Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
1979 hat es zwei Wochen gedauert, bis die Fehmarnschen Dörfer wieder aus dem Schnee gebuddelt waren. Jetzt hat Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt es an einem Wochenende geschafft. Und die eingeschneiten Bürger nehmen's gelassen.
Presen ist frei. Jetzt müssen die drei Schneefräsen nur noch Hinrichsdorf und Ostermarkelsdorf aus dem Schnee schneiden. «Das ist die Maschine, die wir eigentlich seit 30 Jahren nicht mehr gebraucht haben», sagt Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt. Denn gegen die drei Meter hohen Schneewehen, in denen der Sturm an diesem Wochenende die Fehmarnschen Dörfer versteckt hat, konnten die modernen Schneepflüge nichts ausrichten.
Doch zum Glück stand das alte Ding noch im Schuppen, und zwei weitere Fräsen bekam Schmiedt von Bundeswehr und Autobahnmeisterei. «Ab heute Mittag können wir melden, dass alle Ortslagen wieder erreichbar sind – unter erschwerten Bedingungen allerdings. Die Straßen sind eher Rodelbahnen», sagt der Bürgermeister schmunzelnd. Alles unter Kontrolle auf Fehmarn.
Gestern morgen beim Totalstromausfall fühlte er sich schon ein bisschen an die alten Zeiten erinnert. Die Bilder der Schneekatastrophe von 1979 sind jetzt auf der Ostseeinsel wieder in allen Köpfen. «Ich war damals auch dabei, als etwas jüngerer Mann, und ich würde fast sagen, das war jetzt die gleiche Stärke wie damals», erinnert sich Schmiedt. 1979 dauerte es 14 Tage, bis die Fehmarner sich durch den Schnee gegraben hatten. «Diesmal haben wir es in vier Tagen geschafft. Wir haben sämtliche Baufirmen, sämtliche großen Traktoren aktiviert», betont der Bürgermeister.
Die Fräsen sind abgezogen, der Weg über den Hügel ist wieder frei, stellt Georg Rießen mit einem Blick aus dem Fenster fest. Heute jedoch ist seine Freundin noch nicht die 30 Kilometer nach Heiligenhafen zur Arbeit gefahren. Sie haben die Katastrophe auch ein bisschen zur Entspannung genutzt, am Ofen gesessen. «Seit Samstagmorgen war nichts mehr zu machen. Es ist eben Winter. Die meisten Leute vergessen, was Winter bedeutet, aber damit muss man rechnen», findet Rießen.
Die 30 Häuser in Presen liegen an der Ostküste Fehmarns, 500 Meter vom Strand entfernt. 1979 hatten sie noch Angst, dass der Deich bricht, der damals neu gebaut wurde. Doch jetzt sei ihnen nur kurz mulmig geworden, als am Sonntag von 9 bis 10 Uhr die ganze Insel ohne Strom war. «Aber ich hatte immer im Hinterkopf, dass der Nachbar einen großen Trecker hat», sagt Rießen.
Und in der Zwischenzeit bewegte man sich eben zu Fuß, sagt Maren Wendel, die im Hauptort Burg im Tourismusbüro arbeitet. «Warm anziehen, und dann geht es los. Man kann sehr schön über die Felder laufen», erzählt sie mit unverkennbar norddeutschem Akzent. Es sei einfach so viel Schnee gewesen, dass man ihn nicht hätte zur Seite schieben können: Selbst die Hauptstraßen waren zu eng, als dass noch ein Räumfahrzeug hindurchgepasst hätte. Heute früh um 7.30 Uhr hat sie sich dann aber doch getraut, das Auto zu nehmen. «Die Kreisstraße war sehr gut geräumt, teilweise wurde man über den Radfahrweg geleitet, und die letzten anderthalb Kilometer bin ich zu Fuß gegangen», erzählt sie.
Die Fehmarnsche Gelassenheit hat auch Otto-Uwe Schmiedt an diesem verschneiten Wochenende bei seinen Bürgern gespürt. «Sie waren gewarnt durch Presse und Rundfunk und hatten sich eine Grundversorgung zugelegt. Panische Anrufe und Meckereien hatte ich keine.»
iwe/reu/news.de
Habe die Witterungslage im Fehrsehsender N24 verfolgt. Habe auf den Feldern Schneeschutzzäune oder dergleichen Sperren, die Verwehung mildern, vermisst.
jetzt antwortenKommentar meldenDa ist uns wohl ein grober Flüchtigkeitsschnitzer unterlaufen. Vielen Dank, wir haben den Fehler behoben.
jetzt antwortenKommentar meldenHallo! Im Übrigen ist Fehmarn eine Ostseeinsel und nicht wie im Artikel geschrieben eine Nordseeinsel.
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