Für Parasiten nach Deutschland
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Plön
Artikel vom 03.01.2010
Parasiten sind sein Forschungsobjekt. Nirgendwo sonst hätte der Franzose Christophe Eizaguirre bessere Forschungsmöglichkeiten als am Max-Planck-Institut in Plön. Mit Deutschland verbindet er nur eine schlechte Erfahrung.
Frustriert sei Christophe Eizaguirre manchmal in Deutschland. Jedoch nur, wenn er mit seinem Deutsch auf Ämtern und Behörden nicht weiterkommt. «Die Leute so tun, als verstünden sie mein Deutsch nicht. Und mit Englisch brauche ich denen gar nicht zu kommen», sagt der 27-Jährige Evolutionsbiologe.
Seit vier Jahren lebt er in Deutschland. Nach seinem Studium in Frankreich kam als Doktorand ins schleswig-holsteinische Plön. «Die Forschungsmöglichkeiten sind ganz andere als in Frankreich», meint Eizaguirre. In seiner Heimat sei es zwar einfacher eine Stelle als Wissenschaftler zu bekommen, forschen wie am international führenden Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie könne er dort aber selbst in den besten Laboren nicht.
Auch wenn es mit ähnlich der gemeinnützigen Forschungsorganisation Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften das französische CNRS gibt. «Dort wird die Wissenschaft weit weniger unterstützt als in Deutschland», ist Eizaguirres Eindruck.
Seine Forschung fokussiert sich auf einen Bereich, der den meisten Menschen sowohl nutzlos als auch uninteressant vorkommen mag. Er beschäftigt sich mit der Rolle von Parasiten und Krankheitserregern und ihrem Einfluss auf die Evolution, im Speziellen bei Fischen. «Parasiten und andere Krankheitserreger führen dazu, dass sich eine Tierart genetisch anpasst. Das ist faszinierend», erklärt der Forscher. «Durch den Klimawandel erwarten wir, dass diese Parasiten bösartiger werden.»
Deshalb sei es wichtig, zu verstehen, wie sie auf äußere Einflüsse reagierten.
Dafür sitzt er bis zu 60 Stunden die Woche im Labor, infiziert Fische mit Parasiten, wertet Stichproben am Mikroskop aus, macht DNA-Analysen und unterrichtet Studenten. Denn mittlerweile ist der 27-Jährige auch Lehrbeauftragter am Leibnizinstitut für Meeresbiologie an der Universität Kiel.
Auch wenn er sich vornehmlich mit Fischparasiten beschäftigt, sei seine Forschung nicht nur wichtig für die Erhaltung der Arten, sondern im Endeffekt auch für die menschliche Gesundheit. Und durch die Genforschung kommen er und seine Kollegen kleine Schritte weiter, um einfach zu verstehen, «wie Mutter Natur funktioniert».
Der Franzose im deutschen Alltag
Seitdem er in Deutschland lebt, sind eigentlich die Deutschen seine Arbeitgeber, denn sowohl Max-Planck-Institut als auch Universität zahlen mit Hilfe von Steuergeldern. Er selbst führt wiederum Steuern ab an den deutschen Staat und fühlt sich dadurch schon weniger als Fremder. Und auch die Sprache versteht und spricht er zunehmend besser. Obwohl die meisten anderen ausländischen Wissenschaftler gar kein Deutsch lernen. «Warum auch?», fragt Christophes amerikanischer Kollege Daniel Benesh. «Wir reden hier im Institut auch mit den Deutschen Englisch.»
In seinem Umfeld ist Christophe Eizaguirre nicht der einzige, der auf Ämtern manchmal nicht verstanden wird. Zwanzig Wissenschaftler unter anderem aus China, den USA, Polen, Indien, Frankreich, Kroatien, Kanada und Großbritannien arbeiten in der 13.000-Einwohner-Stadt Plön am Institut. Ingesamt gibt es hier einhundert Mitarbeiter. «Ich glaube, deshalb fühle ich mich wirklich gut aufgehoben in Deutschland», erzählt Eizaguirre. «Das wissenschaftliche Umfeld ist sehr speziell mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen.»
Mittlerweile ist er aus dieser Parallelwelt ausgebrochen und hat auch deutsche Freunde und Bekannte, die wiederum nichts mit Wissenschaft zu tun haben. «Die meisten Deutschen, die ich getroffen habe, sind sehr offen.» Nur einmal habe er eine schlechte Erfahrung gemacht. «Einer meiner Freunde aus der Karibik wurde grundlos nicht in eine Disko gelassen», erinnert sich der 27-Jährige. «Dazu muss man sagen: Er ist schwarz.» Das könne allerdings in jedem anderen Land auch passieren, schränkt Christophe Eizaguirre ein. Als Wissenschaftler und Franzose werde er von den meisten Menschen in Deutschland gar nicht als Ausländer gesehen.
Für Christophe Eizaguirre ist Deutschland sein neues Zuhause. Er plant noch mindestens zwei Jahre hier wissenschaftlich zu arbeiten. «Ich setze mir da aber keine Grenzen. Ich würde auch noch viel länger hier bleiben.»
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Nirgend wo kann man Parasiten besser erforschen als in Deutschland. Da ist was dran ! LOL
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