Gewaltexzesse und wenig Raum für Jugendliche, ihre Aggressionen abzubauen - das hängt für Klaus Hurrelmann zusammen. Gewalttäter wie aus der Münchner U-Bahn leiden nach Ansicht des Forschers an einer Entwicklungsstörung.
«Gerade Jugendliche müssen sich testen können, ihre Grenzen ausloten», sagt Klaus Hurrelmann. Sie entdeckten, wie sich ihre Kräfte entwickelten, und bräuchten Möglichkeiten, ihr Aggressionspotenzial auszuleben.
In der heutigen Gesellschaft aber sei kaum eine Form von Aggressivität zugelassen. Diese staue sich dann oft auf und breche sich ihre Bahn - in Gewaltexzessen, aber auch in Depression, Suchtverhalten oder Flucht in eine Medienwelt.
«Wir haben eine eigenartige Verschiebung», sagte Hurrelmann: «Die grenzüberschreitende, nicht akzeptable Ausübung von Aggressionen körperlicher, psychischer und sozialer Art ist zurückgegangen.» Zugleich gebe es bei einer kleinen Gruppe - höchstens zwei bis drei Prozent eines Altersjahrgangs - eine Form von Aggressivität in einem bisher unvorstellbaren Ausmaß, die keine Spielregeln, keinen Ehrenkodex mehr akzeptiere.
Jeder Mensch habe ein angeborenes Aggressionspotenzial, erläuterte Hurrelmann. Dies gehöre zur menschlichen Existenz. «Wenn aber in der Schule, in der Familie, in der Nachbarschaft jegliche Form von Aggressivität nicht mehr zugelassen ist, muss man sich fragen: Wohin mit dieser natürlichen Aggression?»
Zusätzlich stünden Jugendliche heute unter großem Bewährungsdruck. Sie müssten beweisen, dass sie in der Lage seien, in gesellschaftliche Positionen einzurücken. Die Gesellschaft räume ihnen aber gar nicht die Möglichkeit dazu ein, da es zu wenig Ausbildungs- und Arbeitsplätze gebe. «Strukturelle Unsicherheit und gleichzeitig hohe Erwartungen, dass eine kreative und leistungsstarke Generation heranwächst: Das erzeugt Druck, und Druck muss abgearbeitet werden», sagte der Jugendforscher.
«Da der Kanal Aggression einigermaßen verstopft ist, sucht sich dieser Druck andere Ventile», erläuterte er. Je nach Naturell und persönlicher Biografie könne sich der Druck nach innen richten - Depressionen bei Jugendlichen seien nachweislich deutlich angestiegen - oder in Ausweichhandlungen münden wie Alkohol- und Drogenkonsum oder Computersucht. Zugenommen hätten auch verfeinerte Formen der Aggression wie Mobbing oder Stänkerei. «Das sind alles Mechanismen, die ich mit in diese Abarbeitung von Druck hineintun würde.»
Unterschiede bei Jungen und Mädchen
Dabei gebe es deutliche Unterschiede zwischen jungen Frauen und jungen Männern, erklärte Hurrelmann. Jungen gingen mit ihrem Druck eher nach außen. Mädchen setzten stärker auf Harmonie und Zusammenhalt und entfalteten hier auch ihre Form von Aggression - andere ausgrenzen, schneiden, Fallen stellen oder niedermachen.
Eine Möglichkeit, angestauten Druck auf gesunde Weise loszuwerden, sei Bewegung, sagte Hurrelmann. «Bewegung ist ein ganz wichtiger Kanal», der aber häufig auch verstopft sei, weil sich viele Jugendliche kaum noch bewegen könnten. Aber auch ein Streitgespräch im Deutschunterricht gehöre dazu, Theater, alles, was aktives Handeln ermögliche und die «erdrückende Passivität» aus dem pädagogischen Alltag herausnehme.
Bei pubertierenden Jugendlichen im Alter von 15 oder 16 Jahren sei das Gewaltpotenzial am größten, sagte Hurrelmann. Das habe mit der veränderten Körperlichkeit zu tun, man nehme seinen Körper anders als früher wahr, achte stärker auf Wahrnehmungen von außen, wolle sich Vergleichen stellen. «Danach klingt das Gewaltpotenzial ziemlich schnell wieder ab.»
....es ist doch lächerlich was hier im Staate abgeht u. man sollte nicht ohne Waffe mehr das Haus velassen!!!! Einen "Beinah-Mörder" wieder freizulassen ist ja wohl der Gipfel der IRONIE !! Vielleicht sollte man mal in Peking anfragen wie solche Probleme zu lösen sind!!!! (Die können sich einen solchen LUXUS "Jugendkriminalität" nicht leisten!!
jetzt antwortenKommentar meldenWas den Jungs fehlt ist schwere erschöpfende körperliche Arbeit. Dafür kann gesorgt werden.
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