Der 31-jährige Manuel Reichel arbeitet als Nageldesigner.
«Es gibt noch viele Männer- und Frauenberufe»
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Der 31-jährige Manuel Reichel arbeitet als Nageldesigner.
Von news.de-Redakteuer Sebastian Haak
Am Arbeitsmarkt herrscht noch immer eine ziemlich rigide Einteilung in klassische Frauen- oder Männerberufe vor. Das wird sich wohl in Zukunft auch nicht ändern.
Es bleibt dabei: Leihmutter ist als Männerberuf nur bedingt geeignet.
In vielen Bereichen des Arbeitsmarktes ist die Trennung zwischen Männern und Frauen stärker als in zahlreichen anderen Gesellschaftsbereichen. Ein Interview mit der Arbeitsmarktforscherin Britta Matthes.
Frau Matthes, gibt es noch Berufe, die sich klassisch als von Frauen oder Männern dominiert beschreiben lassen?
Matthes: Die Antwort ist ein eindeutiges Ja. Es gibt sogar noch relative viele Bereiche, die weiblich oder männlich dominiert sind. So sind Frauen beispielsweise in einigen Berufen des Gesundheitsbereiches klar in der Überzahl. Sprechstundenhilfen oder Hebammen sind fast ausschließlich weiblich. Rettungsassistenten dagegen sind fast immer Männer. In der Gastronomie sind die meisten Servicekräfte auch Frauen. Das gleiche Bild gibt es bei Floristen. Männer dagegen dominieren noch immer die technischen Berufe. Am Bau oder im Bereich der Ingenieure sind Frauen die Ausnahme.
Das klingt alles sehr klassisch. Hat sich also nichts verändert bei den Berufsbildern?
Matthes: Doch, es gibt auch Bereiche, in denen es zu Veränderungen gekommen ist. Fotolaboranten sind heute ein Mischberuf, vorher war das eine Frauensphäre. Und der Trend geht dahin, dass dieses Berufsbild bald männlich dominiert sein könnte. Laborberufe waren früher überproportional oft Frauensache.
Wenn Laborberufe Frauensache waren: Gibt es bestimmte Linien, nach denen sich die Frauen- oder Männerberufe kategorisieren lassen? Region? Zeit? Draußen? Drinnen?
Matthes: Das ist eine sehr schwierige Frage. Sicher ist, dass ein Beruf in einem Gesellschaftssystem Frauenberuf, in einem anderen Misch- oder Männerberuf sein kann. So waren in der DDR hauptsächlich Frauen als Bankfachleute beschäftigt. Auch heute noch sind in Ostdeutschland die Frauen bei den Bankfachleuten in der Mehrheit. Dagegen ist dieser Beruf in den alten Bundesländern ein Mischberuf: Etwa die Hälfte der Bankfachleute sind Männer. Darüber, warum dies so ist, können wir gegenwärtig nur spekulieren. Insgesamt ändert sich aber an der Teilung in Frauen- und Männerberufen nur sehr wenig.
Warum halten sich die Berufssphären so stabil? Es ändern sich doch so viele Dinge bei den Rollenvorstellungen ...
Matthes: Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Ich will mal drei herausgreifen. Punkt eins: Mädchen haben lieber mit Menschen zu tun als Jungs. Jungs mögen lieber Technik. Das klingt jetzt sehr plakativ, lässt sich aber nach wie vor so sagen. Warum das so ist, kann ich nicht beantworten, aber wir können festhalten, dass es so ist. Das hat sicher etwas mit der Erziehung zu tun und man versucht da gegenzusteuern. Aber diese Vorlieben sind noch immer vorhanden. Zweitens gibt es auch auf dem Arbeitsmarkt bestimmte Vorstellungen und Rollenbilder. Das heißt, dass viele Arbeitgeber im Zweifel lieber einen Mann als Kfz-Mechaniker einstellen als eine Frau. Und nicht zuletzt hat das auch mit dem Bildungssystem zu tun, das sich noch nicht von traditionellen Geschlechterbildern verabschiedet hat. Zwar wird immer wieder versucht, Mädchen in Ingenieurberufe zu bringen. Aber das klappt eben nur sehr eingeschränkt.
Das heißt, dass Initiativen wie der Girls Day ins Leere laufen?
Matthes: Ja, teilweise schon. Da wird ja versucht, Mädchen davon zu überzeugen, etwas zu tun, wofür der Arbeitsmarkt vielleicht gar nicht bereit ist. Solange der Arbeitsmarkt nicht mitzieht, nützt der Girls Day wenig. Bei Ingenieurinnen zum Beispiel liegt die Arbeitslosenquote erheblich höher als bei Ingenieuren. Das sind keine besonders motivierenden Aussichten für Frauen, wenn sie vor der Frage stehen, ob sie vielleicht Ingenieur werden sollen.
Wie wird sich diese Aufteilung auf dem Arbeitsmarkt künftig darstellen?
Matthes: Ich bin kein Prophet. Aber: Ich denke, dass bei den «normal» qualifizierten Berufen die Teilung zwischen Männer- und Frauenberufen bleiben wird; und zwar deutlich. Wir werden am Bau auch in Zukunft nur wenige Frauen sehen. Bei den «höher» qualifizierten Berufsbildern dagegen werden sich die Grenzen wahrscheinlich weiter verwischen. Bei Ärzten kann man das zum Beispiel beobachten. Grundsätzlich muss man sich aber fragen: Müssen Männer und Frauen in allen Berufen gleich verteilt sein? Was will man damit erreichen? Würde das zu mehr Gleichberichtigung in der Gesellschaft beitragen? Ich glaube nicht. Jeder sollte in seinem Beruf das umsetzen können, was er will und kann.
Britta Matthes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Sie ist promovierte Soziologin.
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