Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Nein, auch diese Weihnachten werden nicht weiß. Das gemeine Weihnachtstauwetter mit Tief über der Nordsee und warmer Luft aus dem Mittelmeerraum steht bereits in den Startlöchern. Meteomedia-Meteorologe Michael Bacher klärt bei news.de auf.
Welche Frage hören sie in den letzten Tagen am häufigsten?
Bacher: Ja, wahrscheinlich schon, ob es weiße Weihnachten gibt oder nicht.
Und – was antworten Sie?
Bacher: Es gibt keine Antwort, die für alle Regionen passt. Für Lagen unter 300 Metern sieht es grundsätzlich schlecht aus.
Was ist Schuld daran?
Bacher: Anfang nächster Woche kommt ein kräftiges Tiefdruckgebiet mit Kern über der Nordsee. Da wird auf der Vorderseite die kalte Luft verdrängt und aus Südwesten fließt mildere Luft nach - deshalb wird es breite Plusgrade geben.
Zweistellig?
Bacher: Dafür wird es nicht reichen.
Hat das Tief, das uns die weiße Weihnacht vermiest, denn schon einen Namen?
Bacher: Da ist noch nichts vergeben, denn es bildet sich erst. Namen geben wir erst, wenn es existiert - damit der Name nicht vergeblich war, wenn es doch nur ein kleines Tief wird.
Und woher kommt die böse warme Luft?
Bacher: Aus dem südlichen Mittelmeerraum und Nordafrika.
Dort sollte man Weihnachten sicher nicht verbringen, wenn man es weiß haben will. Wo dann?
Bacher: Dort, wo aktuell 10 bis 20 Zentimeter Schnee liegen, sind die Chancen ganz gut. Das ist derzeit am bayerische Alpenrand, auch im Erzgebirge. Auf 800 bis 1000 Metern ist man relativ sicher.
Und was erwartet die Menschen in den Niederungen? Regen?
Bacher: Es ist noch zu weit weg, um es genau zu sagen, aber allzu kräftiger Niederschlag ist nicht zu erwarten - kein Dauerregen oder Dauerschneefall.
Haben wir es da mit dem viel zitierten Weihnachtstauwetter zu tun?
Bacher: Ja, es fällt klassisch darunter. Das Weihnachtstauwetter ist eine sogenannte Singularität wie die Hundstage oder Schafskälte: Es tritt nicht zwingend auf, ist aber häufig zu beobachten. Typisch beim Weihnachtstauwetter ist, dass von Süden doch nochmal die milderen Luftmassen herbeigeführt werden.
Was erwartet uns denn danach?
Bacher: Es geht wieder Richtung Winter, kältere Luft wird einfließen, wahrscheinlich noch an den Weihnachtsfeiertagen.
Gibt es tatsächlich immer weniger Schnee, wie viele behaupten?
Bacher: Das ist allgemein schwierig zu beantworten. Tatsächlich muss man ein bisschen weiter nach oben gehen, um eine geschlossene Schneedecke zu finden.
Warum ist weiße Weihnacht eigentlich so ein Thema?
Bacher: In Mitteleuropa ist es ein Klischee, dass Weihnachten weiß sein sollte. Es sieht ja auch auf den Darstellungen so aus, dass immer Schnee am Christbaum liegen soll.
Schnee ist aber doch auch ziemlich unpraktisch. Mögen die meisten Leute ihn wirklich?
Bacher: Im Bezug auf Weihnachten wünschen sich viele den Schnee, aber wenn der Winter länger dauert, dreht sich das bei vielen Leute um. Es kommt ganz auf den Monat an.
Und was wünschen Sie sich?
Bacher: Ich hätt' schon gern weiße Weihnachten.
Michael Bacher ist Meteorologe beim von Jörg Kachelmann gegründeten Wetterdienst Meteomedia.
car/news.de