen und viele Schwangere kommen zu uns, um zu sehen, ob mit ihrem Baby alles in Ordnung ist.
Sind Sie mit einer mobilen Krankenstation unterwegs?
Reichert: Wir haben auf dem UN-Gelände ein Zelt mit unseren Utensilien. Jeden Morgen packen wir unser Verbandsmaterial in Kisten und bringen es dorthin, wo wir es brauchen. Da ensteht dann eine kleine medizinische Station zusammen mit anderen Teams. Zum Beispiel mit einem aus den USA, das sich um die Kinder kümmert. Wir haben die Traumachirurgie übernommen, ein Team aus der Dominikanischen Republik macht die Innere Medizin.
Was braucht die Bevölkerung zurzeit am meisten?
Reichert: Viele Menschen haben immer noch keinen kontinuierlichen Zugang zu Wasser. Darum können wir auch teilweise keine Schmerzmittel herausgeben. Insgesamt mangelt es an der medizinischen Nachversorgung. Wahrscheinlich hatte jeder Verwundete bereits einmal Kontakt mit einem Arzt, aber es kommt keiner von den Leuten wieder. Zum Beispiel hat eine Frau eine Hüftfraktur. Sie wurde versorgt, kann sich aber nicht selbst fortbewegen. Wir haben sie aufgesucht, und sie hat sich total gefreut, dass nach vier Tagen jemand kommt und nach ihr schaut.
Was war bisher Ihr einprägsamstes Erlebnis?
Reichert: Ich habe eine Amputation im Garten gesehen. Da liefen einfach die Hühner vorbei. Außerdem mitzuerleben, dass eine Operation verschoben werden musste, weil wir nur bis zum Dunkelwerden arbeiten können. Da geht unsere eigene Sicherheit vor. So mussten wir den zweiten Patienten liegen lassen, obwohl er genauso dringend behandelt werden musste. Wir konnten ihn auch nicht wieder suchen, da die Sicherheitslage in diesem Sektor so schlecht ist.
Bekommen Sie psychologische Betreuung?
Reichert: Ja. Wir haben einen Pfarrer dabei. Er ist Notfallseelsorger und hat uns von Anfang an begleitet.
Haben Sie Ihren Einsatz in Haiti bereut?
Reichert: Alles, aber das nicht. Wir sind ein unwahrscheinlich gutes Team geworden und haben festgestellt, dass man mit den einfachsten Mitteln helfen und sehr viel erreichen kann. Es ist Wahnsinn, und die Menschen sind dermaßen dankbar.
Sie reisen am Montag wieder ab. Wie lange wird eine derartige Hilfe noch notwendig sein?
Reichert: Es ist alles kaputt, die Menschen werden weiterhin auf der Straße leben. Die Verletzungen sind so stark, die Wunden müssen kontrolliert werden. Das wird sich noch viele Monate hinziehen.
Stephanie Reichert ist 28 Jahre alt und stammt aus Tangerhütte in Sachsen-Anhalt. Sie ist Krankenschwester an der Uni-Klinik Magdeburg und zusammen mit elf Leuten von der Johanniter-Unfallhilfe nach Haiti geflogen. Darunter sind auch zwei Ärzte und drei Rettungsassistenten.
ped/iwe/reu/news.de
So langsam wird einem das zuviel.Spendenaufrufe zuhauf.Im TV werden in laufende Serien Einblendungen für Spenden eingeblendet.Das ist nicht nur lästig sondern auch ein Mangel an Respekt dem Zuschauer gegenüber.Diese Einblendungen sind ja der neueste Trend.Und die Poliotiker schauen zu.Eine Schande sowas.Und was das Spenden betrifft mit dieser ganzen Flut von Spendenwerbung erreichen sie bald das Gegenteil.Ehrlich zuviel ist zuviel.Wenn die Fernsehsender einem so den Film oder die Serie verleiden wollen,so haben sie das erreicht.Ich schalte im Moment keine Privaten mehr ein durch ihre Einblendungen.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Titel dieses Artikels ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten!
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