«Machen Sie sich zum Obst»
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Artikel vom 29.01.2010
Alle Jahre wieder steht sie auf dem Plan: Die K-Frage. Welches ist das richtige Kostüm für den Karneval? Experten sehen die Trends bei Cowboys und Indianern sowie Horst Schlämmer.
Piratinnen und sexy Politessen werden die Faschingsbälle bestimmen, sagt Amelie Jahn. Die Betreiberin eines Kostümverleihs in Pirna beschäftigt sich jedes Jahr bereits ab Dezember mit den Kostümen für den Fasching im Februar. Bei den Männern macht sie hier, im eher ländlichen sächsischen Raum, ebenfalls zwei typische Profile aus: «Die einen wollen sich zum Affen machen, die anderen gehen neutral als Cowboy oder Indianer», sagt die 21-Jährige - so wie sie es bereits aus ihrer Kindheit und Jugend kennen.
Aus der Leidenschaft fürs Kostümeschneidern hat Amelie Jahn einen Beruf gemacht. Wirkliche Trends kann sie jedoch nicht erkennen. «Je ausgefallener, desto besser», beobachtet die junge Frau. «Die meisten wollen nicht, dass ihr Kostüm nochmal irgendwo auftaucht.» Um das zu verhindern, seien am besten die Kostüme aus dem eigenen Kleiderschrank geeignet. «Ein Rock, ein Oberteil mit Perlen und Stoffresten verzieren, Federn oder Herbstdeko in die Haare, fertig. Das sieht märchenhaft aus», findet die Expertin.
Spiderman und Ninjas
600 Kilometer westlich von Pirna liegt die eigentliche Faschings-, pardon, Karnevalshochburg. Und auch in Köln müssen sich die Jecken langsam Gedanken über die K-Frage machen. Welches Kostüm ziehe ich an? Ob Wickie oder Horst Schlämmer die Straßen beherrschen werden, ist ungewiss. Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit: Dieses Jahr avanciert die K-Frage zur Königsdisziplin, denn zum 75. Geburtstag von Elvis Presley werden viele dem King huldigen. Konkurrenz macht ihm höchstens ein anderer King, Michael Jackson.
«Bei den Kleinen sind Spiderman und Ninja vorne dabei», sagt der Geschäftsführer des Kostümmagazins Karnevalswierts in Köln, Frank Schröder. «Der Cowboy und der Indianer bleiben aber weiterhin trendy.» Während sich die Jungs in Duellen üben, mögen es die Mädchen märchenhaft. Die Prinzessin ist weiter ein Verkaufsschlager.
Bei Karnevalssachen für Kinder sollte übrigens besonders auf die Sicherheit der Verkleidung geachtet werden. «Kostüme für Kinder sollten keine Schnüre oder Kordeln haben», ließ der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann (CDU) in dieser Woche verlauten. Sie könnten sich auf dem Spielplatz an Geräten verfangen oder in schließenden Türen von Aufzügen, Bussen und Bahnen oder Rolltreppen hängenbleiben.
Außerdem sollten Kostüme und Perücken möglichst aus Baumwolle gefertigt sein. «Baumwolle ist nicht so leicht entflammbar wie Fasern aus Kunststoff», sagte Laumann. Er riet auch dazu, die Verkleidung vor dem ersten Auftritt zu waschen, da die Textilien meist Imprägnier- und Farbstoffe enthielten und sie deshalb die Haut reizen könnten.
Horst Schlämmer ausverkauft
Bei Galeria Kaufhof in Köln war kurzzeitig Horst Schlämmer sehr gefragt. Der beige Mantel, die wuschelige Perücke und der schiefe Zahnersatz waren schnell ausverkauft. Ansonsten seien aber auch der kleine Wikinger Wickie und Vampire groß im Rennen. «Diese Trends verdankt man vor allem aktuellen Fernsehserien und Spielfilmen», erläutert der Abteilungsleiter für Spielwaren und Karneval, Jürgen Wirtz, und spielt damit auf Michael Bully Herbigs Wickie-Verfilmung und den zweiten Teil der Twilight-Saga an.
Nicht allerorts werden die gleichen Trends aufgespürt. Das Kostüm-Kaufhaus Deiters bestätigt den Schlämmer-Trend nicht. Auch Wickie ist dort kein Hit. Die großen Ausstattungshäuser setzen auf die Musiklegenden Elvis und auf Michael Jackson: glitzernde Jacken samt Perücke für den einen und kurze, schwarze oder rote Pailletten-Jäckchen und weißer Handschuh für den anderen.
Bunt und schrill sei aber ebenso angesagt, bestätigt Amelie Jahn. Die 1970er oder 1980er taugen mittlerweile schon als Faschingvorlage. Flower Power mit Plateauschuhen, Glitzergürtel und quietschrosa Schminke seien der Renner.
Schwitzen werden Karneval-Fans freiwillig unter den Masken von Angela Merkel und Barack Obama. Ansonsten merkt man, dass die Fußballweltmeisterschaft ansteht: «In» seien bei den Masken auch Fußballtrainer wie Felix Magath vom FC Schalke, sagen die Experten. Wer's gruselig mag, darf gerne als kaltblütiger Terminator oder blutspeiendes Adams-Family-Mitglied auftreten.
Amelie Jahn findet Masken hingegen unpassend zum Verkleiden: «Man sollte lieber Bodyschminke nehmen, wenn man nicht erkannt werden will», sagt die 21-Jährige. «Die Masken hat man nicht lange auf, man kann sich nicht richtig unterhalten und nicht trinken.» Ihr heißer Tipp für ein außergewöhnliches Kostüm: «Machen Sie sich zum Obst. Eine Erdbeere sieht man nicht so oft. Und mit mehreren Leuten kann man auch als Obstkorb gehen.»
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