Es ist wieder soweit, dass Rotznasen gefrieren: Minus 33 Grad wurden in Deutschlands Kälteloch am bayerische Funtensee gemessen. Zwei Frauen starben auf der Straße, ein Obdachloser erfror. Unter dem Ärmelkanal steckten 2000 Menschen fest.
Die bisher kälteste Nacht dieses Winters hat Deutschland Frosttemperaturen bis zu minus 33,6 Grad beschert: im «Kälteloch», dem Hochtal der Alpen am Funtensee. Die Extremtemperaturen sind aber nicht von langer Dauer. Zu Beginn der Weihnachtswoche ist Regen und leichter Frost angesagt. Das bedeutet, dass die gefrorenen Straßen spiegelglatt werden können.
Die extrem kalte Luft strömte von Osteuropa nach Deutschland, wie der Meteorologe Thomas Ruppert erklärte. Sie sorgte in Sachsen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen für strengen Frost von verbreitet unter minus 20 Grad. Der stärkste Frost wurde am Erdboden gemessen: neben dem Funtensee auch im sächsischen Dippoldiswalde-Rheinberg und im Odenwald.
In Mannheim erfror ein 46 Jahre alter Obdachloser, der im Freien auf Betonboden geschlafen hatte. Eis- und Schneeglätte führte zu Hunderten Unfällen, die meist glimpflich verliefen. In Schleswig-Holstein kamen jedoch zwei Frauen ums Leben. Am Freitagabend gegen 21.35 Uhr schleuderte ein 51-jähriger Autofahrer laut Polizeibericht auf der Bundesstraße 76 bei Eutin in den Gegenverkehr und stieß mit zwei Pkw zusammen. Die 52-jährige Beifahrerin starb. Etwa zur gleichen Zeit stieß eine 24-jährige Autofahrerin mit ihrem Kleinwagen auf der Abfahrt der Autobahn 7 bei Neumünster auf der Gegenfahrbahn mit einem anderen Auto zusammen. Sie starb im Krankenhaus an ihren Verletzungen.
Nichts geht mehr unterm Ärmelkanal
Besonders katastrophal wirkten sich der Schnee Im Eurotunnel aus: Zwischen Frankreich und Großbritannien steckten in der Nacht zum Samstag 2000 Reisende in Hochgeschwindigkeitszügen fest. Bis zu 15 Stunden brauchten manche Passagiere, ehe sie in London ankamen. Vier Superschnellzüge steckten fest, ein fünfter kroch nur langsam durch die Röhre, wie ein Eurostar-Sprecher in London sagte.
Als die Züge aus der eisigen trockenen Luft im Norden Frankreichs in den etwa 25 Grad warmen und feuchten Tunnel fuhren, legte der Temperatursprung die Elektrik der Lokomotiven lahm. Mitten im Weihnachtsverkehr wurde der Betrieb unter dem Ärmelkanal für den ganzen Samstag eingestellt. An den Terminals herrschte Chaos. Die erschöpften und frustrierten Reisenden kritisierten eine schlechte Versorgung, mangelnde Informationen und sprachen von verängstigten Reisenden.
Das Unternehmen entschuldigte sich bei den Betroffenen. Für die Fahrgäste habe keine Gefahr bestanden, sagte der Sprecher. Die Züge hätten eine batteriebetriebene Notbeleuchtung. «Die Leute sitzen nicht im Dunkeln fest.» Wann wieder Züge auf der Strecke rollen, die London mit Paris und Brüssel verbindet, war zunächst unklar. Auch der Betreiber des Eurotunnels zeigte sich erstaunt. «Noch nie musste ein Eurostar-Zug in den 15 Jahren seit Tunnelöffnung evakuiert werden. Und in der vergangenen Nacht mussten wir gleich zwei Züge evakuieren und die Leute rausholen», sagte John Keefe der BBC.
Weiße Weihnachten wenig wahrscheinlich
Nach dem plötzlichen Wintereinbruch können sich Rodler und Skifahrer jetzt auch in den Mittelgebirgen über gute Wintersportbedingungen freuen. Bei starken Schneefällen gingen am Samstag im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb zahlreiche Skilifte in Betrieb. Auf dem Feldberg im Südschwarzwald liefen am Samstag zehn von insgesamt 28 Liften.
Nach der Eiseskälte am Wochenende rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Anfang der Woche wieder mit höheren Temperaturen. Am Sonntag kommen demnach von Nordwesten her Schneefälle auf, die am Abend auch den Osten und Süden Deutschlands erreichen. Im Nordseeküstenbereich geht der Schnee zum Teil in Regen über. Die Temperatur steigt auf Werte zwischen minus acht Grad im Südosten und Osten und um null Grad im Nordwesten. Im Bergland besteht die Gefahr von Schneeverwehungen.
Das Tief «Vincent» mit Kern bei den Shetland-Inseln bringt dann eine Wetterumstellung. Zunächst schneit es noch leicht in der Westhälfte und im Süden. Im Südwesten geht der Schnee in Regen über, dabei entsteht Glatteisgefahr. Diese breitet sich am Dienstag zum Westen und Nordwesten, später auch zum Norden aus. Am Himmel überwiegen dichte Wolken. Lediglich im Südosten kann sich später auch mal die Sonne zeigen. Auf den Alpengipfeln und in den östlichen Mittelgebirgen wird es durch Föhn stürmisch. Gefährlicher Glatteisregen ist auch für Mittwoch angesagt.
An Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen fällt in weiten Teilen Deutschlands etwas Regen oder Schnee, gebietweise kann es auch kurzzeitig zu gefrierendem Regen mit gefährlicher Glättebildung kommen. Die Sonne kommt kaum zum Vorschein. Bis Ende Dezember soll das regnerische und kühle Wetter anhalten.
iwi/sgo/news.de/ap/dpa