Essen mit Allah, Jahwe und Krishna
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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Artikel vom 18.12.2009
Wer Vegetarier wird, hat ein gewisses Interesse an Ernährung. Muslime, Juden oder Hindus jedoch müssen aufgrund ihrer Religion bestimmte Nahrungsmittel meiden. News.de berichtet, wie sie in Deutschland damit umgehen.
Hundeliebhaber, die in Chinas Süden reisen, sollten lieber Abstand nehmen von den am Straßenrand feilgebotenen Speisegemischen. Muslime, die in Deutschland leben, haben es noch ein bisschen schwerer. Denn sie pflegen zwar nicht unbedingt innige Beziehungen zu Schweinen, doch sind diese Tiere für sie haram – und damit laut Koran verboten und tabu.
Doch wie im chinesischen Schnellimbiss die Schlange, versteckt sich Schwein in Deutschland gern im Detail. Zum Beispiel im Emulgator E471. Der dient dazu, Flüssigkeiten zu verbinden. Er kommt in Backwaren vor, in Süßigkeiten, steckt in Wurst und Babynahrung. Manchmal enthält er schweinische Fette, doch die stehen auf keiner Zutatenliste.
Was Vegetarier ärgert, ist für Muslime ein schwerwiegendes religiöses Problem. Und deshalb schellte in der Bremer Verbraucherzentrale immer wieder das Telefon. «Viele haben gefragt, ‹ich habe hier Schokolade, da ist E471 drin, und weiß nicht, ob ich die essen darf›», erinnert sich die Ernährungsberaterin Regina Aschmann. Irgendwann lag auf der Hand: Wir brauchen einen Einkaufsführer für Muslime. Nicht nur das als verunreinigt empfundene Schwein, sondern jedes Tier, das nicht geschächtetMuslime und Juden essen nur Fleisch von geschächteten Tieren. Dabei geht es um die rituelle Reinheit des Fleisches, das Tier muss komplett ausgeblutet werden. Getötet wird es durch einen einzigen großen Schnitt durch die Halsunterseite - im Judentum ohne Betäubung, was in Deutschland verboten ist, im Islam gegebenenfalls unter elektrischer Betäubung, mit der es ausnahmsweise erlaubt ist. wurde, ist haram. «Deshalb haben wir den Einkaufsführer gleich ganz vegetarisch gemacht, bis in den Bereich der Zusatzstoffe», erklärt Aschmann.
Gelatine, Farbstoffe oder Emulgatoren hat sie unter die Lupe genommen – nebenbei ist das auch ein Service für Vegetarier. Und für Antialkoholiker, denn die versteckten Spuren von Alkohol in vielen Produkten hat Regina Aschmann ebenfalls aus der Produktliste gesiebt, weil Alkohol für strenggläubige Muslime verboten ist. «Problematisch sind nur die alkoholischen Trägerstoffe für Aromen. Wer da ganz sicher gehen will, muss zusätzlich auf alle Lebensmittel verzichten, die aromatisiert sind», erklärt sie die Tücken der Lebensmittelindustrie.
Die Discounter blocken ab
Kürzlich ist die Broschüre in der vierten Auflage erschienen. Bei ihrer Erstveröffentlichung im Januar 2003 war die Resonanz überwältigend. «Ich bin von einer Welle an liebevollen Dankesbriefen überschüttet worden, wie wir das von deutschen Verbrauchern nicht kennen», erzählt Regina Aschmann. Ein Anliegen war ihr auch, den Muslimen zu zeigen, dass Verbraucherzentralen Leuten helfen, die über den Tisch gezogen werden. Deshalb enthält das Heftchen auch allgemeine Tipps, wie man sich gesund ernährt, wo man sich beschweren kann, wenn Lebensmittel nicht in Ordnung sind, was auf Verpackungen stehen muss und was ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist.
Viele blättern jedoch gleich durch zur Liste mit den «essbaren» Produkten – von Babykost über Fertiggerichte und Getränke bis Süßwaren. Von 500 von der Verbraucherzentrale angeschriebenen Herstellern habe 150 die Bestandteile ihrer Produkte preisgegeben. «Das Problem ist, dass die Discounter sich in der Regel nicht beteiligen», sagt Aschmann. Den meisten unterstellt sie jedoch keine Islamophobie, sondern vermutet, dass sie gar nicht exakt wissen, wie sich ihre Produkte zusammensetzen.
Nicht durch kleine Tiere unrein machen
Im Vergleich zu den vier Millionen Muslimen sind die rund 160.000 Juden in Deutschland eine verschwindend kleine Gruppe, die sich deshalb jedoch nicht weniger um ihre Speisegesetze, die Kaschrut, sorgen. Doch auch sie haben es schwer, denn während in den USA sämtliche Produkte als koscher markiert sind, wissen die meisten Deutschen hierzulande nicht einmal, was das eigentlich ist.
