Fr., 25.05.12

Pure Natur? 25.01.2010 Genveränderte Biobaumwolle

100 Prozent ökö? Nicht jedes Label garantiert pure Natur (Foto)
100 Prozent ökö? Nicht jedes Label garantiert pure Natur Bild: dpa

Biobaumwolle steht zwar auf dem Etikett, doch in Wahrheit besteht das T-Shirt aus gentechnisch veränderter Baumwolle. In der Biobranche bahnt sich nach Medienberichten ein Betrugsskandal um falsch ausgezeichnete Baumwolle an.

Nach Recherchen der Financial Times Deutschland sind große Mengen aus Indien eingeführter angeblicher Biobaumwolle gentechnisch verändert worden. Dies widerspreche den strengen Ökostandards, mit denen Unternehmen für ihre Textilien werben. Betroffen seien zahlreiche Unternehmen, darunter große Ketten wie H&M und Tchibo. Die Modekette C&A will Vorwürfe über angeblich gentechnisch veränderte Biobaumwolle aus Indien prüfen. Das kündigte das Unternehmen in Düsseldorf an.

Wie öko ein Kleidungsstück ist, können Kunden ihm nicht ansehen. Das gilt erst recht für mit gentechnisch veränderten Fasern verunreinigte Bekleidung aus Biobaumwolle, wie sie jetzt im Handel aufgetaucht ist.

Zahlreiche Siegel

Es gibt aber zahlreiche Siegel, die Naturtextilien auszeichnen. Nicht alle verlangen Fasern aus 100 Prozent ökologischem Anbau. Manche prüfen nur, ob das Endprodukt bestimmte Schadstoffgrenzwerte etwa für Pestizide einhält. Und wieder andere untersuchen, ob die Textilien umweltfreundlich hergestellt wurden.

Ein Überblick: 

Das Siegel des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN) stelle die strengsten ökologischen und sozialen Anforderungen, erklärt das Öko-Institut in Freiburg. Ähnlich sieht es Melanie Weber von der Verbraucher-Initiative Berlin, die das Portal www.label-online.de betreibt. «Produkte damit können Verbraucher beruhigt kaufen», sagt sie. Laut der Initiative müssen alle verwendeten Fasern aus 100 Prozent zertifiziert ökologischem Anbau stammen. Überprüft werde der Produktionsprozess von der Rohstoffgewinnung bis zur Verarbeitung.

Der IVN verlässt sich auf die Zertifizierung eines Vertragspartners. In regelmäßigen Abständen würden im Produktionsprozess, etwa bei den Spinnereien, aber auch von der Bekleidung selbst Stichproben genommen, sagt Heike Scheuer vom IVN.

Mindest 95 Prozent Naturfaser

Das Naturland-Siegel für Textilien ist nach Angaben von Naturland-Sprecher Carsten Veller relativ neu. Die Textilien müssten zu mindestens 95 Prozent aus Naturfasern bestehen, die zu 100 Prozent aus ökologischem Anbau stammen, erklärt das Öko-Institut. Naturland zertifiziere die Produkte, kontrolliere sie aber nicht selbst, so Veller. Dafür würden jährlich Kontrollstellen beauftragt, die sowohl die Erzeugung als auch die Verarbeitung überprüfen. Produkte werden allerdings nicht getestet.

Auch dieses Label stellt nach Angaben des Öko-Institutes hohe Anforderungen an Textilien. Es gibt zwei Varianten: Bei «grade 1» müssten mindestens 95 Prozent aus zertifizierten Biofasern stammen, bei «grade 2» sind es 70 Prozent.

Die Siegel «Europäische Blume» und «Textiles Vertrauen - Schadstoffgeprüft nach Öko-Tex Standard 1000» sagen nichts darüber aus, ob die Fasern aus ökologischem Anbau stammen. Laut Verbraucher-Initiative und Öko-Institut zeichnen sie Textilien aus, die besonders umweltfreundlich hergestellt wurden. Berücksichtigt werde unter anderem, inwieweit dabei Gewässer verunreinigt werden.

iwe/news.de/dpa
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