Manche verbringen ihr ganzes Liebesleben damit, ihn zu suchen. Gemeint ist der G-Punkt der Frau, den laut einer aktuellen britischen Studie kein Mann bisher finden konnte, weil es ihn überhaupt nicht gibt.
Seit mehr als 50 Jahren beschäftigt die Suche nach dem G-Punkt Sexualwissenschaftler. Etwa alle zwei Jahre erscheint wieder eine wissenschaftliche Studie mit vermeintlich neuen Erkenntnissen über die ominöse Stelle in der Vaginalwand. Allerdings blieben die meisten Fragen unbeantwortet: Hat ihn jede Frau? Wo liegt er genau? Welche Funktion hat er? Und nicht zuletzt: Gibt es ihn überhaupt?
Nein, das sexuelle Spaßzentrum der Frau gibt es nicht, verlautet nun eine Studie des King's College der Londoner Universität, die im Fachblatt Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde. «Der Mythos G-Punkt ist nur ein Produkt der Medien und Sexualtherapeuten. Wenn, dann existiert er nur im Kopf», sagte Professor Tim Spector, einer der Studienautoren, dem britischen Sender BBC.
Wie die BBC berichtet, befragte das Team 1800 Frauen im Alten von 23 bis 83 Jahren, bei denen es sich um ein- und zweieiige Zwillinge handelte, ob sie einen G-Punkt hätten. Die Theorie der Wissenschaftler: Da das Erbgut bei eineiigen Zwillingen identisch ist, müssten demnach auch immer beide Frauen eines Paares einen solchen Punkt haben.
Tatsächlich kam aber eine identische Aussage bei den eineiigen Zwillingen nicht häufiger vor als bei zweieiigen Zwillingen, deren Erbgut nur zur Hälfte identisch ist. «Die Diskussion über den G-Punkt hat mehrere Generationen von Männern und Frauen gleichermaßen nun jahrelang unter Druck gesetzt. Die Behauptung über seine Existenz ist unverantwortlich», sagt Studienleiterin Andrea Burri. Die Schweizer Sexualforscherin hofft nun, dass die Ergebnisse die sexuellen Ängste vieler Menschen mindern können.
Die Jagd nach dem perfekten Orgasmus dauert schon Jahrzehnte. In den 1950er Jahren verkündete der deutsche Arzt Ernst Gräfenberg, er habe den Ort gefunden, der Frauen vaginale, mithin noch himmlischere Orgasmen bescheren kann. Später wird dieser Ort «G-Punkt» getauft.
Eine jahrzehntelange Suche nach der geheimnisvollen Stelle setzte ein, obwohl Gräfenberg sie doch schon gefunden haben wollte: Sie soll in der vorderen Vaginalwand entlang der Harnröhre liegen. Kritiker dagegen sind seit vielen Jahren der Meinung, «dass es sich bei dieser besonderen erogenen Zone der Frau weniger um eine Entdeckung als vielmehr um eine Erfindung handele», wie das Deutsche Ärzteblatt im Jahr 2005 schrieb.
Die Resultate der britischen Studie rufen dagegen die G-Punkt-Befürworter auf den Plan. Eine davon ist Professorin Beverly Whipple von der Rutgers Universität in New Jersey (USA), die bemängelt, dass die Erfahrungen lesbischer und bisexueller Frauen und die Effekte unterschiedlicher Sextechniken nicht in die Untersuchung eingeflossen sind. Zwillinge hätten, so Whipple, im Allgemeinen schließlich auch unterschiedliche Partner im Bett.
car/news.de