Wer sich engagiert, hat Chancen
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 02.01.2010
Finanziell ist für viele ein Studium kein Spaziergang. Vor allem, wenn die Einkommenssituation im Elternhaus so ausgestattet ist, dass kein Bafög gewährt wird. Dann kann ein Stipendium der richtige Weg sein.
Doch für viele, die davon profitieren könnten, ist das System undurchsichtig. Kam doch bislang nur an ein Stipendium, wer von einem Lehrer oder Professor dafür vorgeschlagen wurde. Künftig soll sich daran etwas ändern. Doch der Wandel vollzieht sich nur langsam.
Am einfachsten erweist sich derzeit der Weg über die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Begabtenförderungswerke. «In Nordrhein-Westfalen sollen die Hochschulen selbst Stipendien akquirieren. Hier lohnt es sich also auf dem Campus einen Ansprechpartner zu suchen», sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Doch es gebe weit mehr Institutionen - auch Firmen - die Stipendien bieten. Einen brauchbaren Überblick gebe es dafür jedoch nicht.
Ob sich die Bewerbung oder eine Empfehlung lohnt, können sich Interessenten selbst ausrechnen: «Einerseits zählen gute Noten, andererseits aber auch hohe Motivation und nicht zu vergessen das gesellschaftliche Engagement», nennt Meyer auf der Heyde wichtige Kriterien.
Das Engagement ist entscheidend
Wo aber was mehr zählt, hänge von den einzelnen Förderungswerken ab, die ganz unterschiedliche weltanschauliche Profile habe. Das Cusanuswerk etwa und das Evangelische Studienwerk sind konfessionsgebunden. Die Konrad-Adenauer- und die Friedrich-Ebert-Stiftung achten auf parteigebundenes politisches Engagement. Wer aufgenommen wird, kann Stipendien in Höhe des Bafög bekommen plus 80 Euro Büchergeld.
Seit Februar 2008 ist auch Lisa Richter Stipendiatin. Die 22-Jährige studiert an der Viadrina in Frankfurt/Oder im Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften. Die Förderung hat sie nicht zuletzt ihrem Abitur zu verdanken. «Mein Schulleiter hat mich für ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen», erzählt sie im Gespräch mit news.de.
Entscheidend sei damals nicht nur gewesen, dass sie eines der zwei besten Abiturzeugnisse ihres Jahrgangs erreicht hätte. «Ich habe mich im Schulleben aktiv eingebracht, bei der Schülerzeitung, im Schüleraktivrat und war viele Jahre Klassensprecherin», berichtet die gebürtige Schkopauerin.
Stiftung, das unbekannte Wesen
Bis sie selbst vorgeschlagen wurde, hätte sie sich über ein Stipendium keine Gedanken gemacht. Erst nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr sei ihr im Bekanntenkreis aufgefallen, wie viele angehende oder bereits aufgenommene Stipendiaten es gab.
Sie selbst sei recht naiv ins Bewerbungsverfahren gegangen. «Ich kannte die Stiftung nicht, weil diese im Westen aktiver ist als in Ostdeutschland», sagt die Studentin.
Für die Wahl-Berlinerin ist das Stipendium eine nicht zu verachtende finanzielle Entlastung. «Bafög habe ich gar nicht erst beantragt. Schon als meine Schwester zu studieren begann, ist das abgelehnt worden. Meine Eltern verdienen zu viel für die
Bafög-Richtlinien.»
Alles eine Frage der Gegenleistung
Große Sprünge kann sich die junge Frau nicht erlauben. Ihr Stipendium umfasst nur das Büchergeld, also 80 Euro. Doch die Studienstiftung finanziert auch Chancen außerhalb dessen. «Mein Praktikum in Slowenien ist beispielsweise über die Stiftung finanziert worden. Für mein Auslandssemester in St. Petersburg werden An- und Abreise bezahlt und ich bekomme eine Auslandspauschale, von der sich aber die Zeit nicht gänzlich finanzieren lässt», sagt die 22-Jährige.
Dahinter steckt aber auch eine Gegenleistung. Für jede zusätzliche Unterstützung müsse sie sich bewerben, ihre Motivation begründen. Und nicht immer ist das von Erfolg gekrönt.
An vielen Stellen sieht die Stipendiatin durch die Förderung Vorteile. Sie könne schneller studieren und habe in Berlin schnell eine Wohnung gefunden, von der aus sie zwei- bis dreimal wöchentlich nach Frankfurt pendelt.
Doch die Medaille hat eine Kehrseite: «Man wird zunächst vier Semester auf Probe aufgenommen und muss in der Zeit beweisen, dass man das Stipendium auch wert ist.» Ein Bewerbungswochenende habe den Weg zur Förderung ebenfalls gepflastert. Einzelgespräche mit Professoren, ein Vortrag und eine Diskussionsrunde gehörten dazu. «Und natürlich auch der Druck, weil man ständig beobachtet wird. Man wusste nicht, ob Stiftungsvertreter einen Blick auf die persönlichen Manieren werfen oder wie sie mit den Mitbewerbern umgehen. Natürlich haben sich die Kandidaten auch gegenseitig angestachelt.»
Streitbares System
Ihr Auftreten hat gewirkt. Dafür muss sie zum Ende jedes Semester ihrem Vertrauensdozenten einen Bericht vorlegen. Doch die Förderung ist ihr bis zum Ende des Studiums sicher.
Auch wenn sie selbst von der Unterstützung profitiert, die Frage der Gerechtigkeit beschäftigt sie schon. «Ich habe ein Problem mit der Elitenbildung.» Oft habe sie den Eindruck, dass Studenten gefördert werden, die ohnehin aus gutem Hause stammen, «weil es in der Stiftung vorrangig nicht darum geht, Benachteiligte zu fördern.» Und aus Gespräche mit anderen Stipendiaten weiß sie: «Bei vielen haben sich nach dem Studium direkt die Unternehmensberatungen mit Jobangeboten gemeldet. Das ist eben auch ein Vorteil, den viele Bafög-Empfänger nicht haben.»
Kritisch wird das herrschende Stipendiensystem auch beim Deutschen Studentenwerk gesehen: «Eigentlich müssten die Freibetragsgrenzen für das Bafög erhöht werden oder die Grenzen für das Einkommen der Eltern, damit mehr Studenten in die Förderung kommen. Es hatte in der Schule eben nicht jeder Spitzennoten, aber deswegen muss derjenige kein schlechter Student sein», sagt Achim Meyer auf der Heyde.
Aus Erhebungen sei bekannt, dass sich Studenten aus unterschiedlichsten Quellen finanzierten: über die Eltern, Bafög, eigene Erwerbstätigkeit. Meyer auf der Heyde: «Gerade die Studenten, die sich selbst finanzieren, geraten bisweilen in einen Zielkonflikt. Jede Stunde, die sie arbeiten gehen, reduziert die Zeit für den Studienaufwand. Das kann die Leistungen verschlechtern, aber auch die Studiendauer verlängern.»
kat/news.de
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