So., 12.02.12

Jubiläum Nächste Ausfahrt: Vater unser

Von news.de-Redakteur Björn Menzel

Artikel vom 24.12.2009

Vom Standpunkt einer Kirche aus betrachtet, beginnt alles Gute sonntags um 10 Uhr und endet gegen Mittag. Nicht so bei Autobahnkirchen.

Vor 50 Jahren wurde in Deutschland die erste evangelische Autobahnkirche gegründet. Viele der Gotteshäuser haben heute rund um die Uhr geöffnet, an sieben Tagen in der Woche. Ihre Gäste sind Geschäftsleute, die eigentlich keine Zeit haben, sie sich aber immer öfter nehmen.

Es war eine kleine Sensation. Damals, als im Jahr 1959 in Exter (Vlotho) in Ostwestfalen die erste evangelische Autobahnkirche feierlich ihrer Bestimmung übergeben wurde. Die alte Dorfkapelle aus dem Jahr 1666 stand direkt an der Autobahn 2, die Ausfahrtsstraße teilte sogar jahrzehntelang den Friedhof in zwei Teile.

Ein Jahr zuvor hatte es die Gemeinde Adelsried im Landkreis Augsburg an der A 9 vorgemacht und gründete die erste offizielle Autobahnkirche, eine katholische. Heute gibt es 33 Stück in ganz Deutschland. Die Einrichtungen bekamen schnell ihren Namen weg: Tankstellen für die Seele, und sie sind es am Rande von Rausch, Zeitdruck und Geschwindigkeit auch geworden.

Die Idee dahinter ist so einfach wie naheliegend. Als Ende der 1950er Jahre der Verkehr auf den deutschen Autobahnen immer dichter wurde, wuchs auch der Stress beim Reisen. Der Autofahrer konnte es sich aussuchen: Entweder er wurde überholt oder er überholte selbst. Er jagte oder er wurde gejagt. Entspanntes Fortbewegen sieht anders aus.

Somit sind die Autobahnkirchen schnell zu beliebten Anlaufpunkten und Raststätten geworden. Im Vorgarten der Gotteshäuser entstanden Parkplätze, Sitzgruppen und Mülleimer. Im Inneren der Kirchen warteten das Gebetsbuch und, wenn gewünscht, der Pfarrer persönlich.

Der Bedarf und die Neugier brachten ungeahnte Besucherströme. Ulrich Holtkamp, 67 Jahre alt und von 1974 bis 2001 Pfarrer der Autobahnkirche Exter, erinnert sich an die Erzählungen seines Vorgängers Wilhelm Gröne. «Die Kirche war teilweise zum Gottesdienst so überfüllt, dass die Besucher draußen in ihren Autos das Geschehen verfolgten», sagt er.

Auf den Parkplatz habe man Lautsprecher gestellt und aus der Kirche übertragen. Die Gäste saßen in ihren Autos, mit heruntergekurbelter Scheibe. Doch Reisende hielten sich nicht lange an die üblichen Zeiten eines Gottesdienstes. Das Gute, vom Standpunkt einer Autobahnkirche aus betrachtet, begann dann, wenn der Verkehr auf der nahen breitspurigen Straße rollte. 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche.

iwe/nbr/news.de
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 30.12.2009 23:51
von
Ole

Sich der mobilen Gesellschaft vor 50Jahren zu nähern war Kirche bei den Menschen, Angebote sollten gerade heute neu kommen,denn zu oft kommen die die Menschen nicht mehr zu den Kirchen in dieStädte.Fehlender Parkraum!Habe in Frankreich viele Gemeinden mit alten Stadtzentren, Kirchen, super Lösungen gefunden.An Kirchen und Friedhöfen Parkplätze zum kurzen Verweilen,mit Sanitärvorrichtungen die es in Deutschland so nicht gibt.Da kann sich auch mal Deutschland in Frankreich und Dänemarkt Vorbildliche Lösungen anschauen!Exter ist toll!

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