Jeden Tag ein Gipfelsturm
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Brocken
Artikel vom 10.12.2009
Benno Schmidt ist Brocken-Benno. In den vergangenen 20 Jahren hat er Berühmtheit erlangt. Schuld daran ist sein einzigartiges und verrücktes Hobby.
Diese Geste hat sich Benno Schmidt 20 Jahre lang erarbeitet. Nicht er, der 77-jähriger Wandersmann geht auf Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) zu, sondern umgekehrt. «Hallo Benno», ruft Böhmer und bahnt sich einen Weg durch die Menschenmenge in Richtung Schmidt. Auch Böhmer will Benno Schmidt die Hand schütteln und ihm alles Gute wünschen. Genau wie so viele andere an diesem Tag auf dem Gipfel des Brocken.
Benno Schmidt ist eine Berühmtheit, besonders auf dem Brocken. Er ist der Brocken-Benno. So nennen ihn alle, die ihn treffen - und das sind nicht wenige. Denn Benno wandert jeden Tag auf den mit 1142 Metern höchsten Gipfel Norddeutschlands, und das seit 20 Jahren. Mittlerweile hat er fast 5900 Aufstiege absolviert und dabei 79.000 Kilometer zurück gelegt. Damit hätte er auf dem Äquator die Erde fast zweimal umrundet. Aber Benno besteigt immer nur seinen Lieblingsberg.
Wer herausfinden möchte, was ihn antreibt, sollte selbst einen Aufstieg mit dem ewigen Wanderer wagen. Ein Stückchen vom Mythos und der Anziehungskraft des Berges kann dann geklärt werden. Benno steigt jeden Morgen in sein Auto und fährt von seiner Wohnung in Wernigerode hinauf in das kleine Harzörtchen Schierke. Punkt neun Uhr beginnt seine Wanderung, genau dort, wo vor 20 Jahren noch ein Schlagbaum stand. Der Brocken war 28 Jahre lang Sperrgebiet. Wenige Kilometer neben dem Gipfel verlief die innerdeutsche Grenze.
Erst am 3. Dezember 1989 fiel die Mauer auf dem Plateau. Damals, am frühen Morgen, stiegen Benno und seine Frau Helga in ihren Trabant und fuhren Richtung Brocken. Beide wollten bei der Grenzöffnung unbedingt dabei sein. Tausende riefen «Aufmachen, Aufmachen» und 12.45 Uhr fiel das Eisentor. Benno und Helga haben gesungen und getanzt, wie alle anderen. Den Brocken konnten sie bis dahin nur aus der Ferne sehen. Nun hatten sie ihn wieder und Benno ließ der Berg nie wieder los. Bis heute nicht. «Er ist wie ein Magnet für mich.»
Der 77-Jährige ist ein hagerer Mann. Er geht leicht gebückt und seine Waden sind stramm. Das Gesicht ist gegerbt von Sonne, Regen, Schnee und Sturm. Benno trägt eine grüne Schirmmütze mit zahlreichen Anstecknadeln. Es sind Wanderabzeichen. Auf dem Rücken hat er immer einen kleinen Rucksack mit einer Wasserflasche und an den Füßen knöchelhohe Wanderschuhe. Benno braucht nur ein neues Paar pro Jahr. Kaum zu glauben. Denn der Weg hinauf und hinab ist alles andere als freundlich.
Die 600 Höhenmeter zwischen Schierke und Gipfel gehen über Steine und Matsch, durch Wald und karges Land. Auf dem Brocken herrscht Hochgebirgsklima. Während unten die Sonne scheint, kann es oben bei Minusgraden stürmen. Das Wetter kann sich binnen weniger Minuten ändern. Vor Überraschungen ist selbst Brocken-Benno nicht gefeit. Trotzdem führt sein Weg fast zwei Stunden lang immer nur nach oben. Benno geht, ohne sich umzudrehen. Nur einmal hält er kurz an und sagt: «Hier begann der Schutzstreifen der Grenze». Der Durchgang war verboten. Heute steht an derselben Stelle ein anderes Schild: Naturschutz - betreten verboten.
Kurz vor dem Gipfel macht Benno ein zweites Mal Halt. Er legt seine Hand auf einen großen Stein. «Brocken wieder frei» ist in den Findling gemeißelt. Und das Datum der Brockenöffnung 1989, der 3. Dezember. Der Stein liegt seit 1994 an dieser Stelle. Benno hatte sich für ihn stark gemacht. An guten Tagen gehen nun bis zu 15.000 Menschen am Stein vorbei. Der Brocken ist ein touristisches Ausflugsziel geworden. Es gibt ein Museum auf dem Gipfel, ein Hotel, den Brockenwirt, einen Brockengarten und die Brockenbahn fährt mehrmals täglich. Das Aushängeschild des Berges ist jedoch Brocken-Benno.
Die letzten Meter vor dem Ziel verlaufen auf der Brockenstraße. Eine scharfe Rechtskurve und dann noch einmal lange nach links. Aus dem Nebel taucht zuerst der Bahnhof auf und dann die Kneipe «Brockenwirt». Benno ist hier quasi zu Hause. Draußen am Ausschank klappt er sein Büchlein aus und lässt sich einen Stempel ins Heft drücken. Die Stempel sind die Nachweise seiner Gipfelstürme.
Heute, am 3. Dezember 2009 bekommt er seinen 5850. Seit genau 20 Jahren geht er nun diesen Weg. «28 Jahre wurde mir der Brocken wegen der Grenze genommen», sagt er. «Also möchte ich noch acht Jahre wandern, um alles aufzuholen.» Ein ehrgeiziger Plan. Musste Benno doch in diesem Jahr erstmals einige Wochen aussetzen. Eine Krebserkrankung zwang ihn dazu.
