Himmlischer Job mit Dauerbereitschaft
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Im Jumbo ganz vorn sitzen: Für viele Menschen ein Traum. Doch nur weniger dürfen wirklich hinter das Steuer eines Fliegers. Zahlreiche Tests, teure Ausbildung und absolute Gesundheit sind unbedingt erforderlich.
Eigentlich wohnt Gunnar Kötter in Hamburg. Doch wenn es ums Berufliche geht, muss er in Frankfurt lokalisiert werden. Eigentlich aber verbringt der 52-Jährige einen Großteil seines Lebens über den Wolken. Er ist Flugkapitän und arbeitet für den Ferienflieger Ferienflieger Condor.
Flexibilität und Mobilität sei unbedingte Voraussetzung für den Job. «Der Wechselschichtdienst geht an die Substanz.» Ausgebildet wurde Kötter bei der Lufthansa. Den Tipp bekam er von einem Bekannten. Und vor 30 Jahren hat er geschafft, was gerade einmal einem von zehn Bewerbern gelingt: Er hat die Berufsgrunduntersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg bestanden. Dabei werden neben der Flugtauglichkeit auch das Reaktionsvermögen, mathematische und technisch-physikalisches Kenntnisse sowie englisches Sprachvermögen abgefragt.
«Der Test ist hart, aber er gibt eine gute Rückmeldung über die berufliche Eignung», sagt Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Vor allem sei der Weg ins Cockpit über unternehmenseigene Flugschulen bequemer als über freie Anbieter. Die meisten Luftfahrtgesellschaften bilden nicht selber aus, sondern bedienen sich auf dem Markt der Verkehrsflugzeugführer. Bis ein Bewerber aber die dafür nötige Lizenz in den Händen hält, die «Airline Transport Pilot Licence» (ATPL), kurz ATPL, kann es teuer werden: Bis zu 60.000 Euro kostet die Ausbildung. «Das ist ein wenig wie beim Fahrzeugführerschein. Wie gut Sie sind, zeigt sich daran, wie schnell Sie an die Lizenz kommen», erklärt Jörg Handwerg.
Sammelsurium von Lizenzen
Viele Bewerber sammeln Stück für Stück Lizenzen, etwa im Ultraleichtfliegerzentrum in Worms. «Die machen erst einmal an einer kleinen Flugschule die Lizenz für Privatflugzeugführer», erklärt Geschäftsführer Andreas Scheuermann. Der Fluglehrer hat schon so manchen Kandidaten neben sich sitzen gehabt, dem er den Traum von der Berufsfliegerei auszureden versuchte: «Das ist ein Beruf, für den man auch eine gewisse psychologische Eignung braucht.» Rationalität, Kommunikationsstärke und Geschicklichkeit, zählt Cockpit-Sprecher Handwerg auf: «Ein Pilot muss seine Emotionen gut unter Kontrolle haben und darf nicht zu dominant, aber auch nicht zu passiv sein.»
Gunnar Kötter hat an der Lufthansa Verkehrsfliegerschule in Bremen in zwei Jahren das Fliegen in Theorie und Praxis erlernt, zunächst am Flugsimulator, dann in einem Flugzeug. Als Copilot an Bord gehen durfte er aber erst, als in seinem Luftfahrerschein das «Type Rating», die Musterberechtigung für die Boeing 767 eingetragen war. Die Ausbildung für einen bestimmten Flugzeugtyp kostet auf dem freien Markt noch einmal bis zu 15.000 Euro. Dabei streben viele Piloten nach dem Jumbo, der Lizenz für eine Boeing 747, weil da die Verdienstchancen am größten sind.
Jobs sind Glückssache
Aber die Vorliebe für einen Flugzeugtyp entscheidet nicht über den tatsächlichen Arbeitsplatz. «Das ist eine Frage der Planstellen», sagt Jörg Handwerg. Im Cockpit ist Konkurrenzdenken tabu. Daher werde jeweils derjenige befördert, der nach seiner Dienstzugehörigkeit oben auf der Liste steht. «Die Aussichten sind zur Zeit weniger rosig, aber wir raten den Anwärtern, sich antizyklisch zu verhalten», sagt Sabine Daniel, Sprecherin der Flugschule LGM in Mannheim, die schon mehr als 1000 Berufspiloten ausgebildet hat. Auch die Fachzeitung Aero International berichtet, dass es mittelfristig nicht genügend ausgebildete Piloten gebe. Langfristige Prognosen sind schwer möglich. Immerhin gibt es Überlegungen, die Doppelbesetzung im Cockpit abzulösen.
Und der Beruf ist keiner mehr, in dem die Gehälter ständig steigen. Ein Jahresgehalt von einer Viertel Million Euro sei ein Spitzenwert, sagt Cockpit-Sprecher Handwerg. Bei der Air Berlin liege das Anfangsgehalt bei 2200 Euro monatlich. Mit Zulagen liegt das Jahresgehalt nach Angaben der Fluggesellschaft bei mehr als 50.000 Euro.
Dafür müssen die Beschäftigten Handwerg zufolge 365 Tage im Jahr verfügbar sein, Zeitverschiebungen in Kauf nehmen sowie die Gefahr der sozialen Vereinsamung: Pilot - ein Traumjob? «Ja», sagt Kapitän Handwerg trotz alledem. «Es macht Spaß, viel Verantwortung zu tragen, mit Technik umzugehen und einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz zu haben. Und das Fliegen ist einfach faszinierend.»
ham/news.de/dpa
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