Schon 1989 hat der Rabbiner Tuvia Hod deshalb eine Lebensmittelliste erstellt. Er hätte damals gern mit den Muslimen zusammengearbeitet, aber seine Annäherungsversuche seien nicht auf Interesse gestoßen, erzählt er. «Ich würde mir grundsätzlich mehr Zusammenarbeit wünschen, dann hätte wir mehr Macht, auch gegenüber den Herstellern und im Kampf um die koschere Schlachtung», sagt Hod. Rabbi, ist das koscher?, heißt sein im Namen der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland erschienenes Buch, in dem er zum Beispiel erklärt, dass ein essbarer Fisch Schuppen haben muss. Koscher, das bedeutet angemessen oder rein. «Ihr sollt euch nicht durch all die kleinen Tiere, die sich auf der Erde regen, unrein machen», steht im 3. Buch Moses.
Was für die Muslime haram, ist für Juden treve, zu Deutsch zerrissen. Und dann gibt es noch parve, das ist jiddisch für neutral. Fische mit Flossen und Schuppen gehören dazu, alles, was in der Erde wächst, und Vegetarisches. «Mit dem Fisch gibt es wenig Probleme, Lachs, Forelle, Karpfen, Hering, das ist alles koscher und braucht nicht geschlachtet zu werden», sagt Rabbi Tuvia Hod. Tierische Produkte unterteilen die Kaschrut in milchig und fleischig, und beides darf, soll es koscher sein, auf keinen Fall miteinander kombiniert, im selben Topf gekocht oder mit dem selben Besteck gegessen werden.
Eigentlich sind die Regeln klar. «Quark, Hüttenkäse und weicher Käse sind erlaubt, Hartkäse wie Gouda, oder Emmentaler nicht», erklärt Hod. Hier geht es um die Art der Produktion. Joghurt werde zum Problem, sobald Gelatine drin ist. Beim Fleisch sind Paarhufer und Wiederkäuer sowie Geflügel erlaubt, verboten somit Schwein, Kaninchen oder Pferd. Voraussetzung jedoch ist die rituelle Schlachtung, und die führen in Deutschland nur einige wenige jüdische Fleischereien durch.
Die Koscherliste der Deutschen Rabbinerkonferenz führt, ähnlich wie der Einkaufsführer der Verbraucherzentrale, die konkreten Produkte der Lebensmittelindustrie auf, bei denen alles koscher ist. Rund 3000 sind es, die Rabbi Hod und seine Mitarbeiter teilweise selbst getestet haben. «Die Koscherliste ist weltweit bekannt, wird in Russland auch als Lehrbuch für koscher in jüdischen Gemeinden herangezogen», sagt Hod. Denn früher in der Sowjetunion fand kaum jüdisches Leben statt. Daran liegt es auch, dass viele Juden in Deutschland sich nicht streng koscher ernähren: Ein Großteil ist aus Russland übergesiedelt.
Ihr eigene Lebensmittelpolitik fahren auch die 60.000 Hindus in Deutschland. Fleisch und tierische Fette sind auch für sie der Knackpunkt, die Kühe sind ihnen heilig. «Aber weil viele Vegetarier sind und wir immer frisches Gemüse verwenden, ist es im Alltag relativ unproblematisch», sagt Vilwanathan Krishnamurthy, der Vizepräsident des Sri Ganesha Tempels in Berlin. 70 Prozent der Hindus hierzulande praktiziere die traditionelle ayurvedische Küche, ausgewogen und fettarm. «Schwierig ist es nur bei den Kindern, die Fischstäbchen essen wollen und mit den Jugendlichen – die futtern wie andere Europäer auch», meint Krishnamurthy.
kat/news.de
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Ich bin als gebürtiger Deutscher seit 39 Jahren Vegetarier, weil ich es angenehmer finde, zu essen, ohne Tiere zu töten und bin auch überdurchschnittlichj fit und gesund. Für die neueren Informationen der Verbraucherstellen bin ich ausserordentlöich dankbar. Vegetarische Ernährung hat nichts mit einem bestimmten Kulturkreis zu tun, obwohl religiöse Menschen überall auf der Welt immer wieder zu vegtarischen ernährung als umweltschonendere und ethisch vertretbarere gefunden haben. So war z.b. Franz von Assisi mit seinen Anhängern Tierfreund und Vegetarier.
jetzt antwortenKommentar meldenSo wird es sein. Statt auf Integration zu drängen, wird das Anders sein in den Vordergrund lanziert. Was hat die Essenskultur für eine Bedeutung, wenn sie sich außerhalb der säkularen Gesellschaft stellt? Wenn Religionsfreiheit mit Disskrimisierung der säkularen Gesellschaft gleich gesetzt wird, dann kann die religiöse Rechtssprechng das dt. GG bald ablösen.
jetzt antwortenKommentar meldenLieber Allah, Jahwe und Krishna, falls Ihr (oder Du?) tatsächlich so borniert seid, Eure Gschöpfe, die Menschen, mit solch kleinlichem Müll wie Ernährungsvorschriften zu gängeln, kann ich immer mehr verstehen, warum so viele Menschen Atheisten werden. Wäre es für einen Gott nicht sinnvoller, sich um die wirklichen Probleme seiner Geschöpfe zu kümmern, die da sind Frieden, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und und und. Oder stammen diese Vorschriften vielleicht gar nicht von Dir, sondern von Menschen, die auf diese Weise in Deinem Namen Macht ausüben wollen?
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