Seit wann Benno Schmidt nur noch Brocken-Benno genannt wird, ist unklar. Es muss ungefähr seit dem Augenblick gewesen sein, als bekannt wurde, dass es einen gibt, der jeden Tag den Gipfel stürmt. Es hat Tage gegeben, an denen Benno sogar fünfmal oben war. Die Wanderungen brachten ihm nicht nur drei Eintragungen ins Guinnessbuch der Rekorde, sondern auch negative Stimmen ein. Unter anderem fragen sich einige, warum er heute so fit sei und früher nicht. Jedoch: «Es gibt keine bessere Werbung für den Harz», sagt der Brockenwirt Hans Steinhoff.
Und Heinrich Heine, der selbst einmal den Brocken bewandert hat, schrieb: Es gibt keinen Verrückten, als daß er einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.
che/news.de
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In 1142 Metern Höhe thront der Brocken über dem Harz. Oben wartet eine Hochgebirswelt, die im Tal nicht zu erahnen mehr ...
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Jede Einweihung von Grenzschildern ist ein Fest der Erinnerung. Eine Geschichte über rote Rosen, den tanzenden Eltern von Ursula mehr ...
. . .natürlich heißt es "2010"
jetzt antwortenKommentar meldenGanz zufällig sind meine Frau und ich beim Aufstieg auf den Brocken (Züge überfüllt) am 22.09.2020 Brocken-Benno begegnet. Uns reichte der eine Aufstieg völlig, die Leistungen von Benno sind aber einfach bewunderns- und beneidenswert! Es grüßen aus dem alljährlichen Harzurlaub aus Hohegeiß Sabine und Gerhard aus Kiel
jetzt antwortenKommentar meldennews.de hat inzwischen die unsachlichen und bösartigen Bemerkungen einiger Neider aus dem Bericht herausgenommen.Daher haben die kritischen Kommentare ihren Bezug verloren.
jetzt antwortenKommentar meldenRobert Lemke sagte einmal zum Thema "Pressefreiheit": "Pressefreiheit ist das Recht, Lügen zu drucken, ohne dazu gezwungen zu werden !" Schade, eigentlich ein guter Artikel, nur am Ende fehlte die Einsicht, dass weniger mehr sein kann. Die vorhergehenden Kommentare enthalten auch mein Empfinden. Brocken-Benno bleibt mir ein lieber Freund. Jede Begegnung mit ihm und jeder Gedankenaustausch sind Freude und Genugtuung darüber, solch einen Menschen zu kennen.
jetzt antwortenKommentar meldenDurch Bennos homepage wurde ich auf diesen Artikel aufmerksam, der eine Würdigung der Leistungen von Brocken-Benno sein soll, und es größtenteils auch ist. Er hat mich arg enttäuscht. Ihm fehlt die sportliche Fairness, eine Eigenschaft, die gerade bei Benno so stark ausgeprägt ist. Für mich stellen diese absurden Behauptungen ehrverletzende Angriffe auf die Person von Benno und seine Familie dar. Der "Rat" ist widerlich, unanständig, beleidigend und in seiner Primitivität kaum zu überbieten. Dem Autor wäre zu wünschen gewesen, sich von diesen geschmacklosen Äußerungen deutlich zu distanzieren.
jetzt antwortenKommentar meldenHallo Björn Menzel, der vorstehende Artikel ist Ihnen gut gelungen - bis auf 2 Sätze im letzten Absatz! Ich bin enttäuscht, daß Sie solch primitive Verleumdungen und Beleidigungen kommentarlos übernehmen. Ich habe es nicht nötig, mich zu rechtfertigen, möchte aber doch bemerken: Mein Studium als Handelsökonom habe ich mit "Auszeichnung" abgeschlossen! Und auch Bereichsdirektor, Fachdirektor Handel und Rationalisierung und Stellvertetender Betriebsleiter wurde ich nicht durch Faulheit. Ich erwarte eine umgehende Korrektur und künftig eine sachliche Berichterstattung auf Grundlage von Fakten.
jetzt antwortenKommentar melden"Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muß man sich verdienen." In Bezug auf die beleidigenden Äußerungen ist dem vorherigen Kommentar nichts hinzuzufügen. Da ich Brocken-Benno gut kenne, weiß ich: Kritik kann er vertragen, beleidigen lassen muß er sich sicher nicht. Und daß es neben Neidern auch Leute gibt, die sich mit ihm freuen, kann der Interessierte den zahlreichen Einträgen im Gästebuch seiner Internetseite www.brocken-benno.de entnehmen.
jetzt antwortenKommentar meldenSehr geehrter Herr Menzel, gleich vorweg: Ich bin froh, dass in unserem Land die Presse frei ist, aber die Grenzen des Anstands sollten gewahrt bleiben. Im Herbst begegnete ich auf dem Brocken Herrn Schmidt und seiner Frau und es kam zu einer netten Unterhaltung. Wenn er denn -warum auch immer-, wie Sie schreiben, so viele Neider hat, dann sollten Sie sich nicht deren beleidigendes Vokabular zu Eigen machen. Mit dem Namen Brocken-Benno wurde er übrigens, wie ich gelesen habe, von seinen Freunden bei der 1000. Brockenwanderung geehrt.
jetzt antwortenKommentar meldenKrebserkrangkung dann ist Fit halten sehr in Ordnung .
jetzt antwortenKommentar meldenMit Lester, der kommt auch wieder runter.
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