Fr., 25.05.12

Falkner 02.12.2009 Mit den Schwingen des Vertrauens

Falkner Rouven Polep (Foto)
Die Liebe zu den Greifvögeln entdecke er als Jugendlicher. Heute ist Rouven Polep Leiter des Falkenhofs im Wisentgehege bei Springe. Bild: Privat

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Ein Scheich ohne Falken? In Arabien kaum denkbar. Die Greifvögel sind dort Statussymbol. In Deutschland werden die Tiere ebenso verehrt und das als Hobby gelebt. Rouven Polep macht es anders. Aus seiner gefiederten Liebe wurde ein Beruf.

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Dass er heute einem Beruf nachgeht, den er liebt, hat Rouven Polep einem Zufall zu verdanken. Aus der Not heraus habe ihm einmal eine Falknerin einen Falken auf den Arm gesetzt. «Dem habe ich zu tief in die Augen geschaut. Es war um mich geschehen», verrät der 32-Jährige. 

Die Liebe zu den majestätischen Jägern der Lüfte flammte zwar erst mit 16 Jahren so richtig auf. Doch die Neugier an den Tieren trägt er schon seit Kindesbeinen in sich. «Als Kind habe ich mal neben einem Steinadler gestanden. Das hat die Faszination für Greifvögel geweckt.»

Lange blieb es nur beim Hobby. Denn eigentlich ist Rouven Polep staatlich geprüfter Assistent für Informatik und hat jahrelang in der EDV gearbeitet. Bis 2002 das Angebot kam, Berufsfalkner zu werden. Seit 2007 leitet er den Falkenhof im Wisentgehege bei Springe (Niedersachsen). Den EDV-Job hingeschmissen zu haben, hat er nie bereut.

Vertrauen statt Unterordnung

Falknerei ist kein Lehrberuf im gesetztlichen Sinn. Im Prinzip ist es Jagdausübung, der Jagdschein daher Voraussetzung. Falkner aber kann erst werden, wer einen speziellen Lehrgang besucht und die zugehörige, zweitägige Prüfung bestanden hat. Dabei geht es vor allem um Wissen: über Ornithologie, die Haltung und Pflege von Greifvögeln, deren Ernährung, aber auch über Jagd und gesetzliche Regelungen. Bei Polep war es vor zwölf Jahren soweit.

Heute betreut er 65 Tag- und Nachtgreife. Was ihn reizt, ist die enge Beziehung zu den Tieren, die sich bei jungen wie älteren Vögeln immer neu beweisen muss. «Vertrauen muss erarbeitet werden. Auf beiden Seiten, denn die Tiere sind nicht zahm und würden so wie mit mir nicht mit jedem anderen umgehen.» Erzählt Polep das den Besuchern seiner Flugschauen, stößt er regelmäßig auf Begeisterung und Neugier.

Oft ist es die Liebe zu Tieren, die manchen Tierpfleger oder Tierarzt werden lässt. Doch Polep geht es bei seiner Arbeit eher um Partnerschaft: «Falknerei muss ohne Zwang und Strafe auskommen. Das Vertrauen steht ständig auf dem Prüfstand.» Der Vogel entscheide immer neu, ob er zurückkommt, sobald er einmal freigegeben wurde.

Für viele nur ein Hobby

Und warum sind die Vögel dann angebunden? Eine Frage, der Polep immer wieder begegnet. Das habe nichts damit zu tun, dass die Tiere wegfliegen könnten: «Einerseits sind die meisten Greifvögel Einzelgänger, die nur zur Paarungszeit zusammenkommen. Andererseits sind sie auch untereinander Fressfeinde, und das Risiko ist groß, dass sie aufeinander losgehen.»

Bundesweit gibt es rund 2000 praktizierende Falkner. Die meisten betreiben die Arbeit mit den Vögeln als Hobby und gehen mit ihren Tieren zur Jagd. Rouven Polep gehört zu den rund 150, die Berufsfalkner sind und dafür auch an die Substanz gehen.

«Als Job funktioniert die Aufgabe nur, wenn man eine Falknerei hat und Vorführungen macht. Oder als Großzüchter arbeitet», sagt der Fachmann. Der Aufwand ist groß. Nicht nur weil Pflege, Futter und Tierarzt finanziell ins Kontor schlagen. Greifvögel nehmen viel Zeit in Anspruch. «Würde es als Hobby betrieben, müssten 80 bis 90 Prozent der Freizeit dafür aufgebracht werden.»

Tierischer Familienersatz

Für Polep selbst beginnt der Tag meist kurz nach sechs. Mit Büroarbeit. Dann sind die Vögel dran. Nach der Nacht in den Volieren müssen sie ihre Federkleid lüften und baden. Der Falknereichef schreitet derweil zum täglichen Gesundheitscheck, prüft Gewicht und körperliche Verfassung seiner Schützlinge. Flugtraining und die Vorbereitung der Flugschau folgen, die zweimal täglich stattfindet. Schließlich müssen auch die Anlagen gereinigt und das Futter für den nächsten Tag vorbereitet werden.

Und auch Zukunftsprojekte müssen angegangen werden. Polep arbeitet an einem Zuchtprogramm. Im vergangenen Jahr haben er und sein Team die ersten Paare zusammengestellt. Dabei geht es allerdings nicht ums Geschäft, sondern um Arterhaltung und die Sicherung des eigenen Bestandes.

Feierabend bevor die Dunkelheit anbricht hat der 32-Jährige bei diesem Tagesplan selten. Für eine Familie bleibt da wenig Zeit. «Ich habe zwei Hunde. Und die Vögel sind mein Familienersatz, sie sind quasi wie die eigenen Kinder. Auch wenn das nach Vermenschlichung klingt.»

Doch Rouven Polep kann damit leben: «Ich habe zwar kein großes Haus, sondern nur eine Wohnung. Aber ich kann sagen, dass ich drei Viertel meines Lebens das gemacht habe, was ich wirklich wollte.» Und er tut er nicht nur für sich. Sondern auch für alle interessierten Menschen. Der Falkner und seine Mitarbeiter bringen die Natur näher. Und das Wissen um die heimischen Arten, das bei allen Büchern und Filmen über Exoten manchmal zu sehr in den Hintergrund rückt.

kat/news.de
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