Mo., 13.02.12

Gewissensfragen Gut, Böse und Omas Komposthaufen

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Artikel vom 15.01.2010

Der Wasserfußabdruck lässt uns kaum eine Chance. Egal, ob wir Bio kaufen oder nie die Toilettenspülung drücken - wir verschwenden trotzdem Wasser, und meistens auch noch das der Armen. Eins ist klar: Viel richtig machen können wir nicht.

Sind wir Schuld?, habe ich den spanischen Umweltschützer gefragt. Nein, die Ministerien, hat er geantwortet. Was können wir da machen, habe ich den deutschen Umweltschützer gefragt. Wenig, da seien eher die Industrie gefragt und die Regierungen, gab er zurück.

Puh, nochmal Glück gehabt - die Verantwortung für meinen dreckigen Wasserfußabdruck haben andere. Aber eigentlich nervt das eher. Ab und zu will man doch auch mal etwas richtig machen. Okay, ich fahre Fahrrad statt Auto. Aber vielleicht wurde das bisschen Gummi für meine kleinen Reifen in einem viel problematischeren Kontext hergestellt als der viele Kautschuk für die Autoräder des Kollegen.

Also schon wieder ganz falsch gemacht. Vielleicht. Im Bioladen greife ich zur Möhre aus Israel, weil da tröpfchenweise bewässert wird, und belehre den Kollegen, Finger weg von Türkischem, denn dort fluten sie noch die Felder. Aber Israel gräbt den Palästinensern das Wasser ab, darf ich mir anhören. Wer hat recht?

Natürlich Oma. Sie hatte den ganzen Garten voller Obst und Gemüse, gewässert hat der Regen oder auch mal deutsches Leitungswasser, aber daran mangelt es ja auch nicht. Nun hatte Oma von morgens bis in die Nacht damit zu tun, Kartoffeln zu setzen, Erbsen zu pulen und den Komposthaufen umzuwälzen. Ich kann wenigstens ab und zu mal ein Buch lesen. Na klar, und darin geht es gerade mal wieder um Korruption und Ausbeutung und das Perverse im Menschen.

Gesund, ökologisch, politisch korrekt - das Dilemma lauert überall: Für jeden, der alles richtig macht, findet sich mindestens ein anderer, der guten Gewissens richtig böse ist. Und wer weiß schon, ob der konsequente Aktivist nicht seine Frau vermöbelt. Schweife ich ab? Nein, denn alles hängt zusammen, das zumindest ist eine klare Erkenntnis aus dem Wasserfußabdruck.

Und sonst? Da hilft wohl nur, aufs eigene Gewissen zu hören, sich nicht verrückt machen zu lassen und auch mal Spaß zu haben. Und vor allem: nicht vergessen, die Toilettenspülung zu ziehen.

kas/news.de
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