Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Einst war das Geräusch von Hämmern auf Ambossen allgegenwärtig. Heute ist es nur noch selten zu hören. Andreas Rimkus versucht diese Tradition für die Nachwelt zu erhalten.
Weit hallte einst das Krachen ihrer Hämmer auf die Ambosse. Doch auch wenn die Geräusche der Schmiede selten geworden sind: Manche gibt es noch. Andreas Rimkus ist einer von ihnen. Dass es den Beruf in seiner klassischen Form heute nicht mehr gibt, bedauert der 45-Jährige.
«Dagegen versuche ich etwas zu unternehmen», sagt der Künstler im Gespräch mit news.de. Im niedersächsischen Springe ist er täglich in Aktion, damit nicht in Vergessenheit gerät, was die Unesco zum immateriellen Kulturerbe erhob: die Handwerkskünste.
Eigentlich ist der 45-Jährige ausgebildeter Maschinenbaumeister. «Ich habe gelernt, eine Form zu machen, indem ich alles überflüssige Material drumherum wegnehme. Doch ich wollte es andersherum, etwas aus einem Stück formen.»
Damals sei er ausgelacht worden. Schließlich hätte es niemanden mehr gegeben, der ihm das hätte beibringen können. Doch es sollte anders kommen. Der Zufall spielte Rimkus in die Hände und brachte ihn zum Studium der Metallgestaltung in Hildesheim. Einer seiner Dozenten stammte aus einer alten Schmiedefamilie, der habe ihm vieles gezeigt. «Das hat in mir den Wunsch geweckt, mich nach dem Studium freischaffend niederzulassen», erinnert sich der Schmiedekünstler.
Ein Werk für die Nachwelt
«Wenn man anfängt», so sagt der 45-Jährige, «wird man vom Eisen erzogen. Und wenn man das überstanden hat, kann man sich das Eisen erziehen.» Nichts könne man mit dem Werkstoff «einfach so» machen. Jeder Handgriff, jede Idee müsse gut durchdacht sein. «Wenn ich ein Loch ins Eisen bohren will, muss ich wissen, wie ich einen Bohrer kühlen oder ansetzen muss. Erst dann wird aus dem Vorhaben, ein Loch zu machen, tatsächlich ein Loch.»
Für den Niedersachsen ist seine Arbeit eine Begegnung mit dem Ursprung, mit den vier Elementen. «Mein Beruf ist der Schmelztiegel für meine Ideen. Und davon habe ich viele.» Eisen sei der ideale Partner, um diese umzusetzen.
Den ganzen Tag verbringt er mit dem Werkstoff. «Und wenn das nicht reicht, auch die Nacht», verrät er. «Wenn ich eine Idee habe, muss ich sie sofort aufschreiben, damit ich sie nicht am nächsten Morgen vergessen habe.»
Trotzdem bleibt Zeit für die Familie: «Meine Frau ist Musikerin und Sängerin. Das ergänzt sich und wir inspirieren uns gegenseitig.» Der Sohn hat die Liebe des Vaters zum Eisen geerbt. Inzwischen gibt der 19-Jährige selbst Schmiedekurse an seinem Gymnasium.
Weil er seinen Beruf liebt, bedauert der Schmiedekünstler, dass solches Handwerk in der Schule heute keinen Platz mehr findet: «Der Werkstoff Metall hat dort keinen Stellenwert mehr. Das ist, als ob man die Noten in der Musik oder die Buchstaben beim Schreiben weglassen würde.» Denn die Hauptbestandteile der funktionierenden Welt bestünden aus Metall.
Gigantische Erinnerung an eine Handwerkskunst
Deshalb versucht er, mit einem ungewöhnlichen Projekt ein Zeichen zu setzen: seinem «GenerationenKunstWerk». Dabei handle es sich um überdimensionale Schmiedehämmer, die auf allen Kontinenten aufgestellt werden sollen. «Zwischen 13 und 30 Tonnen sind diese schwer und jeder mit einem Hammerauge - also einem Loch - versehen. Darin wird ein landestypischer Baum gepflanzt, der dort 2000 Jahre Zeit zu wachsen hat.»
Drei Hämmer sind inzwischen fertiggestellt. Eines dieser Werke, der «EuropaHammer», ist im Kröller-Müller-Museum in den Niederlanden, zu sehen. «Direkt neben Picasso und Henry Moore», freut sich Rimkus über eine besondere Ehre. Der letzte Hammer soll in der Antarktis platziert werden. «In einem Beruf geht es darum, eine Vision zu entwickeln. Hat man die nicht, ist es schwer, diesen richtig auszuüben.
Rimkus aber geht noch einen anderen Weg. Vor zwei Jahren hat er das «Mobile Schmiedelabor» fertiggestellt. «Mehr als 8000 Kinder und Jugendliche konnte ich dadurch schon in Kontakt mit der Schmiedekunst bringen», sagt der passionierte Handwerkskünstler. Wenn er selbst einmal nicht mehr ist, soll diese Arbeit die KulturFeuerStiftung fortführen, die er im Jahr 2000 ins Leben gerufen hat.
Doch allein von der Vision, eine Tradition an die Zukunft zu übergeben, kann auch er nicht leben. «Es gab viele Momente, in denen ich dachte, dass es so nicht mehr weitergeht. Damit muss sich jeder Künstler auseinandersetzen», sagt Rimkus.
Deshalb muss er viele Eisen im Feuer haben. «Das Generationenprojekt wird mich immer begleiten. Dennoch habe ich andere Projekte gestartet. Und ich versuche stets, neue Werkzeuge oder Methoden auszuprobieren. Ich glaube, es geht vor allem darum, einen langen Atem zu haben.»
ham/kat/reu/news.de