Wespen gegen Schädlinge
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Das Erbgut der Nasonia-Wespe ist entziffert. Das ist deshalb wichtig, weil die Tiere in Zukunft im Kampf gegen Schädlinge und Insekten, die Krankheiten übertragen, eingesetzt werden können.
Sie sind kleiner als ein Stecknadelkopf, doch sie haben es in sich: Die Nasonia-Wespen. Sie legen bis zu 50 Eier in die Puppen von Fliegen. Sind die Wespenlarven geschlüpft, fressen sie ihren Wirt auf. Daher werden sie vor allem in wärmeren Ländern zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.
Ein internationales Forscherteam hat nun das Erbgut von drei Arten der Nasonia-Wespe entziffert - und damit erstmals das einer parasitären Wespe überhaupt. Die Erkenntnisse sollen helfen, die Tiere in Zukunft besser im Kampf gegen Schädlinge und Insekten einzusetzen, die Krankheiten übertragen. Die Forscher präsentieren die Ergebnisse im US-Journal Science.
Eine wichtige Entdeckung für die Evolutionsbiologie ist dabei Wissenschaftlern der Universität Münster gelungen. Im Erbgut der drei Wespenarten haben sie ein «eingeschleustes» Gen eines bei Insekten weit verbreiteten Parasiten gefunden. «Die Hypothese, dass Parasiten die Entstehung von Arten beeinflussen, gibt es schon seit einiger Zeit», sagt Professor Erich Bornberg-Bauer von der Universität Münster. «Dies ist nun einer der ersten Fälle, wo wir nachweisen konnten, welches Erbgut vom Parasit auf den Wirt übertragen wurde.» Das Gen des Bakteriums «Wolbachia» trägt nach Vermutungen der Forscher dazu bei, dass sich der Parasit optimal in den Erzwespen vermehren kann.
«Wolbachia lebt im Körper zahlreicher Insektenarten, darunter auch in Erzwespen», sagt Bornberg-Bauer. «Wir vermuten, dass das Gen an der Interaktion zwischen dem Wirt und dem Parasit entscheidend beteiligt ist.» Auf welche Weise das Gen übertragen wurde, ist nicht bekannt. «Man kann davon ausgehen, dass es vor einigen Millionen Jahren passiert ist», sagt Bornberg-Bauer. Dass Gene eines Organismus auf einen höheren Organismus übertragen werden und dort eine wichtige Rolle bei der Verbreitung spielen, wie in diesem Fall geschehen, sei sehr selten.
Die Kenntnis über das Erbgut soll auch dazu beitragen, das Potenzial der Wespen für die Schädlingsbekämpfung stärker auszuschöpfen. «Solche parasitären Wespen suchen und töten nur ganz bestimmte Insekten», erklärt Studienleiter John Werren von der Universität Rochester. Wenn sie besser genutzt werden könnten, könnten sie den Einsatz chemischer Pestizide und damit verbundene Schäden für Gesundheit und Umwelt verringern.
Die Nasonia-Wespen gehören zur Gruppe der Erzwespen und sind weltweit verbreitet, wie der beteiligte Jenaer Zoologe Reinhard Predel erläutert. Seine Aufgabe war es, die Annahmen der Genetiker über bestimmte Gene zu prüfen. «Wir schauen in die Tiere hinein, ob die vorausgesagten Endprodukte existieren.»
Um die kleinen Schädlingsbekämpfer gentechnisch optimieren zu können und deren Biologie besser zu verstehen, müssten noch weitere Genome verwandter Arten entziffert werden, schätzt Zoologe Predel. Dabei gelte es herauszufinden, welche Gene für die parasitäre Lebensweise besonders wichtig seien.
car/news.de/dpa
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